Interview der Woche

Karsten Neldner: Eine Stimme für die Eltern 

Seit 1. Oktober offiziell aktiv: Karsten Neldner, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft. Foto: Michael Schütz
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Seit 1. Oktober offiziell aktiv: Karsten Neldner, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft.
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Die neu gegründete Stadtschulpflegschaft will im Schulausschuss mitreden. Aktuelle Themen: Schulbusse in Corona-Zeiten und das Lüften.

Das Gespräch führte Andreas Weber

Herr Neldner, am 1. Oktober fand die Gründungsversammlung der Stadtschulpflegschaft in der AES statt. Waren Sie mit der Resonanz zufrieden?

Karsten Neldner: Absolut. Ursprünglich war geplant, dass jede Schule zwei Vertreter entsenden kann, durch die aktuellen Corona-Zahlen haben wir uns auf einen verständigt. 21 Repräsentanten von den 32 Remscheider Schulen waren am Ende anwesend. Damit sind wir gut aufgestellt. Unter normalen Bedingungen wären es bestimmt mehr gewesen.

Deckt der elfköpfige Vorstand inklusive des Beirates alle Schulformen ab?

Neldner: Nur die Hauptschule fehlte, weil die Vertreterin bei der Versammlung durch einen Unfall verhindert war. Nun sind sieben von acht Schulformen im Vorstand vertreten. Was nicht viel bedeutet,

denn als Stadtschulpflegschaft vertreten wir natürlich alle.

Ihr Start fällt in eine Krise nie gekannten Ausmaßes. Wie erleben Sie als Vater zweier Töchter Schule?

Neldner: Natürlich diktiert Corona alles: Home Schooling, Masken im Unterricht, veränderte Pausen- und Anfangszeiten, zusätzliche Eingangswege in Schulen, Ängste in überfüllten Bussen, Lüftungsfragen. Aber wir knicken nicht ein, wir machen alle das Beste daraus. So schlecht können die Maßnahmen nicht gewesen sein, denn man sollte nicht vergessen: Die Schulen sind bislang nie die Hotspots gewesen.

Was muss aus Elternsicht passieren, damit Schulen nicht immer wieder mal von Quarantäne-Maßnahmen betroffen sind?

Neldner: Die Schulen haben alle gute Hygienekonzepte. Nach meiner Beobachtung setzen Kinder ganz selbstverständlich ihre Masken auf. Anmerken möchte ich eine Frage: Wenn ein Infizierter festgestellt wird, muss nach den RKI-Richtlinien die ganze Klasse in Quarantäne und neuerdings auch die Lehrer. Muss das sein, wenn es all die Vorsichtsmaßnahmen wie Sitzpläne und das Unterbinden von klassenübergreifenden Durchmischungen gibt?

Müssen Eltern mehr auf ihre Kinder einwirken, dass sie Masken nicht nur auf dem Schulgelände tragen, sondern auch außerhalb aufpassen?

Neldner: Nicht nur wir, jeder muss sich an Hygiene- und Abstandsregeln halten. Aber natürlich sollten Eltern ihren Kindern ein Vorbild sein und außerhalb des Familienverbundes die 1,5 Meter Mindestabstand, Maske tragen und regelmäßiges Händewaschen ständig vorleben.

Heikel wird es, wenn sich Schüler in volle Busse zwängen. Das schürt Corona-Ängste.

Neldner: Das Problem betrifft überwiegend die weiterführenden Schulen und dort nicht alle. An der Sophie-Scholl, wo meine ältere Tochter hingeht, wird es auf jeden Fall so empfunden. Daraufhin hat Robert Obretan, der Schulpflegschaftsvorsitzende, eine schulinterne Umfrage initiiert. Ein Ausfluss dessen wird nach den Herbstferien eine Videokonferenz der Elternvertreter der Schule mit Achim Freund, dem Leiter der Stadtwerke, sein. Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld. Die Stadtwerke argumentieren: Fahrt, wenn möglich Fahrrad, geht zu Fuß, nehmt einen Bus früher oder später, wählt eine andere Busroute. Andererseits pochen die Eltern darauf: Wir bezahlen ein Busticket und haben einen Anspruch auf sichere Beförderung. Dann kommt die Schule und sagt: Versetzte Anfangszeiten, die ja eine Möglichkeit wären, lassen sich bei uns nur schwer organisieren. Natürlich gibt es auch die 1000 zusätzlichen Schulbusse, die das Land NRW den örtlichen Transportunternehmen zur Verfügung stellt, von denen 500 nicht abgerufen sind. Auch die Remscheider Stadtwerke haben bislang keine angefordert.

