Eine Woche nach dem Hochwasser

Stadtgesellschaft gründet Fluthilfe

Vom einstigen Vereinsheim des Bergischen Polizeihunde-Vereins 1913 im Morsbachtal ist nur noch die Außenhülle übrig. Ob die überhaupt noch standsicher ist, muss ein Experte prüfen. Der Verein ist in Existenznot. Pia Dahlhaus und Michaela Fischer (v. l.) hoffen auf Hilfe. Foto: Roland Keusch
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Vom einstigen Vereinsheim des Bergischen Polizeihunde-Vereins 1913 im Morsbachtal ist nur noch die Außenhülle übrig. Ob die überhaupt noch standsicher ist, muss ein Experte prüfen. Der Verein ist in Existenznot. Pia Dahlhaus und Michaela Fischer (v. l.) hoffen auf Hilfe.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Stadt richtet Spendenkonto ein – Institutionen sagen Hilfe zu – Kreishandwerkerschaft hilft auch mit Muskelkraft.

Remscheid. Wo einst gelacht, geklönt und Kaffee getrunken wurde, sind jetzt nur noch faule Holzbalken und jede Menge Schlamm übrig. Einen Boden gibt es nicht mehr. Denn den hat sich der Morsbach einverleibt. Vom einstigen Vereinsheim des Bergischen Polizeihunde-Vereins 1913 im Morsbachtal ist nur noch die Außenhülle übrig geblieben. Ob die überhaupt noch gerettet werden kann, muss ein Experte prüfen.

Zehn Hundeboxen hat der Morsbach, der am Flutabend eine Strömung wie der Rhein erzeugte, einfach mitgerissen. Motorräder des Nachbarn, eine Stoßstange, ein Kühlschrank und sogar eine 1,1-Kubikmeter-Altpapiertonne wurden mit den Fluten angeschwemmt. Das 4000 Quadratmeter große Vereinsgelände ist im hinteren Teil kaum noch wiederzuerkennen, Sperrmüll türmt sich containerweise an der Straße. Die Existenz des Traditionsvereins ist in Gefahr. „Unsere geringen Rücklagen werden nicht reichen, um den Wiederaufbau zu finanzieren“, sagt die erste Vorsitzende Pia Dahlhaus. Den Schaden schätzt sie auf rund 25 000 Euro. „Wir stehen mehr oder weniger vor dem Aus.“

Der Bergische Polizeihunde-Verein mit seinen 41 Mitgliedern aus dem ganzen Bergischen ist einer von zehn Vereinen, die es besonders hart getroffen hat. Die Tallagen Remscheids wurden vor einer Woche regelrecht geflutet. Den Vereinen, den Firmen und den Familien, die durch die Jahrtausend-Katastrophe ihr Hab und Gut, ja sogar vielleicht ihre Existenz verloren haben, will nun die versammelte Stadtgesellschaft helfen.

Etliche Unternehmen und Privatpersonen, Vereine und Organisationen wollten bei der „Fluthilfe Remscheid“ mitmachen

Vertreter verschiedener Institutionen sowie engagierte Remscheiderinnen und Remscheider haben daher die „Fluthilfe Remscheid“ unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gegründet. Die Initiative ging von Moderator Horst Kläuser aus. Die Partner der „Fluthilfe Remscheid“ sind neben der Stadt die Stadtsparkasse Remscheid, die Volksbank im Bergischen Land, die Kreishandwerkerschaft, der Arbeitgeberverband, der RGA sowie die Service Clubs Rotary und Lions. Etliche Unternehmen und Privatpersonen, Vereine und Organisationen wollen ebenfalls dabei sein, sagt Horst Kläuser, der gemeinsam mit Thomas E. Wunsch eine eigene Internetseite angelegt hat. Auf vielfältige Weise wollen die Remscheider anderen Remscheidern in Not helfen.

Erste Spenden sind bereits zugesagt. „Wir rufen deshalb mit Hilfe renommierter Partner dazu auf, großzügig zu spenden, diese Mittel zu bündeln und versprechen, sie fair zu verteilen“, sagt Horst Kläuser – und zwar unbürokratisch und schnell. „Dabei lassen wir uns von der Idee leiten, gezielt Familien oder auch Einzelpersonen zu identifizieren, die betroffen sind. Wir werden nicht in der Lage sein, Immobilienschäden, Autos oder gar Luxus zu ersetzen, sondern konzentrieren uns vielmehr auf konkrete Hilfe in Wohnungen und Haushalten, die möglicherweise nicht von Versicherungen gedeckt sind.“ Ein Gremium entscheide über die Verteilung. „Allen sagen wir schon jetzt vielen Dank.“

