9. November

Stadt und Polizei gedenken der Opfer der Pogromnacht

Oberbürgermeister Burkhard Mast Weisz, Artour Gourari von der jüdischen Kultusgemeinde, Polizeipräsident Markus Röhrl und Dienststellenleiter Thomas Book beim Gedenken am Pferdestall. Foto: Roland Keusch
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Oberbürgermeister Burkhard Mast Weisz, Artour Gourari von der jüdischen Kultusgemeinde, Polizeipräsident Markus Röhrl und Dienststellenleiter Thomas Book beim Gedenken am Pferdestall.
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Vom Pferdestall zur Deportation in den Tod: Von einst 350 Juden lebten nach Kriegsende noch 5 in Remscheid.

Von Axel Richter

Remscheid. Es ist ein besonderer Ort, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Polizei am Quimperplatz befindet. Lange führte er ein Schattendasein, erst mit einer Schülerinitiative des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums wurde der alte Pferdestall auf dem Gelände der Polizeiwache zu einem würdigen Ort des Gedenkens. Am Montag erinnerten Stadt und Polizei vor dem Pferdestall an die Opfer der Reichspogromnacht vor 82 Jahren.

An Marcus Lenneberg zum Beispiel. In den 1930er Jahren führt der Remscheider ein Herrenbekleidungsgeschäft an der Bismarckstraße. Bis zum 9. November 1938. In den Abendstunden der Pogromnacht zerschlagen SA-Männer sein Geschäft. In den frühen Morgenstunden nimmt sich der 74-Jährige das Leben.

Auf der Alleestraße, die damals Adolf-Hitler-Straße hieß, demolieren die Braunhemden das Schuhgeschäft von Israel und Cäcilie Freund. Die Fensterscheiben zersplittern, die Schuhe landen auf der Straße. In der Neustraße, der Hochstraße, der Bankstraße und der Martin-Luther-Straße demolieren die Nazis weitere Geschäfte und Wohnungen.

Die ersten Deportationen sind da bereits erfolgt. Seit Oktober 1938 pferchte die SA Juden in den Pferdestall der Polizeikaserne an der Uhlandstraße. Anschließend rollten die Menschen in Zügen gen Osten. In vier Massentransporten schickten die Nazis nahezu alle Juden des Bergischen Landes vom Bahnhof Wuppertal-Steinbeck in den Tod.

Wenige hatten sich zuvor ins Ausland flüchten können. Die Spuren der meisten Remscheider jüdischen Glaubens verlieren sich in den Lagern und Ghettos von Minsk, Litzmannstadt, Lodz, Theresienstadt. Von den rund 350 Juden, die 1933 in Remscheid lebten, gab es nach Kriegsende gerade noch 5.

Dennoch kehrte jüdisches Leben ins Bergische zurück. Als Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal war Artour Gourari zum Gedenken nach Remscheid gekommen. An seiner Seite: Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), Polizeipräsident Markus Röhrl, Polizeidienststellenleiter Thomas Book und Hans-Heinz Schumacher, ehemaliger Leiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums.

Vor der Sitzung des Stadtrates am Abend erinnerte der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Nettekoven daran, „dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und auch aktuell wieder von rechts bedroht wird“. Ähnlich äußerte sich das Bündnis Remscheid Tolerant: „Nie wieder und kein Millimeter nach rechts“ lautet seine Losung.

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