Gastro-Szene nicht begeistert

Remscheider Stadtgutschein stößt nicht auf Gegenliebe

In Pirna super angekommen: Der Stadtgutschein wurde dieses Jahr zu einem Verkaufserfolg.
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In Pirna super angekommen: Der Stadtgutschein wurde dieses Jahr zu einem Verkaufserfolg.
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Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung äußert Skepsis.

Von Andreas Weber

Remscheid. Der Stadtgutschein wird nicht kommen. Der Anreiz, Einzelhandel und Gastronomie zu unterstützen, stieß im Ausschuss für Wirtschaftsförderung auf wenig Gegenliebe. Die CDU hatte mit der Idee schon Ende Februar im Rat keine Mehrheit gefunden, legte aber jetzt noch mal nach, weil sie davon ausgeht, dass bei einer sich zuspitzenden Pandemie „lokal geholfen“ und die „Kaufkraft in unserer Stadt gestärkt“ werden müsse.

Die Partnerstadt Pirna hatte es vorgemacht, eine hochwertige Plastikkarte mit Magnetstreifen und Zahlencode im eleganten Design herausgegeben, die zum Renner wurde. Ein Gutschein konnte online für 75 Euro erworben werden mit einem Wert von 100 Euro. 25 Euro schenkte die Stadt seinen Bürgern. Binnen sechs Wochen war die erste limitierte Auflage von 400 Stück Anfang des Jahres ausverkauft, nach einem Fernsehbericht wurde aufgestockt. „Letztlich sind es in der Summe 858 subventionierte Gutscheine geworden, wovon die 458 in drei Tagen weggingen“, teilte Dina Stiebing vom Citymanagement Pirna dem RGA mit.

Remscheid: Kommunalpolitiker äußern Bedenken

Die hiesigen Kommunalpolitiker äußerten Bedenken. Marvin Schneider (Grüne), durch sein Engagement bei „MyViertel“ in der Gastro-Szene gut vernetzt, hörte bei seiner kleinen Umfrage oft: „Oh Gott, ein Gutschein, warum?“ Die Mehrheit derjenigen, mit denen er gesprochen habe, lehne das Instrument ab. Schneider räumte ein, dass es sich mit dem Einzelhandel noch einmal anders verhalte. Am Ende habe er auch keine Lösung, wie der durch Corona gebeutelten Geschäftswelt geholfen werden könne.

Thomas Brützel (WiR) möchte vermeiden, dass sich die Verwaltung mit dem Gutschein und dessen Ausgabe richtig Arbeit macht, um festzustellen, dass der Gutschein nach dem Sommer nicht mehr benötigt wird, weil die Einkaufswelt nach Lockerungen zur Normalität zurückgekehrt ist. Heinz-Jürgen Heuser (SPD) lehnte die Idee ab, „weil man nicht wisse, ob man die Richtigen erreiche“. David Schichel (Grüne), der früher selbst im elterlichen Betrieb gekellnert hatte, erklärte, dass die Gutscheine, die nicht erst seit Corona in Mode sind, in der Gastro wenig beliebt seien.

Colin Cyrus (Linke) konnte sich mit der Grundidee zwar anfreunden, fand die Sache aber für Remscheid „unausgereift“. Cyrus riet, auf ausgereifte Konzepte zurückzugreifen. An ein solches, existierendes erinnerte Dezernent Peter Heinze. Aus dem Arbeitskreis Wirtschaft und Corona habe sich die Idee von „KeepLocal“ entwickelt, das von der Wirtschaftsförderung gerne aufgegriffen worden sei, und der sich über 30 Betriebe angeschlossen haben. „Auch Dienstleister und Handwerksbetriebe sind dabei“, stellte Heinze fest. „KeepLocal“ bezeichnete er als einen Stadtgutschein. Heinze bat: „Lassen Sie uns auf ein System konzentrieren und nicht verzetteln.“ Alexander Schmidt (CDU) erklärte nach der Debatte unter dem Gelächter der Ausschusskollegen: „Eines meiner größten Talente ist es, Schwingungen aufzunehmen.“ Weil sich keine Mehrheit für den CDU-Antrag abzeichnete, kündigte er an, dass die CDU diesen in den Hauptausschuss im Juni schieben werde.

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