Betreuung

Stockder-Stiftung versüßt den Heim-Alltag

Von den Erträgen der Stockder-Stiftung profitieren die Bewohner der gleichnamigen Alten- und Pflegeeinrichtung in Vieringhausen. Fotos: Roland Keusch
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Von den Erträgen der Stockder-Stiftung profitieren die Bewohner der gleichnamigen Alten- und Pflegeeinrichtung in Vieringhausen.

Alten- und Pflegeeinrichtung in Vieringhausen wurde als Armenhaus gegründet.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Stockder-Stiftung – bei diesem Namen klingelt es wohl bei den allermeisten Remscheidern. In den Sinn kommt dem größten Teil dabei vermutlich zunächst die Alten- und Pflegeeinrichtung in Vieringhausen. „Und das ist natürlich nicht falsch, allerdings liegt hier die Tücke im Detail“, erklärt Peter Osenberg. Denn wie der Mitarbeiter der städtischen Kämmerei weiß, gibt es noch eine weitere Stockder-Stiftung. Ihr Vermögen kommt den Bewohnern der gleichnamigen Einrichtung zugute.

Ihren Grundstein legte Carl Wilhelm Stockder. Der Kaufmann wollte, dass mithilfe seines Nachlasses ein Armenhaus in seinem Geburtsstadtteil Vieringhausen entsteht. Er legte genaue Regeln fest, unter anderem: „Branntwein darf niemals in mein Haus eingebracht werden.“ Das erklärte vor einigen Wochen die frühere Stadtführerin Melanie Clemens bei einem Rundgang über den evangelischen Stadtfriedhof. Dort ist das Grab des 1863 verstorbenen Stockders noch immer zu finden.

Und auch die von ihm initiierte und dank seines Vermögens umgesetzte Einrichtung existiert noch, wenngleich aus dem Armenhaus im Laufe der Jahrzehnte ein Altenheim geworden ist.

Carl Wilhelm Stockders Grab ist noch heute auf dem evangelischen Stadtfriedhof zu finden.

Nicht die einzige Veränderung in Vieringhausen. Laut Osenberg war das Heim bis 1996 Teil der Verwaltung, anschließend elf Jahre ein städtischer Eigenbetrieb. Seit Dezember 2007 gehört es der „Bergischen Alten- und Pflegeeinrichtung Remscheid gGmbH der Bergischen Diakonie Aprath und der Stadt Remscheid“ (BPR) an.

„In Zuge dieses Wandels wurde auch das Vermögen der Stiftung neu geordnet“, erläutert Osenberg. Sie ist heute rechtlich unselbstständig und wird von der Kämmerei verwaltet. Ihr Kapital ist streng vom städtischen Haushalt getrennt.

Es gibt nur wenige Stiftungen in Remscheid, die auf eine längere Geschichte zurückblicken können und über ein größeres Vermögen verfügen als die Stockder-Stiftung. Ihr Kapital besteht zum größten Teil aus Grund und Boden im Wert von rund 1,3 Millionen Euro. Der Grundbesitz in Vieringhausen wird an den Bauträger des 2014 errichteten Altenheim-Neubaus verpachtet. Die Firma Erbach wiederum vermietet das Gebäude an die BPR.

„Branntwein darf niemals in mein Haus eingebracht werden.“ 

Carl Wilhelm Stockder über seine Armenhaus-Vorstellungen

Diese Einnahmen sowie die Erträge, die die Stockder-Stiftung aus ihren liquiden Mitteln in Höhe von etwa 440 000 Euro erzielen kann, versüßen den Alltag der Bewohner der Alten- und Pflegeeinrichtung, erläutert Peter Osenberg. „Gefördert werden Maßnahmen, die nicht aus den Sätzen der Pflegekassen gezahlt werden.“ 50 000 bis 60 000 Euro stehen dafür im Regelfall pro Jahr zur Verfügung.

Die Mittel haben in den vergangenen Jahren unter anderem musik- und kunsttherapeutische sowie kulinarische Angebote wie Pizza und Eis ermöglicht. Auch gab es Unterstützung für Aktivitäten innerhalb des Heims und für Ausflüge. „Nicht zuletzt wurden aus Mitteln der Stiftung mehrere behindertengerechte Strandkörbe angeschafft“, blickt Peter Osenberg zurück. Sie fanden ihren Platz auf den Terrassen, um den Bewohnern Urlaubsgefühle zu bescheren.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) hofft, dass die Stockder-Stiftung „auch in der Zukunft viele weitere Maßnahmen“ finanzieren kann, um den Lebensalltag der Heimbewohner angenehmer zu gestalten. In diesem Jahr sei es bislang aufgrund der Covid-19-Pandemie extrem schwierig gewesen, Aktivitäten anzubieten. Doch Mast-Weisz verspricht: „Die nicht verbrauchten Mittel werden ins nächste Jahr übertragen.“

Hintergrund

21 Stiftungen gibt es laut dem NRW-Innenministerium in Remscheid. Zudem gibt es einige Institutionen, die dort nicht verzeichnet sind. Wie hoch ist das Stiftungskapital? Was ist ihr Zweck? An wen wird ausgeschüttet? Diesen Fragen geht der Remscheider General-Anzeiger in seiner Serie nach. Bei der Stadt Remscheid sind drei rechtlich unselbstständige Stiftungen angesiedelt. Das sind neben der Stockder- die Edelhoff-Stiftung sowie die Stiftung-Dausend.

Die Sonderzahlung für Erzieher, Müllmänner, Ordnungskräfte, Feuerwehrmänner und andere „Alltagshelden“ in der Corona-Krise ist vom Tisch. Der Kommunale Arbeitgeberverband, dem auch Remscheid angehört, hat Einspruch dagegen eingelegt.

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