Elternvertreter kritisieren Entscheidung

Stadtschulpflegschaft: Schnelltests machen keinen Sinn

Karsten Neldner und Claudia Becker.
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Karsten Neldner und Claudia Becker.

Elternvertreter kritisieren die Entscheidung des Schulministeriums, Einzelproben an den Grundschulen abzuschaffen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Nach dem Zusammenbruch der PCR-Testungen an Grundschulen und dem daraus resultierenden Chaos bei Eltern, Lehrern und Schülern, kritisiert die Remscheider Stadtschulpflegschaft das NRW-Schulministerium scharf.

„Erst Dienstagabend teilte das Schulministerium mit, dass kurzfristig das Lolli-Testverfahren angepasst wird. Wenigstens hier ist sich Frau Gebauer treu geblieben, da sie erst die Presse informierte, anstatt die, die es umsetzen müssen“, drückt Vorsitzender Karsten Neldner sein Unverständnis aus. Die Schulleitungen erfuhren erst spät abends von der Neuerung. Statt Rückstellproben, die im Labor analysiert werden, wird es Schnelltests an Schulen geben, um nach positiven, anonymen Pooltests herauszufinden, wen es in der Klasse erwischt hat.

Dies dürfe nicht sein, protestiert die Stadtschulpflegschaft: „Wir fordern die Anpassung der Laborkapazitäten. Auch Schulen müssen als kritische Infrastruktur anerkannt und bei den Tests priorisiert werden. Es muss alles getan werden, kontinuierlichen Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten.“ Diese Kritik richte sich an das Schulministerium in Düsseldorf, fügt Neldner hinzu.

Bereits in der ersten Woche nach den Ferien seien die PCR-Tests an den Grundschulen holprig gelaufen, stellt die Pflegschaft fest. Der Montag habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Das auch für Remscheid zuständige Labor in Köln, Dr. Wisplinghoff, setzte die Einzeltestungen aus, da die Kapazität erschöpft war. „Damit war das Chaos perfekt, da weder Schulleitungen noch Eltern wussten, wie vorzugehen ist. Ohne negativen Einzeltest durch das Labor bei vorherigem positiven Pool ist die Teilnahme am Unterricht nicht gestattet“, fasst Neldner die Ohnmacht in Worte. Davon waren mehrere Klassen an den Remscheider Grundschulen betroffen.

Das Schulministerium habe sich lange bedeckt gehalten auf die vielen Fragen der Eltern, denen einerseits der Gesundheitsschutz ihrer Kinder, aber auch deren regelmäßiger Unterricht am Herzen liegt. „Die Eltern brauchen Planungssicherheit“, betont die Stadtschulpflegschaft. Davon aber sei man weit entfernt.

Schulleiterin Claudia Becker hält Bürgertests für praktikabelste Lösung

„Die Pool-Testergebnisse treffen teilweise in den späten Abend- oder den frühen Morgenstunden ein und stellen die Eltern vor Herausforderungen. Ist mein Kind positiv? Wann erhalte ich das Ergebnis? Wie bekomme ich in dieser Situation Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut? Was das Land als Notlösung aus dem Hut gezaubert hat, echauffiert Elternvertreter wie Lehrer. „Erst einen PCR-Pool machen, um ihn mit ungenaueren Schnelltests zu bestätigen, ergibt keinen Sinn.“ Neldner glaubt, dass das neue System nicht lange halten wird und will mit der Schulpflegschaft über die hiesigen Landtagsabgeordneten Wolf und Nettekoven politisch Druck erzeugen.

Hasten zählt zu den momentan am stärksten von Quarantäne betroffenen Grundschulen. Sonntag zählte Leiterin Claudia Becker 65 von 220 Kindern, die mit positivem Befund oder als Kontakte Zuhause bleiben mussten. Schnelltests morgens in oder vor der Schule hält sie für sehr problematisch. Nicht zuletzt, weil für die Kleinen die Handhabung dieser Tests ein Problem darstellt. Ihr persönlicher Rat: Eltern machen selber mit ihren Kindern Bürgertests. „Das wäre die praktikabelste Lösung.“ Gleichwohl haben auch Bürgertests Nachteile. Wenn Eltern abends benachrichtigt werden, dass der Pool positiv war und morgens um 8 Uhr zum Testzentrum marschieren, ist an pünktlichen Unterricht nicht mehr zu denken. Außerdem, so Becker: „Irgendwann werden die Testzentren wie Labore an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.“

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