Corona-Pandemie lässt Betrieb zwei Jahre ruhen

Steffenshammer soll Ostern wieder öffnen

Bernd Schochow, Dieter Ort und Lutz Kleuser wollen Ostersamstag wieder Gäste im Steffenshammer begrüßen. Foto: Michael Schütz
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Bernd Schochow, Dieter Ort und Lutz Kleuser wollen Ostersamstag wieder Gäste im Steffenshammer begrüßen.

Bald gibt es wieder Einblicke in das Handwerk von damals.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Erst kam Corona und dann das verheerende Hochwasser, das den Betrieb im Denkmal Steffenshammer lahmlegte. „Wir sind quasi zwei Jahre vom Markt“, bedauert Lutz Kleuser, der Vorsitzende des Fördervereins, der am Rande des Gelpetals die Wiege der Remscheider Werkzeugindustrie hegt und pflegt. Für Ostersamstag, 16. April, baut Kleuser aber darauf, an dem beliebten Ausflugsziel wieder Schmiedevorführungen anbieten zu können. Und dann soll es wie vor der Pandemie bis Oktober an jedem dritten Samstag im Monat, von 11 bis 18 Uhr, Einblicke in das Handwerk vergangener Zeiten geben. „Und selbstverständlich auch bei Sonderführungen für interessierte Gruppen oder bei der Nacht der Kulturen und beim Tag des offenen Denkmals.“

Das „hochmotivierte Team“ will jedenfalls den Stillstand beenden – nach Monaten harter Arbeit: Die Anlage war im Juli 2021 von der Jahrhundertflut heimgesucht worden. „Hier stand alles unter Wasser,“ blickt Kleuser zurück. Vor allem das Hammerwerk hatte es hart getroffen, in dem Besucher erkunden können, wie früher einmal geschmiedet wurde. „Hier gab es nichts, das nicht vom Schlamm verschmutzt war. Und er verhärtete sich schnell“, sagt Kleuser, der zunächst einmal dafür sorgen musste, dass alles ins Freie geholt und dann penibel genau gereinigt wurde. An den historischen Werkzeugen mussten Fachleute Hand anlegen. „Dazu ist großes technisches Verständnis nötig.“ Für das Museumsteam stand aber fest: „Hier darf nichts Altes verloren gehen.“

Elektrogeräte wurden zerstört

Nicht mehr zu retten waren hingegen Elektrogeräte, die im sogenannten Unterstand lagerten. Dazu zählten Kühlschränke, in denen Getränke für die Gäste aufbewahrt waren, oder auch eine Bierzapfanlage. „Wir mussten alles entsorgen“, bedauert Kleuser. Weitgehend hergerichtet ist mittlerweile die „Kiepe“, das kleine Fachwerkhaus neben dem Hammer. „Aber wir müssen noch das Inventar hineintransportieren. Manches wurde in der Nachbarschaft untergebracht,“ schildert er eine Aufgabe, die noch vor dem Verein liegen.

Er übernahm das Kleinod 2009 von der Stadt Remscheid , die sich aus Kostengründen von der damaligen Außenstelle des Werkzeugmuseums trennte. „Für viele Hastener stand fest, dass der Steffenshammer nicht einfach in andere Hände gegeben werden sollte. So kam auch mit Hilfe von Unternehmen eine tragfähige Gründungsmannschaft zusammen“, erinnert sich Kleuser an den Beginn der Initiative. Heute gehören dem Förderverein rund 150 Mitglieder an, die sich oftmals auch durch ihre eigene berufliche Tätigkeit der Anlage in der Ortslage Clemenshammer verbunden fühlen. „Darunter sind manche ehemaligen Mitarbeiter von Dirostahl“, nennt der Vorsitzende ein Beispiel.

Steffenshammer gibt es schon seit 1764

Sie stehen mit ihrem Können in einer langen Tradition: 1746 wurde der Steffenshammer gebaut – an der Stelle eines noch älteren Vorgängers. Kleineisenprodukte und Werkzeuge wurden hier hergestellt, Raffinierstahl geschmiedet. Und so wie einst ist „die Seele“ des Ganzen der Schwanzhammer mit hölzernem Viergespann, dessen Konstruktion nach dem Hochwasser noch einer genauen Prüfung unterzogen werden muss. Aber selbst wenn er vorläufig noch nicht in Betrieb gehen kann, werde der Förderverein bei seinen Museumstagen den Besuchern nicht nur jede Menge Informationen, sondern auch Vorführungen bieten können.

„Dazu haben wir unter anderem unsere Feldesse“, erklärt Lutz Kleuser, der immer wieder Probleme hatte, Handwerker zu finden, wie es mit Blick auf die lange Leidenszeit feststellt. Noch seien nicht alle Aufträge abgearbeitet, so dass es zu früh für einen Kassensturz sei. Insgesamt könnten aber bis zu 40 000 Euro Sachschaden zusammenkommen, wobei der Förderverein auf seine Elementarversicherung baut. „Außerdem haben wir Gönner an unserer Seite“, berichtet Kleuser, der sich auf ein Wiedersehen mit den Gästen an Ostersamstag freut. „Und für die Kinder wird es dann Ostereier geben.“

Förderverein

Informationen über den Steffenshammer gibt es auf der Homepage des Fördervereins für historische Schmiedetechnik, der die Anlage vor 13 Jahren in seine Obhut genommen hat. Dort ist auch seine Geschichte dokumentiert.

www.steffenshammer.de

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