Geplante Verordnung

Stadt sieht Gassipflicht als Appell für Tierwohl

Mindestens zweimal täglich soll dem Hund für mindestens eine Stunde Auslauf gewährt werden, fordert die Ministerin. Symbolfoto: mw
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Mindestens zweimal täglich soll dem Hund für mindestens eine Stunde Auslauf gewährt werden, fordert die Ministerin.
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Ministerin Julia Klöckner (CDU) plant neue Verordnung – Kontrollen sind kaum umsetzbar.

Von Melissa Wienzek und Katharina Birkenbeul

Remscheid. Während der Corona-Krise mit Lockdown und Home Office hat sich die Familie erstmalig einen Hund angeschafft, jetzt müssen aber alle wieder normal arbeiten gehen – und lassen den Hund allein zu Hause. Dieses Szenario will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) verbieten. Um das Leben der Vierbeiner in Deutschland zu verbessern, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium eine neue Verordnung entworfen. Sie soll in den ersten Monaten 2021 veröffentlicht werden. Neben den privaten Hundehaltern sollen dann auch Hundezüchter und Nutztier-Transporte neue Vorschriften bekommen. Teil dessen: eine Gassipflicht. „Einem Hund ist mindestens zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers zu gewähren“, heißt es in dem Entwurf der Verordnung.

Doch wer kontrolliert überhaupt, ob eine solche Gassipflicht auch eingehalten wird? „Gemäß der Zuständigkeitsverordnung Tierschutz Nordrhein-Westfalen sind die Kreisordnungsbehörden beziehungsweise die Ordnungsbehörden der kreisfreien Städte für den Vollzug der Regelungen der Tierschutz-Hundeverordnung zuständig“, erklärt Tanja Albrecht, Pressereferentin des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, auf Nachfrage unserer Redaktion. Das gelte somit auch für den Vollzug etwaiger Anpassungen der Verordnung.

Die Stadt Remscheid nimmt es gelassen. „Wenn es ein Appell sein soll für eine tiergerechtere Haltung, ist das sinnvoll. Nur wie soll man es kontrollieren? Das wird wohl nicht umzusetzen sein“, sagt Remscheids Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke. „Ich verstehe es als Appell, dass die Tierbesitzer ihre Tiere artgerecht halten sollten.“ Es gebe viele Verordnungen, zum Beispiel auch die Katzenschutzverordnung. Dabei gehe es stets darum, Herrchen und Frauchen für die Bedürfnisse ihrer Vierbeiner zu sensibilisieren. Und nicht darum, große Kontrollen durchzuführen, sagt die Ordnungsdezernentin.

Das wiederum fände Angelika Hämmerling-Schier gar nicht so schlecht. Die Tierheim-Mitarbeiterin sagt: „Ein Hund muss raus.“ Den Vorstoß von Ministerin Klöckner findet die Tierschützerin gut.

„Das ist so, als würde man Sie nur aus dem Fenster gucken lassen.“
Angelika Hämmerling-Schier

„Wir bekommen öfters Anrufe von Leuten, die erzählen, dass sich ihre Nachbarn einen Hund angeschafft haben, dieser aber jetzt nur noch auf dem Balkon ist und weint. Das ist so, als würde man Sie nur aus dem Fenster gucken lassen.“

Das Gassigehen sei auch für das Sozialverhalten eines Hundes wichtig: Draußen begegnet er Artgenossen, kann kommunizieren und an den Erfahrungen reifen. Die Fälle, denen das verwehrt bleibt, landen dann oft im Tierheim – mit dem Prädikat „unverträglich“. Im Tierheim bekommen sie dann immerhin genügend Auslauf: Ehrenamtliche Gassigänger führen die Hunde täglich aus.

Standpunkt

melissa.wienzek@rga-online.de

Ein Kommentar von Melissa Wienzek

Zweimal am Tag sollen Waldi, Rex und Bella mindestens eine Stunde lang raus – diese Gassipflicht möchte die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner (CDU), in einer neuen Verordnung verankern. Alles, was dem Tierwohl dient und den Tierschutz noch einmal in den Fokus rückt, ist erst einmal richtig. Nur wird die Umsetzung dieser Verordnung wohl kaum durchzuführen sein. Die Stadt Remscheid hat das jedenfalls momentan nicht vor. Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke sieht in der Tierschutz-Verordnung eher einen Appell an Tierbesitzer als einen Arbeitsauftrag für ihre Mitarbeiter. Große Kontrollen wird es wohl nicht geben. Dennoch sollten sich diejenigen, die ihren Hund auf dem Balkon halten, nicht aus ihrer Verantwortung ziehen – der Hund muss raus. Alles andere ist nicht artgerecht. 

Und das bedeutet nicht, Ketten- und Zwingerhaltung im Garten. Leider sieht man dies heute immer noch. Auch Nachbarn sollten einmal genauer hinschauen – und sich im Zweifel ans Ordnungsamt oder ans Bergische Veterinäramt wenden.

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