Ausbildung

Suche nach Auszubildenden: „Wer will, kann morgen schon anfangen“

Beim Shopping schnell noch eine Ausbildungsstelle mitnehmen? Carmen Bartl-Zorn und Christine Köhler von der IHK im Gespräch mit Jugendlichen auf der Alleestraße. Im Hintergrund eine der Wäscheleinen mit Job-Angeboten. Foto: Roland Keusch
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Beim Shopping schnell noch eine Ausbildungsstelle mitnehmen? Carmen Bartl-Zorn und Christine Köhler von der IHK im Gespräch mit Jugendlichen auf der Alleestraße. Im Hintergrund eine der Wäscheleinen mit Job-Angeboten.

Beratung beim Einkaufen auf der Alleestraße: Zahlreiche Firmen suchen noch Auszubildende

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Wäscheleinen sind auf der Alleestraße nun wirklich kein alltäglicher Anblick. Erst recht, wenn daran wie am Mittwochvormittag statt Hosen und Hemden Dutzende Ausbildungsangebote hängen. „Ich hätte noch viel mehr mitbringen können“, sagt Anja Topmöller von der Agentur für Arbeit. Immerhin seien im Städtedreieck noch über 1300 Ausbildungsstellen unbesetzt. Um das zu ändern, ist sie hier angetreten.

Und dafür hat sie nicht nur Kolleginnen und Kollegen von der Arbeitsagentur mitgebracht, sondern auch Vertreter der Stadt Remscheid, der IHK, der Kreishandwerkerschaft und des BZI. Sie alle haben Stellung auf der oberen Allee bezogen, um jungen Menschen aber auch deren Eltern die Möglichkeiten der Ausbildung näher zu bringen. Und im besten Fall gleich Ausbildungsplätze zu vermitteln.

„Beratung beim Einkaufen“ haben die Partner des Bergischen Ausbildungskonsens die Aktion getauft, die in den kommenden Wochen in anderen Städten fortgesetzt wird. Und dazu gehören auch die zahlreichen Job-Angebote, die ausgedruckt an den Wäscheleinen warten.

Ausbildungsangebote gibt es in noch in allen Bereichen

Dabei sind unbesetzte Ausbildungsstellen auch nach dem eigentlichen Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August keine Seltenheit. Doch in diesem Jahr sei es besonders schlimm, sagt Anja Topmöller: „Wir haben Angebote in allen Bereichen“, sagt sie und zählt Branchen vom Handwerk bis zur Medizin auf. „Selbst kaufmännischen Stellen sind noch frei, sogar Kfz-Mechatroniker werden gesucht.“

Das liege nicht zuletzt an Corona, sagt Topmöller: „Die Jugendlichen sind total verunsichert.“ Weil Jobmessen ausfielen und Praktika kaum möglich waren. „Viele wissen nicht, was sie machen wollen und gehen deswegen weiter zur Schule.“ Deswegen gehe man schon länger aktiv auf die Jugendlichen zu, sagt Berufsberaterin Saskia Pörner: „Das ist das A und O.“ Regelmäßig sei man an den Schulen präsent. Und zum Ende der Sommerferien in der Fußgängerzone.

„Die Jugendlichen sind total verunsichert.“

Anja Topmöller, Agentur für Arbeit

Mit Erfolg, wie sie sagt: In der ersten Stunde hätten rund 15 Jugendliche vorbeigeschaut, teils zusammen mit ihren Eltern oder Großeltern. „Manche haben ganz konkrete Vorstellungen, was sie suchen, andere wollen sich eher allgemein informieren.“

Und einige haben sogar gleich ihren kompletten Unterlagen mitgebracht, wie Lutz Kotthaus, Lehrlingswart der Kreishandwerkerschaft, von einem der ersten Besucher berichtet: „Der junge Mann sucht eine Ausbildung als Garten- und Landschaftsbauer, die Bewerbung mit Lebenslauf und allem hatte er dabei.“

Freie Stellen: Zug ist für dieses Jahr noch nicht abgefahren

Gerade für das Handwerk sei es wichtig, aktiv auf Azubi-Suche zu gehen, sagt Kotthaus. „Wir haben leider ein schlechtes Image, dass man sich bei uns nur den Rücken krumm macht.“ Dabei würden viele Handwerksberufe sehr gute Job-Aussichten bieten: „Wer gut ist im Handwerk, ist nicht arbeitslos.“ Zudem gebe es gute Möglichkeiten, sich auch in jungen Jahren erfolgreich selbstständig zu machen.

Vorher allerdings kommt die Ausbildung – und für die sei der Zug in diesem Jahr noch keinesfalls abgefahren, betonen alle Partner des Ausbildungskonsens. Ein Einstieg sei zum Beispiel noch zum 1. September möglich. Oder auch früher, wie Anja Topmöller von der Agentur für Arbeit sagt: „Wer will, kann morgen anfangen. Oder übermorgen, wenn morgen das Vorstellungsgespräch ist.“

Die nächste „Beratung beim Einkaufen“ gibt es am 19. und 20. August, 15 bis 17 Uhr, auf dem Solinger Graf-Wilhelm-Platz sowie am 23. und 24. August, 14 bis 16 Uhr, vor dem Barmer Rathaus in Wuppertal.

Hintergrund

Unterstützung für Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche gibt es auch außerhalb von „Beratung beim Einkaufen“. Zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit in Remscheid, Tel. (02191) 4 60 63 45.

Auch die Kreishandwerkerschaft Remscheid vermittelt an Betriebe, Kontakt per Mail.

info@handwerk-remscheid.de

Das Angebot der IHK ist unter „Aus- und Weiterbildung“ auf deren Internetseite zusammengefasst.

www.bergische.ihk.de

Werbekampagne: Handwerk gehört die Zukunft.

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