Stadt will 4,4 Millionen Euro investieren

Remscheid plant neues Flüchtlingsheim mit Kita

Dezernentin Barbara Reul-Nocke (l.) und Sandra Engelberg von der Caritas loben die Pläne für das Heim an der Klauser Delle. Fotos: Roland Keusch
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Pläne für das Heim an der Klauser Delle.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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In Lüttringhausen soll eine Sammelunterkunft mit Kindergarten abgerissen werden.

Remscheid. Das Flüchtlingsheim an der Klauser Delle steht vor dem Abriss – und einem Neubau. Wie Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke bestätigt, will die Stadt 4,4 Millionen Euro in dieses Projekt investieren: „Es handelt sich um eine Unterkunft, die im Umfeld auf hohe Akzeptanz stößt“, sagt sie. „Die Einrichtung fügt sich in die Nachbarschaft ein.“ An dem Gebäudekomplex habe jedoch der Zahn der Zeit genagt. „Er ist abgängig“, erklärt die Dezernentin.

Dezernentin Barbara Reul-Nocke (l.) und Sandra Engelberg von der Caritas loben die Pläne.

Die Pläne fallen in eine Zeit, in der die Zahl der Flüchtlinge abgenommen hat. In den sieben Sammelunterkünften, die sich entweder im Besitz der Stadt befinden oder von ihr angemietet wurden, sind nach Angaben der Ausländerbehörde derzeit nur 360 von 624 Plätzen besetzt. Dennoch wäre es aus Sicht der Dezernentin ein Fehler, das Heim an der Klauser Delle aufzugeben. Denn in den beiden Gebäuden könne die Stadt Remscheid Familien in separaten Wohneinheiten unterbringen. Bis zu 77 Menschen finden hier ein Zuhause. „Und das soll auch künftig so bleiben“, kündigt sie an. Schließlich gelte es angesichts des unkalkulierbaren Weltgeschehens, Wohnraum für Flüchtlinge vorzuhalten. „Wir haben ja bereits die Unterkunft am Talsperrenweg in Lennep aufgegeben,“ erklärt Barbara Reul-Nocke.

Hier wird tolle Integrationsarbeit geleistet.

Peter Nowack, zuständiger Abteilungsleiter der Verwaltung

Zudem ist in der Einrichtung Klauser Delle auch ein Kindergarten der Initiative Jugendhilfe der Caritas untergebracht, der in dem Neubau moderne Räumlichkeiten erhalten soll. Um dem Bedarf nach zusätzlichen Kita-Plätzen Rechnung zu tragen, soll er größer werden. Geplant sei eine viergruppige Einrichtung. Derzeit verfügt der Kindergarten über zwei Gruppen. „Dies ist somit eine Win-Win-Win-Situation“, zeigt sich Barbara Reul-Nocke von der positiven Wirkung des Bauvorhabens überzeugt.

Remscheid: Einrichtung für alle Kinder in Lüttringhausen

Peter Nowack, der bei der Stadtverwaltung für Kita-Angelegenheiten zuständig ist, will in den nächsten Jahren mit der Caritas das Konzept weiter entwickeln. „Der Neubau steht im Investitionsprogramm für die Jahre 2024/2025“, berichtet der Abteilungsleiter. Er sei froh ist, dass der Kita-Träger die Einrichtung in der Sammelunterkunft nach zwischenzeitlicher Schließung, die unter anderem durch Brandschutzmaßnahmen erforderlich war, wieder an den Start gebracht hat. „Hier wird tolle Integrationsarbeit geleistet“, sagt Nowack. Dabei sei die Einrichtung keineswegs nur für die Mädchen und Jungen da, die mit ihren Eltern in der Sammelunterkunft leben – sondern für alle Kinder in Lüttringhausen.

Das gilt auch für eine weitere Kita, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Klauser Delle befindet: Die Initiative Jugendhilfe der Caritas eröffnete an der Fritz-Ruhrmann-Straße 2019 die Einrichtung Sterntaler. Sie hält 80 Plätze für den Nachwuchs vor – und führt ebenfalls Kinder mit einem ganz unterschiedlichem kulturellen Hintergrund zusammen. „Den Unterschied zur Klauser Delle machen die Räumlichkeiten aus“, erklärt Nowack. Die Sterntaler-Kinder können sich über ein zeitgemäßes Ambiente freuen, das in der benachbarten Unterkunft erst nach dem Neubau geboten werden könne. „Auch vor diesem Hintergrund ist er sinnvoll“, fügt Nowack hinzu.

Remscheid: Caritas-Chefin freut sich über Pläne der Stadt

Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft versuche das Team in den beiden Häusern schon jetzt zu vermeiden, erklärt Caritas-Vorstandsvorsitzende Sandra Engelberg. Beide Einrichtungen hätten Vorzüge, von denen die Kleinen profitierten: „Auf dem Außengelände an der Klauser Delle können die Kinder aus beiden Einrichtungen Fußball spielen. Bei den Sterntalern gibt es eine bessere Möglichkeit für Bobbycar-Rennen“, nennt sie Beispiele. „Wenn es die Pandemie-Lage zulässt, sollten gegenseitige Besuche wieder möglich sein.“

Sie freue sich darüber, dass die Stadt Remscheid in die Flüchtlingsunterkunft und in den Kita-Standort investieren wolle. Denn: Integration könne nicht isoliert im Abseits erfolgen. Sie müsse in die Allgemeingesellschaft eingebettet sein. Genau dies sei an der Klauser Delle der Fall.

Hintergrund

Derzeit leben 2530 Flüchtlinge in Remscheid, wie die Stadtverwaltung in einem Bericht für den Integrationsrat feststellt. 1850 haben Bleiberecht, bei 260 Menschen läuft das Asylverfahren. Nach einem abgelehnten Verfahren wird der Aufenthalt von 420 Geflüchteten geduldet. In städtischen Unterkünften leben nach Auskunft der Ausländerbehörde aktuell 716 Personen – davon 360 in den sieben Sammelunterkünften. Im ersten Quartal 2021 wurden 21 Flüchtlinge Remscheid zugewiesen. Ihre Herkunftsländer sind unter anderem Nigeria, Türkei, Afghanistan, Irak und Vietnam.

Standpunkt: Multikulti im Kindergarten

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak @rga.de

Die Sammelunterkunft für Flüchtlinge an der Klauser Delle in Lüttringhausen hat ein Alleinstellungsmerkmal: Sie hält einen Kindergarten vor, der sowohl dem Nachwuchs der Bewohner als auch den Mädchen und Jungen aus der Nachbarschaft Betreuung bietet. Die Kleinen können sich hier unbefangen kennenlernen und erfahren dabei so manches über den kulturellen Hintergrund ihrer Freunde. Dass die Stadt Remscheid in einem Neubau dieses Konzept weiterführen und sogar ausbauen will, ist ganz sicher sinnvoll. Einen kritischen Blick müssen die Verantwortlichen dennoch auf die Zahl der freien Plätze in den Heimen und Wohnungen werfen, die Geflüchteten zur Verfügung stehen. Dort könnten maximal 1281 Menschen leben, tatsächlich sind es momentan nach Auskunft der Ausländerbehörde 716. Sicher: Bei allen Unwägbarkeiten des Weltgeschehens und den damit verbundenen Flüchtlingsbewegungen muss Remscheid auf Raumreserven zurückgreifen können. Ob dauerhaft über 500 freie Plätze vertretbar sind, ist aber zu bezweifeln.

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