Der digitale Unterricht wird an Bedeutung gewinnen. Am Beispiel ihrer Kinder: Ist er Ergänzung oder Alternative?

Neldner: Durch Corona hat die Digitalisierung Gott sei Dank an Fahrt aufgenommen. Bislang hinken wir bei der Digitalisierung des Schulunterrichts anderen Ländern hinterher. Ich halte sie für sinnvoll. Sei es nur, weil Tablets die schweren Tornister mit all den Schulbüchern ablösen. Wichtig ist aber, dass neben dem medialen Unterricht für die Schüler auch Lehrer in Fortbildungen geschult werden. Wenn wir über die Ausstattung mit I-Pads und Tablets sprechen, muss klar sein, dass einkommensschwache Eltern nicht vergessen werden dürfen und als Erste an der Reihe sind. Ich glaube, dass sich manche bei der Bedarfsabfrage nicht gemeldet haben, weil es ihnen unangenehm ist, dass sie das Geld für die Investition nicht haben. Ich denke, da werden auch wir Elternvertreter gefordert sein, diesen Familien Hilfe anzubieten. Lernmittelfreiheit ist hier auch ein Stichwort.

Wie steht die Stadtschulpflegschaft zum Daueraufreger, dem Unterrichtsausfall?

Neldner: Wir haben mit Jens Nettekoven und Sven Wolf zwei hiesige Abgeordnete im Landtag. Die müssen immer wieder auf die Missstände hinweisen. Steter Tropfen höhlt den Stein. Dazu zählt sicherlich auch, dass unsere Pflegschaft immer wieder an entsprechender Stelle Kritik anbringt. Aber auch die Lehrer müssen über ihre Verbände den Druck erhöhen.

Welche Akzeptanz erfahren Sie als Stadtschulpflegschaft in Politik, Verwaltung und bei den Pädagogen?

Neldner: Die Reaktionen sind durchweg positiv. Wir haben Glückwünsche vom Personalrat der Grundschulen, vom GEW-Ortsverband und von verschiedenen Schulleitungen erhalten. Wir haben auch schon konstruktiv mit schulpolitischen Vertretern der Parteien gesprochen, mit Erden Ankay-Nachtwein, Jutta Velte und Alexander Schmidt. Auch die Stadtverwaltung sichert uns ihre Unterstützung zu.

Wichtig müsste Ihnen sein, in der Politik mit Ihrer Stimme Gehör zu finden.

Neldner: So ist es. Wir streben einen Sitz im Schulausschuss an. Das ist für uns eines der wichtigsten Themen. Anfang des Jahres hatte die Stadt noch erklärt, dass das Schulgesetz NRW für die Stadtschulpflegschaften, anders als beim Jugendamtselternbeirat im Jugendhilfeausschuss keine ständige Teilnahme am Ausschuss für Schule vorsieht. Wir beurteilen das anders. Unsere Dachorganisation, die Landeselternkonferenz (LEK) hat belegt, dass es über 40 Kommunen in NRW gibt, in denen die Stadtschulpflegschaften in Schulausschüssen sitzen. Ich hoffe, dass die Stadt auch aus diesem Grund unseren Wunsch nicht verwehren wird.

Womit werden Sie sich sonst noch in der Anfangszeit beschäftigen?

Neldner: Angesichts der nahenden kalten Jahreszeit ist es das Lüften in Klassenräumen. Da muss es dringend Sicherheit für die Lehrkräfte geben, wann und wie lange Fenster aufgerissen werden müssen, wo die Frischluft herkommt. Auf dem Schirm haben wir die beweglichen Ferientage in den Schulen. Wir würden es befürworten, wenn über den Brauchtumstag Rosenmontag hinaus eine einheitliche Regelung für Remscheid gefunden würde. OGS, Schulvereine, Elternnetzwerke stehen ebenso auf unserer Agenda.

Zur Person

Karsten Neldner, 51 Jahre, verheiratet, zwei Töchter, elf und sechs Jahre alt; lebt am Hohenhagen; beruflich als Energieelektroniker bei der EWR. Neldner ist seit vier Jahren Fördervereinsvorsitzender der GGS Walther-Hartmann, wo seine jüngere Tochter gerade eingeschult wurde, an der Sophie-Scholl ist er stellvertretender Schulpflegschaftsvorsitzender. Seine ältere Tochter besucht dort die 6. Klasse. In der neugegründeten Stadtschulpflegschaft sind Claudia Güttner (Albert-Einstein-Schule) und Uta Wiesemann (Heinrich-Neumann-Schule) seine Stellvertreterinnen. Erreichbar ist die Stadtschulpflegschaft über E-Mail.

k.neldner@web.de

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