Neubau

Stiftung Tannenhof baut Klinik für 100 Patienten

Stellten das Projekt vor: Uwe Leicht, Dietmar Volk, Prof. Dr. Eugen Davids (Stiftung Tannenhof) sowie Frank Herbertz, Wolf Lüttinger und Janina Behr (Architektenbüro Brochheuser-Lüttinger, v.l.). Der Altbau im Hintergrund wird abgerissen und macht Platz für die neue Klinik. Foto: Michael Schütz
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Stellten das Projekt vor: Uwe Leicht, Dietmar Volk, Prof. Dr. Eugen Davids (Stiftung Tannenhof) sowie Frank Herbertz, Wolf Lüttinger und Janina Behr (Architektenbüro Brochheuser-Lüttinger, v.l.). Der Altbau im Hintergrund wird abgerissen und macht Platz für die neue Klinik.

Stiftung investiert zwölf Millionen Euro auf dem Gelände in Lüttringhausen.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof entsteht ein Klinikneubau für 100 Patienten, die wegen ganz unterschiedlicher seelischer Leiden stationär behandelt werden müssen. Rund zwölf Millionen Euro fließen in das Bauprojekt, das deutlich mehr Komfort als die bisherigen Räumlichkeiten verspricht. Dies sei ein weiterer Schritt bei einem Modernisierungsprozess, der vor zwölf Jahren seinen Anfang nahm, berichtet der Kaufmännische Direktor Dietmar Volk mit Blick auf vielfältige Investitionen, die seither vorgenommen wurden.

Eine dieser Maßnahmen macht nun auch den Neubau der Klinik möglich: Für Patienten, die langfristig im „Haus A“ lebten, errichtete die Stiftung auf dem Klinikgelände zuletzt neue, zeitgemäße Wohnstätten. „Diese sind auf einem ehemaligen Parkplatz entstanden“, berichtet Volk. Das „Haus A“, das Ende des 1896 entstand und nicht mehr zeitgemäß war, kann somit abgerissen werden, wodurch Platz für den viergeschossigen Neubau geschaffen wird. „ Mit ihm verbunden ist ein deutlich besseres räumliches Angebot – zum Beispiel für die Bedürfnisse von Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen“, erläutert der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Eugen Davids. „Es werden helle Patientenzimmer entstehen und lichtdurchflutete Therapieräume“, fügt Dietmar Volk hinzu.

Remscheider Architekten erhielten den Zuschlag

Die Pläne für den Neubau stammen aus Remscheid. Das Architektenbüro Brochheuser und Lüttinger überzeugte die Stiftung mit seiner Konzeption. „Das Gebäude wird eine Nutzfläche von 4500 Quadratmetern erhalten“, berichtet Projektleiterin Janina Behr. Sie musste unter anderem die planerische Aufgabe lösen, die neue Klinik so auszurichten, dass sie an das unterirdische Versorgungsnetz auf dem weitläufigen Tannenhof-Gelände angebunden werden kann. Mit ihm war bereits das „Haus A“ verbunden, dessen Abriss begonnen hat.

Fertig soll der 15 Meter hohe und rund 60 Meter breite Klinikkomplex im Spätsommer 2023 sein. Zu den Behandlungsschwerpunkten zählen hier künftig Depressionen, schizophrene Störungen oder auch Abhängigkeitskrankheiten. Die zusätzlichen Kapazitäten ergänzen die vorhandenen Räumlichkeiten – etwa im Jochen-Klepper-Haus im Tannenhof, das mittelfristig umgebaut werden soll.

Insgesamt 505 Menschen werden derzeit in der Lüttringhauser Einrichtung für Psychiatrie, Psychotherapie, Neurologie und Suchterkrankungen umsorgt. Darum kümmern sich etwa 680 Mitarbeitende, die sich auf den Neubau freuen können, wie Dietmar Volk ankündigt: „Arbeit in schönen Räumen macht mehr Spaß.“ Im Erdgeschoss und den oberen Etagen entstehen jeweils 13 Patientenzimmer mit zwei bis vier Betten, wobei sich die jeweilige Zimmerbelegung nach den Behandlungsschwerpunkten richten werde. Zudem sind auf den Stationen Pflegestützpunkte, Mitarbeiterbüros und Aufenthaltsbereiche für die Patienten geplant.

Einen Namen für das Klinik-Gebäude zeichnet sich bereits ab, wie der Geistliche Vorsteher Uwe Leicht berichtet: Paul-Gerhardt-Haus. Damit würdigt die evangelische Stiftung erneut einen kirchlichen Liedkünstler: „Wie haben ja bereits das Jochen-Klepper- und das Matthias-Claudius-Haus“, erklärt der Pfarrer. „Und dazu wäre Paul Gerhardt passend.“

Kaufmännischer Leiter kündigt Fest für die Belegschaft an

Das Bauprojekt fällt in eine Zeit, in der das Tannenhofteam gerne das 125-jährige Bestehen der Einrichtung nachträglich groß gefeiert hätte. „Aber uns fehlt wegen der Pandemie die Planungssicherheit“, bedauert Dietmar Volk, der aber einen Trost für die Belegschaft hat. „Es soll ein Mitarbeiterfest geben.“ Auch als Dank für den besonderen Einsatz, den die Kollegen während der Corona-Krise geleistet hätten.

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Hintergrund

Die Geschichte der Klinik für psychischkranke Menschen führt bis ins Jahr 1896 zurück. Aus dem Gründungsjahr stammt auch das Gebäude auf dem Tannenhof-Gelände, das nun dem Neubau weicht. Längst hat der Tannenhof aber auch weitere Standorte – etwa das Haus für Seelische Gesundheit in der Remscheider Innenstadt mit einer Tagesklinik und Beratungsstellen sowie Einrichtungen in Barmen, Elberfeld und Velbert.

Standpunkt: Aus der Tabuzone

Von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Etwa jeder dritte Mensch werde in Deutschland irgendwann in seinem Leben mit einem psychischen Leiden konfrontiert – sei es aus eigenem Erleben, sei es in der Familie oder bei Freunden. Und dennoch werde vielfach darüber geschwiegen, anders als etwa bei Krankheiten wie Diabetes, sagt der Kaufmännische Leiter der Stiftung Tannenhof Dietmar Volk. Es ist gut und richtig, dass die Einrichtung dazu beiträgt, das Thema aus der Tabuzone zu holen – auch indem sie immer wieder Aktionen für die Öffentlichkeit anbietet. Die Veranstaltungsreihe Orgelsommer, die 2022 wieder stattfinden soll, ist dafür ebenso ein Beispiel wie das Streuobstwiesenfest. Zudem begreift sich der Tannenhof als Teil Lüttringhausens und baut derzeit einen neuen Kindergarten. Die Fertigstellung ist für Juni vorgesehen, wie nun verlautet. Mit all dem ist die Klinik zum einen notwendig für die Versorgung und Behandlung seelischkranker Menschen in Remscheid und Umgebung. Sie ist zum anderen wesentlicher Bestandteil Lüttringhausens – und nicht zuletzt ein bedeutender Arbeitgeber.

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