Bezahlbare Unterkunft

Remscheid sucht umbaufreudige Vermieter

Sozialer Wohnraum ist knapp, auch in Remscheid. Die Prognose: In den kommenden Jahren wird die Stadt 85 Prozent der Sozialwohnungen verlieren. Diesen Trend will das Team um Fachdienstleiter Carsten Thies (kleines Foto) stoppen. Er wirbt für ein Modernisierungsprogramm. Fotos: Roland Keusch
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Sozialer Wohnraum ist knapp, auch in Remscheid. Die Prognose: In den kommenden Jahren wird die Stadt 85 Prozent der Sozialwohnungen verlieren.

Remscheider können an Modernisierungsprogramm teilnehmen – Null Prozent Zinsen und Tilgungsnachlass.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Die Remscheider Bevölkerung hat sich anders entwickelt als erwartet. 2001 zählte die Stadt 122 000 Einwohner, 2010 waren es 111 000. Die Prognose damals: 104 000 bis 106 000 Einwohner würde es 2020 in Remscheid geben.

Diesen Trend will das Team um Fachdienstleiter Carsten Thies stoppen. Er wirbt für ein Modernisierungsprogramm.

Wie wir heute wissen, kommt das nicht hin. Denn Remscheid ist ordentlich gewachsen. Aktuell leben hier rund 113.000 Menschen. Und sie alle brauchen eine bezahlbare Unterkunft. Was die Stadt dafür tut, erklärt Carsten Thies, Leiter des Fachdienstes Soziales und Wohnen.

Wie viele Sozialwohnungen gibt es in Remscheid?

Ende 2019 zählte die Stadt 4279 Sozialwohnungen. „Ende 2020 werden es noch 4000 sein. Es geht rapide in den Keller. Wir brauchen dringend Zuwachs“, erklärt Thies. Die Tendenz: In den nächsten Jahren wird Remscheid etwa 85 Prozent davon verlieren. Diesen Trend will die Stadt stoppen.

Was definiert eine Sozialwohnung?

Das sind Wohnungen, die an einen Wohnberechtigungsschein gekoppelt sind. „Laut Erhebungen des Landes wäre die Hälfte der Bevölkerung wohnberechtigt.“ Das sind nahezu alle Rentner, Alleinerziehende oder jene, deren Einkommen gering ist. „Die Aussage, dies betreffe nur Randgruppen, stimmt nicht“, betont Thies. Remscheider Zahlen gibt es nicht.

Wie kann die Stadt helfen?

Die Landesregierung hat ein Programm aufgelegt, womit zusätzlicher sozialer Wohnraum geschaffen werden kann. Die Stadt Remscheid ist dabei die Bewilligungsbehörde – und vermittelt Interessierte in das Landesprogramm.

Wie sieht das Programm genau aus?

Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften können modernisieren oder neu bauen. Nach wie vor gilt: null Prozent Zinsen und 30 Prozent maximaler Tilgungsnachlass über die NRW Bank. „Günstiger und besser kommt man nicht an Geld für Modernisierungen ran“, wirbt der Fachdienstleiter für das Landesprogramm. Es läuft noch bis 2022. Von einer Verlängerung sei jedoch auszugehen. „Wir hoffen, dass die Menschen kommen und uns das Geld abnehmen.“

Wie viele Remscheider Vermieter machen bereits mit?

„Wir haben Kontakt zu fünf Investoren, die gerne etwas machen möchten. Dabei geht es um Modernisierung oder auch um Eigentumserwerb“, sagt Thies. Man sei zudem in sehr guten Gesprächen „mit unserem größten Partner“, der Gewag. Aber, so betont Carsten Thies: „Ich bin nicht zufrieden. Ich hatte mir mehr Resonanz gewünscht.“ Das verminderte Interesse könne auch mit der Corona-Krise zusammenhängen, schätzt der Wohnexperte. „Wir müssen in jeden Fall noch mal werben.“

Wie will die Stadt die Eigentümer erreichen?

In den acht von der Stadt identifizierten Leerstandsgebieten möchte das Team gezielt Info-Veranstaltungen durchführen und Menschen aus den Quartieren ansprechen. So der Plan. Dann kam Corona. „Sollte die Krise anhalten, müssen wir andere Vertriebsweg suchen.“

Wo befinden sich die Leerstandsgebiete?

Westliche Innenstadt, Zentralpunkt/Süd, Stachelhausen/Honsberg, Hasten-Zentrum, Lennep-Neustadt, Lennep-Hasenberg, Lüttringhausen-Klausen, Lüttringhausen-Zentrum. Hier stehen viele Wohnungen leer, in die neues Leben einziehen könnte.

Für welchen Preis kann ein Vermieter danach vermieten?

Vermieter können laut Thies 5,80 Euro an Bewilligungsmiete nehmen. „Die Landesregierung hat den Rahmen extra für uns hochgesetzt.“ Anfang des Jahres lag der Preis noch bei 5,30 Euro. „Das Land hat auch gesehen: Die Kosten, um etwas herzustellen, sind hier in Remscheid genauso hoch wie an der Rheinschiene oder im Ruhrgebiet.“

Wird es bald einen neuen Mietspiegel in Remscheid geben?

Ja. Zum 1. Dezember wird ein neuer Mietspiegel in Kraft treten, kündigt Carsten Thies an. Die Stadt will bald detailliert darüber informieren.

Kontakt

Förderanträge: Birgit Krah von der Remscheider Stadtverwaltung nimmt auch unabhängig von den acht Kerngebieten Förderanträge von Vermietern, die Interesse haben, entgegen. Auch ein persönlicher Beratungstermin unter den gängigen Sicherheitsmaßnahmen ist möglich. Kontakt: Tel. 16 37 37 oder

birgit.krah@remscheid.de

Weitere Informationen: Auf der Internetseite der Stadt Remscheid gibt es einen Flyer sowie die Verlinkung zur NRW Bank.

remscheid.de

Stadt sieht das anders: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft entstehen 50 Prozent mehr Wohnungen als gebraucht werden.

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