Sexuelle Belästigung

Studentinnen zeigen übergriffiges Verhalten

Der Kurzfilm „Die Fahrt“ von Magdalena Häufler (l.) und Nina Wichard thematisiert sexuelle Belästigung.
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Der Kurzfilm „Die Fahrt“ von Magdalena Häufler (l.) und Nina Wichard thematisiert sexuelle Belästigung.

Die Remscheiderin Nina Wichard hat gemeinsam mit Magdalena Häufler einen Film über sexuelle Belästigung gedreht. Sie wollen aufklären und sensibilisieren.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Eine Autofahrt endet für eine junge Frau mit Unbehagen und Angst: Sexuelle Belästigung ist das Thema eines Kurzfilms, mit dem zwei Studentinnen des Fachs Design Audiovisueller Medien an der Bergischen Universität in Wuppertal für den deutschen Jugendfilmpreis beim Bundesfestival Film nominiert sind.

Mit „Die Fahrt“ zeigen Magdalena Häufler (24) und die Remscheiderin Nina Wichard (23), wie schmal die Grenze zwischen lockerer Atmosphäre und Bedrängnis sein kann.

Darum geht‘s in dem Film

Protagonistin Lola wird während einer Mitfahrgelegenheit von dem ihr unbekannten Fahrer Timon bedrängt – die junge Frau fühlt sich ihm ausgeliefert, überlegt, wie sie fliehen kann. „Übergriffiges Verhalten passiert manchmal ganz schnell – ohne dass man überhaupt bewusst ist, dass man sich gerade übergriffig verhalten hat“, sagt Nina Wichard. Bewusst zeigt der Film keinen körperlichen Übergriff, spielt viel mehr mit der Angst der Protagonistin.

Besonders schwer sei es für die Filmemacherinnen beim Schreiben des Drehbuchs gewesen, die männliche Hauptfigur Timon zu entwickeln. „Männliche Zuschauer sollen sich noch mit ihm identifizieren können. Deshalb wollten wir Timon als ,normalen‘ Typen darstellen. Denn man unterschätzt, wie schnell ein Mann in diese Rolle rutschen kann“, sagt Wichard.

Entstanden ist die Filmidee aus einem persönlichen Erlebnis, das Magdalena Häufler im Sommer 2019 hatte. Für den Film haben sie einige Details abgewandelt. 

„Wir wollten die Perspektive der Frau nachempfindbar machen“, erklärt sie. Wenn eine Frau aus Sorge vor einem Übergriff die Straßenseite wechselt, den Schlüsselbund zur Sicherheit in der Hand hält oder ihrer Freundin mal eben ihren Standort schickt, könnten Männer das selten nachempfinden.

„Wir wollen sensibilisieren“, sagt Häufler. Ein Auto wie das, in dem Lola mitfährt, sei ein intimer Raum. Sobald ein Gespräch unangenehm werde, seien sich die Personen plötzlich viel zu nah. „Man fühlt sich eingesperrt“, sagt Magdalena Häufler.

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Diese Botschaft wollen die Studentinnen ihren Zuschauern mitgeben

Bewusst spielen die beiden Frauen mit Machtverhältnissen. „Timon sitzt buchstäblich am Steuer“, sagt Nina Wichard. Er hat die Kontrolle. Dass er auch gerne die Kontrolle behalte, sagt Timon gleich zu Beginn, als Lola zu ihm ins Auto steigt. Ein erster Kipppunkt, das erste Warnzeichen, wo die Reise hingeht.

Mit dem Film wollen Magdalena Häufler und Nina Wichard nicht nur sensibilisieren. Auch wollen sie Frauen eine Botschaft mitgeben. „Wir wollen sie bestärken, Nein zu sagen, ihre Grenzen aufrechtzuerhalten“, sagt Häufler. Wird eine Frau bedrängt, frage sie sich viel zu häufig, was sie falsch gemacht hat. Auch der Film spielt mit diesem Element. Als Lola wieder sicher zu Hause ist, bekommt sie eine Nachricht zugeschickt: „Schlampe“.

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Ein Greenscreen war für die Filmemacherinnen keine Option

Gedreht wurde der Film im September des vergangenen Jahres. „Es war eine Herausforderung, solch eine Geschichte kompakt zu erzählen“, sagt Nina Wichard.

Für die beiden Studentinnen gehört es dazu, sich nicht nur Gedanken über das Drehbuch, sondern auch um die Umsetzung und das Casting zu machen. „Wir haben überlegt, ob wir vor einem Greenscreen drehen, haben uns aber dann doch für die reale Version entschieden. Es ist authentischer“, sagt Nina Wichard.

Ihr Dozent Till Müller lobt das Projekt. „Man muss immer sehen, was aus einer persönlichen Geschichte heraus für ein Publikum funktionsfähig ist“, erklärt er. Er lobt die filmische Umsetzung, die Inszenierung von verstohlenen Blicken, die ihre eigene Sprache sprechen, „Als Zuschauer kann man sich immer hineinversetzen in das, was die Schauspieler gerade denken“, sagt er.

Für das Bundesfilmfestival am vergangenen Wochenende in Augsburg war der Film für den deutschen Jugendfilmpreis nominiert.

Magdalena Häufler und Nina Wichard wollten das Festival vor allem nutzen, um andere Filmemacher kennenzulernen und sich inspirieren zu lassen. Beide stecken schon mitten im nächsten Filmprojekt: Ein 40-minütiges Science-Fiction-Drama, das im September fertig werden könnte.

Der Film

Der Kurzfilm „Die Fahrt“ von Magdalena Häufler und Nina Wichard mit 12 Minuten Länge ist auf Youtube zu finden.

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