Prozess

Strafe für Nazi-Hetze an der Smoothie-Bar

Landgericht Wuppertal
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Das Landgericht in Wuppertal.

70-Jährige beleidigte Kunden im Allee-Center.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Für laute, juden- und türkenfeindliche Hetze im Allee-Center soll eine 70 Jahre alte Angeklagte Strafe zahlen. Zur Überzeugung des Landgerichts Wuppertal beleidigte sie eine andere Kundin als „Türken-Schlampe“ und „Hure“ und kommentierte schließlich vor Umstehenden: Adolf Hitler habe „nur die Juden vergast“ und er hätte mit „den Türken“ das Gleiche machen sollen. Laut Zeugen spielte sich das Geschehen vom November 2019 vor vielen Kunden ab.

Die Berufungsrichter bestätigten nicht rechtskräftig die Strafe des Amtsgerichts über 1440 Euro. Das entspricht den Einkünften der nicht vorbestraften Sozialrentnerin von vier Monaten. Eine der Geschädigten (38) sagte aus, sie sei am Tattag mit ihrer Begleiterin (58) auf dem Weg zur Smoothie-Bar gewesen und habe diskutiert, was sie bestellen wollte – als sie hinter sich Geschimpfe hörte. Die Begleiterin bestätigte, sie habe sich umgedreht und gefragt, was sei.

Die Antwort soll eine Kette von Herabwürdigungen gewesen sein: Türken würden im Alter von 14 Jahren „geschwängert“ und zwangsverheiratet; dazu Kraftausdrücke und die Bemerkung zu Hitler. Die 58-Jährige sagte: „Ich habe die Polizei angerufen und da wollte sie weg gehen.“ Die Leitstelle habe ihr per Telefon gesagt, dass sie die Angeklagte aufhalten dürfte. Die 58-Jährige beschrieb: „Ich habe sie von hinten festgehalten und sie ist weiter gegangen. Um uns standen Leute, die uns mit ihren Handys gefilmt haben. Es war sehr unangenehm“ Schließlich hätten sich Kinder der 70-Jährigen in den Weg gestellt, dann erschien Polizisten.

Angeklagte aus Remscheid schwieg im Berufungsprozess

Die 38-Jährige berichtete sichtlich um Fassung ringend: Am schlimmsten sei gewesen, dass die 70-Jährige ihr das Lebensrecht abgesprochen habe. Den Richtern sagte sie: „Ich sollte sterben. Warum? Was das für eine Tragweite hat!“

Die 70-Jährige schwieg im Prozess, nachdem der vorsitzende Richter sie gleich eingangs gewarnt hatte: „Das ist eine Berufung, überflüssig wie ein Kropf. Bevor Sie irgendwas sagen, was morgen als Aufmacher in der Tageszeitung steht, sollten Sie sich besser noch mal mit ihrem Anwalt besprechen.“ Die Möglichkeit nutzte sie. Im letzten Wort vor dem Urteil erklärte die Angeklagte nur kurz: „Ich habe nichts getan.“ Gegen das Urteil kann sie Revision einlegen.

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