Spendenkonto: Nachdem die Bergische IHK bereits ein Spendenkonto für betroffene Firmen eingerichtet hat, gibt es nun auch ein Spendenkonto von der Stadt. Unter dem Stichwort „Fluthilfe für Remscheid“ können Spenden auf dieses Konto eingezahlt werden: Stadtsparkasse Remscheid, Konto „Fluthilfe Remscheid“, Konto-Nr. 12 12 12 16, IBAN: DE12340500000012121216, BIC WELADEDRXXX. Die Stadt kann Bescheinigungen dafür ausstellen. Erste Spenden sind bereits eingegangen. Die Gelder kommen zunächst Remscheiderinnen und Remscheidern und danach auch Geschädigten in den unmittelbar benachbarten Tallagen von Solingen und Wuppertal zugute.

Muskelkraft: Die Kreishandwerkerschaft mit 400 Mitgliedsbetrieben bietet neben einer Spendensumme von 28 700 Euro, die auf das Konto der Stadt überwiesen wurden, Hilfe in Form von Muskelkraft an. Flutopfer, die einen Handwerker benötigen, können sich an Geschäftsführer Fred Schulz wenden: Tel. 2 20 05. Der RGA vermittelte bereits den Polizeihundeverein an die Kreishandwerker.

Kredite: Die Stadtsparkasse hat bereits eine Spende in Höhe von 25 000 Euro auf das städtische Hilfskonto eingezahlt. „Als Sparkasse vor Ort ist es uns wichtig, einen Beitrag zur Unterstützung der betroffenen Remscheiderinnen und Remscheider zu leisten“, sagt Sparkassenchef Michael Wellershaus. Vereine und Institutionen, die finanzielle Hilfe benötigten, könnten zudem einen formlosen Antrag mit Angabe der Schäden und der benötigten Summe stellen. Eine Kopie des aktuellen Freistellungsbescheides des Finanzamtes sei beizufügen: spenden@stadtsparkasse-remscheid.de. Zudem stellt die Stadtsparkasse für Geschädigte Kredite in Höhe von 5 Millionen Euro zur Verfügung.

Benefiz: Horst Kläuser, Thomas E. Wunsch, Steph Hoffman und Maximilian Süss wollen Talkshows mit Remscheider Prominenten, Politikern und Betroffenen aus dem Löf streamen und damit um Spenden bitten. Termine folgen. Zudem überlässt der Veranstalter des „Liebe & Musik Open Air Festivals“ der „Fluthilfe Remscheid“ auf dem Remscheider Schützenplatz die Bühne: Das Konzert der Soul Food Company am 20. August und ein weiteres Konzert am 28. August sollen zum Benefiz für Flutopfer werden.

www.fluthilfe-remscheid.de

Hilfstelefon

Remscheiderinnen und Remscheider, die infolge der Flutkatastrophe Hilfe benötigen, können sich beim Hilfstelefon der Stadt melden: Tel. 16 90 00. Ihre Anliegen werden diskret behandelt: Montag bis Freitag 7 bis 22.30, Samstag 10 bis 22.30 Uhr.

Standpunkt

Kommentar von Melissa Wienzek

melissa.wienzek @rga.de

Sie mögen moppern, sie mögen schon mal muffzoppig sein, aber eines haben die Bergischen in den vergangenen sieben Tagen bewiesen: In der Not halten sie fest zusammen. Das wurde nicht nur in den überschwemmten Hofschaften deutlich, in denen Nachbarn gemeinsam anpackten, Einsatzkräfte rund um die Uhr halfen, sondern nun auch bei der neu gegründeten „Fluthilfe Remscheid“. Moderator Horst Kläuser vernetzte kurzerhand die komplette Stadtgesellschaft miteinander und gründete eine Initiative zugunsten der Hochwassergeschädigten – und alle zogen sofort mit: Institutionen, Firmen, Vereine und Privatpersonen. Die Stadt richtete ein eigenes Hilfskonto ein. Gemeinsam sammeln sie nun Spenden, helfen mit Muskelkraft und beschreiten kreative Wege, um den Menschen in der eigenen Stadt, die so vieles verloren haben, wieder auf die Beine zu helfen. Auch der RGA unterstützt die „Fluthilfe Remscheid“. Diese große Hilfsbereitschaft ist eine deutliche Stärke der Bergischen. Wir können stolz darauf sein!

Alle aktuellen Entwicklungen zum Hochwasser finden Sie auf unserem Live-Blog.

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