Klima

Steingärten schaden Flora und Fauna

Ein trister Steingarten in einem Neubaugebiet, wie ihn die Stadt ablehnt. Hier könnten Pflanzen blühen, die Bienen ein Überleben ermöglichen. Foto: Roland Keusch
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Ein trister Steingarten in einem Neubaugebiet, wie ihn die Stadt ablehnt. Hier könnten Pflanzen blühen, die Bienen ein Überleben ermöglichen.

Stadt setzt auf die Aktion „Remscheid brummt“ statt auf ein Verbot.

Von Peter Klohs

Remscheid. Manche nennen sie schlicht Steingärten. Andere sind etwas deftiger und sprechen von Schottergärten. Und die noch deutlicheren Mitmenschen reden von „Gärten des Grauens“. Sie alle meinen jene Freiflächen an Wohn- oder Geschäftsgebäuden, die oft zur Gänze völlig pflanzenlos aus weißem Flusskiesel, geschliffenem Granit oder aus einfachem grauen Betonstein bestehen. Hier und da kann man eine oder zwei Buchsbaumkugeln als Alibi ausmachen. Die Facebook-Seite „Gärten des Grauens“ zeigt auf eindrucksvolle Weise, was viele Menschen von derart gestalteten Freiflächen halten.

Auch die Stadt Remscheid steht den Schottergärten ablehnend gegenüber. Wie der stellvertretende Abteilungsleiter der Unteren Naturschutzbehörde, Thomas Friese, erklärt, beileibe nicht nur aus optischen Gründen. „Das ist ein schlimmer Modetrend“, sagt Friese, „der vor drei oder vier Jahren entstanden ist. Die Menschen denken, eine nur mit Steinen gestaltete Gartenfläche wäre pflegeleicht. Dies ist ein großer Irrtum. Und außerdem schaden diese Gärten der Umwelt.“

Es kommt noch erschwerend hinzu, dass manche Händler, zu denen nicht nur Baumärkte zählen, mit Steinen viel Geld verdienen können und sich darum die ordentliche Beratung des Kunden sparen. Wie Thomas Friese ausführt, fällt im Laufe der Zeit Biomasse zwischen die Steine und sogenanntes Unkraut siedelt sich an, was nicht auf die Schnelle zu beheben ist. „Das ist dann schon aufwendiger.“ Friese erklärt weiter, dass sich die Steine unter Sonnenbestrahlung stark aufheizen und die gespeicherte Hitze nachts wieder abgeben, so dass der Kühlungseffekt nicht gegeben ist.

„Das Mikroklima und die Tierwelt leiden darunter“, führt Friese weiter aus, „ein mit Pflanzen ausgestatteter Garten wirkt auch als Feinstaubfilter. Außerdem vermissen viele Tierarten in den Steingärten ein Refugium und Nahrung. Wasser kann in diesen Gärten nur schwer versickern, so dass Hochwasser begünstigt wird. Kurz gesagt: Es gibt keine Vorteile, wenn man sich einen solchen Steingarten anlegt. Nur Nachteile.“

Remscheid: Positive Reaktion auf Blumenfelder am Straßenrand

Als Reaktion darauf ist „Remscheid brummt“ entstanden, ein Projekt, das auf die Bedeutung und den Lebensraum von Insekten und anderen Tieren hinweist. Im öffentlichen Raum werden exemplarisch Blühangebote, Lebensraumstrukturen und Nisthabitate geschaffen. „Blumenfelder an stark befahrenen Straßen zum Beispiel“, erläutert Friese. „Das hat zu sehr positiven Reaktionen aus der Remscheider Bevölkerung geführt.“ Auch das Projekt „Grün statt Grau“ wird in Remscheid unterstützt. Hier soll das Gewerbegebiet Großhülsberg optisch aufgewertet und derart der Mehrwert von Grün herausgestellt werden (www.gewerbegebiete-im-wandel.de).

Manche Städte, darunter Dortmund und Bremen, haben die Schottergärten in neuen Bebauungsplänen verboten. Ein komplettes Verbot ist jedoch ein langwieriges und extrem aufwendiges Vorhaben, das in Remscheid nicht vorgesehen ist.

Standpunkt: Verbot als letzter Ausweg

manuel.boehnke@rga.de

Ein Kommentar von Manuel Böhnke

Es kommen bisweilen Trends auf, deren Sinn sich kaum erschließt. Zu dieser Kategorie gehören Stein- beziehungsweise Schottergärten. Die grauen Flächen sind selten ein Blickfang und auf Dauer nicht wesentlich pflegeleichter als ihre grünen Alternativen. Die wohl stärksten Argumente gegen das Konzept kommen allerdings aus der Ecke des Umweltschutzes: Schottergärten sorgen mit dafür, dass die Städte sich im Sommer aufheizen, das Mikroklima leidet und Bienen und Co. Probleme beim Suchen nach Lebensraum und Nahrung bekommen. Also spricht alles für ein Verbot? So einfach ist es nicht. Im Frühjahr 2019 meldete die Stadt: In Neubaugebieten betrage der Anteil steinerner Vorgärten bis zu 20 Prozent, in bestehenden Gebieten bis zu 10. Diese Zahlen sind zwar nicht zu vernachlässigen, rechtfertigen aber nicht den Eingriff in die Rechte aller Eigentümer. Remscheid tut gut daran, weiter auf die Vorteile einer grünen Stadt hinzuweisen. 

Der Rest ist eine Frage der Zeit. Wenn immer mehr Menschen die Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz verinnerlichen, erledigt sich der Schottergarten-Trend mit etwas Geduld von selbst. 

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