Lenneper Erinnerungskultur

Stelen ehren verdiente Mitbürger

Auf dem evangelischen Friedhof in Lennep wurde der Pfad der Erinnerung eingeweiht.

Von Sabine Naber

Remscheid. Auf dem Evangelischen Friedhof an der Albert-Thaer-Straße in Lennep ist gestern Mittag der Pfad der Erinnerung eingeweiht worden.

Die Idee dazu hatte Helge Lendermann, der den Friedhof als Gärtnermeister betreut, schon vor einigen Jahren, jetzt wurde sie mit zunächst 11 Stelen umgesetzt. Sie stehen an den Gräbern von Persönlichkeiten, die um das Gemeinwohl in ihrer Stadt und Gemeinde eingesetzt haben. Neben dem Namen steht eine kurze Information für die Friedhofsbesucher. Zusätzlich wird an den Grabsteinen ein QR-Code befestigt, der viel Wissenswertes aus dem Leben des Verstorbenen erzählt.

Die Menschen sollen nichtin Vergessenheit geraten

Steffi Geier, Vorsitzende des Friedhofsausschusses, hatte die Daten zusammengetragen, die Texte geschrieben, und so auf ganz besondere Weise ein historisches Puzzlestück zur Lenneper Erinnerungskultur hinzugefügt. „Uns ist wichtig, dass die Menschen nicht in Vergessenheit geraten. Alte Grabmale, die von reichen Familien über Generationen hinweg genutzt werden, gibt es einige auf unserem Friedhof. Aber es gibt auch eine Menge anderer Personen in jüngerer Zeit, die viel Gutes geleistet haben. Auch sie wollen wir bedenken“, schildert sie ihre Recherchearbeit, die sie in den vergangenen anderthalb Jahren beschäftigt hat. „Es hat Freude gemacht. Ich sehe es eher als Hobby denn als Arbeit an“, versichert sie.

Im Vorfeld hatte sie die Angehörigen angesprochen und gefragt, ob sie mit einer Erinnerungsstele einverstanden sind. Bis auf eine Familie hätten alle zugesagt. Für Besucher, die kein Smartphone haben und den QR-Code deshalb nicht lesen können, hat sie eine Mappe mit Informationen zusammengestellt, die in der Friedhofsgärtnerei ausgeliehen werden kann.

Auf einer dieser Stelen wird beispielsweise an Heinrich Koch erinnert. Als auf einem See sechs Kinder drohten zu ertrinken, rettete er fünf. Bei dem Versuch, auch das sechste Kind zu retten, ertrank er. Auch an den Kaufmann und Tuchfabrikanten Arnold Wilhelm Hardt, den Inhaber der Firma Johann Wülfing und Sohn in Dahlerau, dem heutigen Wülfing-Museum, wird mit einer Stele erinnert.

Erinnert wird an Friedrich Paul Roland Spengler, der 1895 als Sohn des Lehrers Friedrich Wilhelm Spengler geboren wurde. Zunächst Hilfsprediger in Lennep wurde er 1924 einstimmig als Nachfolger von Pfarrer Kattenbusch zum Pfarrer gewählt. Diese Stelle hatte er bis zum Beginn seines Ruhestands 1964 inne. Er war seit der Reformation der erste Pfarrer mit einer so langen Dienstzeit in Lennep (40 Jahre). „Jeder Mensch ist ja etwas Besonderes für Gott und wird nicht vergessen. Wenn man sich erinnert, dann bleiben die Verbundenheit und der Gedanke daran, dass wir in irgendeiner Form eine gemeinsame Zukunft haben“, fasst es Iris Giesen, Pfarrerin in Lennep, zusammen.

Der Lenneper Friedhof ist der Erste in Remscheid, der einen Pfad der Erinnerung präsentiert. Er ist willkürlich angelegt, einen Anfang oder ein Ende gibt es nicht. Insgesamt werden nach und nach 40 Stelen angebracht, finanziert von der Kirchengemeinde. Wer einen QR-Code am Grab befestigt haben möchte, der muss dafür eine Bearbeitungsgebühr bezahlen. „Ich bin überzeugt, dass das Interesse an diesen QR-Code groß ist“, sagt Lendermann. Am Eingang zum Friedhof hängt ein Plan, der aufzeigt, wo Stelen einbetoniert wurden und an welchen Gräbern weitere stehen werden. Die Namen aller, an die auf diese Weise erinnert wird, sind dort aufgelistet. Eine kurze Information, wie der Pfad entstanden ist, kann ebenfalls nachgelesen werden.

Evangelischer Friedhof in Lennep

Der Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Lennep wurde 1802 angelegt, nachdem der Platz auf dem Kirchhof nicht mehr ausreichte. Bis dahin wurden die Honoratioren und Pfarrer der Gemeinde in der Kirche und die anderen Gemeindeglieder um diese herum beerdigt. 1810 wurde der Kirchhof eingeebnet und gepflastert.

Mehr Informationen zum Pfad der Erinnerung finden sich auf der Homepage der Lenneper Kirchengemeinde: www.evangelisch-
in-lennep.de

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