Ausländerbehörde

Stadt setzt auf Raumreserven für Flüchtlinge

Quasi über Nacht musste Remscheid 2015 Hunderte Flüchtlinge aufnehmen. Dafür wurde auch die Pestalozzi-Schule hergerichtet. Archivfoto: Michael Sieber
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Quasi über Nacht musste Remscheid 2015 Hunderte Flüchtlinge aufnehmen. Dafür wurde auch die Pestalozzi-Schule hergerichtet. Archivfoto: Michael Sieber
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In den sieben Sammelunterkünften sind derzeit 360 von 624 Plätzen belegt.

Remscheid. Die Zahl der Flüchtlinge, die in Remscheid ankommen, sinkt weiter: Im ersten Quartal 2021 registrierte das Ausländeramt zwanzig Zuweisungen, sechs weniger als im gleichen Zeitraum des letzten Jahres. Zum Vergleich: 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, musste Remscheid insgesamt 1030 Menschen aufnehmen.

„Das war für die Betroffenen und auch für die Behördenmitarbeiter eine schwierige Zeit“, blickt Dietmar Murach, Abteilungsleiter der Remscheider Ausländerbehörde, zurück. Vor allem sei es damals schwierig gewesen, für die Flüchtlinge quasi über Nacht eine Unterbringung zu finden. „Wir haben daraus unsere Lehren gezogen und halten Reserven bereit“, berichtet Murach mit Blick auf das unberechenbare Weltgeschehen. Dabei führt er die überfüllten Flüchtlingslager in Griechenland und Bosnien ebenso an wie das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei, das vom Wohlwollen von Staatspräsident Erdogan abhängt.

Anzahl der Unterkünfte soll bestehen bleiben

So gibt es derzeit viel Platz in den sieben Sammelunterkünften, die Remscheid für Flüchtlinge vorhält. Dort könnten maximal 624 Personen leben. „Tatsächlich sind es aktuell 360, was einer Auslastungsquote von 58 Prozent entspricht“, berichtet Dietmar Murach.

Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke will dennoch an der Zahl der Unterkünfte festhalten – auch mit Blick auf die Krisenjahre 2015/2016, als Remscheid Sportstätten und Schulgebäude herrichten musste, um den Geflüchteten ein Dach über den Kopf geben zu können. „Durch den zusätzlichen Platz haben wir zum Glück auch die Möglichkeit, Corona-Infizierte zu isolieren“, erklärt sie. Ein Heim am Talsperrenweg in Lennep wurde vor der Pandemie aufgegeben. Die Einrichtung an der Klauser Delle, die sich im Umfeld großer Akzeptanz erfreue, soll abgerissen und neu gebaut werden. „Das Gebäude ist abgängig“, beschreibt sie den Zustand der Sammelunterkunft.

169 Wohnungen stehen zur Verfügung

Die Heime sind aber nur die erste Station für die Menschen, die in Remscheid Asyl finden. „Wir setzen einen Ratsbeschluss um und versuchen, sie möglichst schnell in einer Wohnung unterzubringen,“ sagt Abteilungsleiter Dietmar Murach. 169 Wohnungen stehen der Stadtverwaltung dafür zur Verfügung. Momentan leben hier 356 Menschen. „Maximal könnten es 657 sein“, erläutert er.

Afghanistan hat sich in diesem Jahr mit 13 Zuweisungen als Hauptherkunftsland der Flüchtlinge in Remscheid herauskristallisiert. Drei Menschen kamen aus Nigeria, zwei aus der Türkei. Doch: Nicht alle dürfen bleiben. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entscheide „über Anerkennung oder Nicht-Anerkennung“, berichtet Murach.

Im ersten Quartal 2020 gab es fünf Abschiebungen

Die Ausländerbehörde ist für Rückführungen zuständig. Fünf Abschiebungen zählte sie im ersten Quartal 2021, bezogen auf die Gesamtzahl der mehr als 700 Geflüchteten, die in Remscheid leben. Die ohnehin komplizierten Verfahren würden durch die Corona-Pandemie weiter erschwert. Nahezu täglich müssen sich Murach und sein Team mit neuen internationalen Verordnungen auseinandersetzen.

Sie stehen dazu im Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. „Staaten wie Aserbaidschan oder Armenien nehmen derzeit nur Menschen auf, die einen negativen PCR-Test vorlegen“, berichtet Murach. Es gelte, Termine mit Ärzten genau zu takten, um die Abreise überhaupt ermöglichen zu können.

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