Neue Busgeneration

Stadtwerke wollen bis 2036 auf Elektro-Busse umsteigen

Die Stadtwerke-Mitarbeiter Christof Gorski und Armin Freund, Aufsichtsratschef Sven Wolf, Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (v.l.) freuen sich auf eine neue Busgeneration mit Elektroantrieb.
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Die Stadtwerke-Mitarbeiter Christof Gorski und Armin Freund, Aufsichtsratschef Sven Wolf, Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (v.l.) freuen sich auf eine neue Busgeneration mit Elektroantrieb.
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Fahrer und Mechaniker testeten zehn Fahrzeuge von verschiedenen Herstellern.

Von Axel Richter

780.000 Kilometer hat der alte Dieselbus mit der Werbung für das Kipper-Bier seit dem Jahr seiner Erstzulassung 1961 unter die Räder genommen. Ob seine stromgetriebenen Nachfolger das auch schaffen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wollen die Stadtwerke Remscheid ihre knapp 90 Linienbusse starke Flotte auf E-Busse umrüsten. Im Idealfall bis 2036.

Es wird also noch einige Zeit dauern, bis nur noch Batterie-Elektrobusse auf Remscheids Straßen unterwegs sind. Allerdings will die Anschaffung der nächsten Fahrzeuggeneration gut überlegt sein.

111 Mal rund um die Erde. Das ist die Strecke, die die Busse der Stadtwerke in jedem Jahr insgesamt bewältigen. Den Fahrzeugen wird also einiges abverlangt. Seit Oktober 2021 führen die Stadtwerke deshalb einen umfangreichen Testbetrieb durch.

Ist es besser, den Bus bei Nacht im Depot aufladen zu lassen? Oder bei Wendepausen an einer Haltestelle? Das war eine der Fragen, mit denen sich die Stadtwerke in den zurückliegenden Monaten beschäftigten. Darüber hinaus testeten die Fahrer und Mechaniker zehn verschiedene Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern.

„Wasserstoff braucht grünen Strom. Den gibt es in der Menge noch nicht.“

Prof. Dr. Thomas Hoffmann

Das Ergebnis: „Fahrzeuge, die die Wendepausen zum Nachladen nutzten, liefen sehr zuverlässig durch und zeigten keinerlei nennenswerten Einschränkungen im Vergleich zum Dieselbus“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Hoffmann. Allerdings habe sich in den Wintermonaten gezeigt, dass die Stromverbräuche zum Teil über den Herstellerangaben lagen. „Das bedeutet in diesen Fällen eine deutlich geringere Reichweite“, sagt Hoffmann. Der Grund ist einfach: Es ist ein Unterschied, ob der Bus am flachen Niederrhein im Einsatz ist oder zwischen Remscheid und Wermelskirchen. In einem Pflichtenheft werden die Stadtwerke deshalb nun schreiben, was genau ihre neuen Busse haben sollen: von der Farbe, über die Beleuchtung und Bestuhlung bis zur Stärke der Batterie, die im bergischen Winter durchhält. Die sitzt übrigens im Dach über dem Busfahrer und nicht im Heck wie der Motor beim Dieselbus und führt deshalb nicht nur zu einem veränderten Fahrverhalten, sondern auch zu neuen Anforderungen in der Werkstatt und in den Garagen.

Ärger im ÖPNV - Lösung für Busausfälle gefunden

Die Stadtwerke werden ihre Wagenhallen umbauen und in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter investieren. Insgesamt rechnet das Unternehmen mit einer Investition im zweistelligen Millionenbereich, um die Busflotte umzurüsten. Dazu setzen die Stadtwerke auf Fördermittel von Bund und Land. Denn die Entscheidung sei strategisch richtig, sagt Thomas Hoffmann. Auch gegenüber der Wasserstoff-Technologie, der in der Wissenschaft viele mehr abgewinnen als der E-Mobilität. „Grüner Wasserstoff braucht viel Strom. Im Idealfall grünen Strom, den es in der Menge noch nicht gibt“, sagt Hoffmann und sieht die Stadtwerke mit den neuen E-Bussen für die Zukunft gut gerüstet. 2024 sollen die ersten in Remscheid unterwegs sein.

Stadtwerke haben aktuell 89 Busse

250 000 Euro kostet ein moderner Dieselbus. Für einen E-Bus müssen die Verkehrsunternehmen noch einmal rund 200 000 Euro drauflegen.

Die Stadtwerke Remscheid verfügen aktuell über 89 Busse, die auf den Linien unterwegs sind. Die Flotte soll sukzessive umgerüstet werden.

Standpunkt von Axel Richter: Quälend langsam

axel.richter@rga.de

Wer annimmt, das Weltklima sei mit Elektrofahrzeugen zu retten, dürfte an den Zahlen und Fakten der Wissenschaftler keinen Gefallen finden. „Sie können Millionen E-Autos anstelle von Verbrennern auf die Straßen bringen“, sagte etwa der Wuppertaler Atmosphärenforscher Prof. Dr. Ralf Koppmann zum Auftakt der RGA-Uni-Vortragsreihe 2022 und fügte an: „Wenn Sie zugleich den Strommix nicht ändern, nutzt das gar nichts.“

Wer klimaneutral fahren möchte, braucht Strom aus Sonne und vor allem Wind. Davon gibt es längst nicht genug, um uns vom Öl unabhängig zu machen. Dennoch ist es richtig, dass die Stadtwerke ihre Busflotte umrüsten. Schon allein, weil Öl ein endlicher Brennstoff ist. Der Umrüstungsprozess zeigt aber auch auf, wie quälend langsam wir vorankommen mit der Mobilitätswende. Und das in einem Land, das über das nötige Geld und die Technologien verfügt. Die meisten anderen haben weder das eine noch das andere.

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