Coronavirus

Grundschulen sind durch Pandemie stark gebeutelt und hissen die weiße Flagge

Die Remscheider Grundschulen – hier die Freiherr-vom-Stein-Schule in Lennep – protestieren gegen ihre Überlastung. Foto: Roland Keusch
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Die Remscheider Grundschulen – hier die Freiherr-vom-Stein-Schule in Lennep – protestieren gegen ihre Überlastung.

Das neue Testverfahren an den Schulen hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Sprecherin Silvia Siegemund sagt: „Wir können nicht mehr“.

Von Timo Lemmer

Remscheid. Jetzt reicht’s, finden die Remscheider Grundschulen: Symbolträchtig hängen sie weiße Tücher aus Klassenfenstern. Sie sollen darauf aufmerksam machen, dass ihre Schulen mehr denn je am Limit sind. „Wir können nicht mehr. So geht es nicht weiter“, erklärt Silvia Siegemund, Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Schule und Schulformsprecherin. „Großartig ist, dass alle mitmachen“, erklärt Regina Schröder, Schulleiterin der Grundschule Hackenberg (siehe unten).

Die letzten Änderungen rund um das Testverfahren bei Grundschülern hätten das Fass an den 17 Grundschulen der Stadt nach ohnehin schon kräftezehrenden Monaten zum Überlaufen gebracht.

Zweimal wöchentlich wird jede Klasse im Verbund getestet. Auf diese sogenannten Pooltests folgten bisher Einzeltestungen per PCR, sofern der Pool – und damit mindestens ein Kind der Schulklasse – positiv war. Quarantänen waren obligatorisch. „Nun gibt es keine Einzeltests mehr, weil die Labore überlastet sind. Es hängt nun an der Schule, herauszufinden, welches Kind infiziert ist.“ Zwar können die Eltern auch Tests in Teststellen vornehmen, das klappt aber meistens nicht mehr, wenn die Pool-Ergebnisse am späten Nachmittag kommen. Also kommen am Tag nach einem positiven Pool erst einmal alle Schüler zum beaufsichtigten Selbsttest in die Grundschule.

Aktuelle Infos zur Corona-Situation in Remscheid gibt es in unserem Blog.

Was macht das mit den Kindern? Es ist eine ganz belastende Situation.

Silvia Siegemund, Sprecherin der Grundschulen

„Was uns wahnsinnig stört, ist, dass wir quasi positiv getestete Kinder in einen Innenraum holen.“ Das gefährde sowohl die Kinder als auch die Lehrerinnen und Lehrer: „Damit ist eine Grenze erreicht“, findet Siegemund.

Dabei müssen bei Eintritt in die Schule erst einmal die Kinder separiert werden: Die, die beim Pool dabei waren, und noch getestet werden müssen – und die, die entweder bereits negativ getestet wurden, beim Pool nicht dabei waren oder als genesen gelten. Die erste Schulstunde ist ohnehin futsch. Die Schulen stießen hier aber auch personell und räumlich an Grenzen.

Doch das sei nicht einmal das Schlimmste, findet Siegemund. Vor allem psychisch sei die Situation belastend: „Und das für alle Parteien, Kinder, Lehrer und Eltern.“ Während Lehrkräfte immer mehr zusätzliche Aufgaben übernehmen müssten, seien Eltern permanent in Habachtstellung, weil jederzeit ein Kind positiv getestet werden könne.

Mitschüler bekommen den Positivtest eines Kindes direkt mit

Dass diese positiven Tests die anderen Kinder der Klasse mitbekommen, das betreffende Kind dann bis zum Eintreffen der Eltern – die nicht immer direkt erreichbar sind – abermals unter Aufsicht separiert werden muss, ist für Siegemund ein schreckliches Bild: „Was macht das mit den Kindern? Es ist eine ganz belastende Situation.“

Diana Ikemeyer stimmt zu, spricht von hoher Belastung für Schüler und Lehrer. Sie ist Personalrätin der Gewerkschaft GEW. Nicht in dieser Funktion, wie sie betont, sondern als GEW-Mitglied, sagt sie: „Wir wünschen uns mehr Unterstützung. Das Festhalten an der Präsenz um jeden Preis kann aus unserer Sicht nicht aufrechterhalten werden.“ Nachdem einige Kitas bereits vorübergehend schließen mussten, drohe das mit dem aktuellen Verfahren auch Grundschulen. Schröder ergänzt: „Wir stehen seit zwei Jahren unter Dauerbeschuss. Wir haben krasse Personalnot und sind alle überlastet.“

Hintergrund

Tücher: Regina Schröder erklärt, dass sich in Remscheid alle Schulleitungen der Grundschulen darauf verständigt hätten, dieses Zeichen zu setzen.

Aktionen: Manche Grundschulen ergänzen um weitere Proteste. An der Grundschule Hackenberg trugen Mitarbeiterinnen gestern Buttons mit Aufschriften wie „Schule am Limit“ oder „Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes“.

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