Täter verwenden inzwischen TNT

Sprengungen von Geldautomaten ohne Rücksicht auf Verluste

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Der Geldautomat im Wohngebäude Hohenhagener Straße 47 wurde von der Sparkasse aus Sicherheitsgründen geschlossen.
  • Andreas Weber
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Die Stadtsparkasse reagiert auf die Geldautomaten-Überfälle mit Schließungen. Der Trend zum bargeldlosen Zahlen nimmt zu.

Remscheid. Schäden in Höhe von 1,9 Millionen Euro haben Sprengungen von Geldautomaten seit 2017 im Bergischen Land verursacht. Remscheid war dabei mit 634 830 Euro betroffen, wie aus einer Kleinen Anfrage des Remscheider Landtagsabgeordneten Sven Wolf und vier weiteren seiner SPD-Kollegen an die Landesregierung hervorgeht. Das Landeskriminalamt zählte binnen fünf Jahren 24 Fälle in Wuppertal, Solingen, Remscheid und Rade.

Ein Schild weist die Kunden auf die Schließung des Automaten hin.

Sieben Mal war Remscheid betroffen, vier Mal blieb es beim Versuch, dreimal wurden Automaten in die Luft gejagt, Beute gemacht. „Die Serie reißt nicht ab“, klagt Sven Wolf und findet besonders ärgerlich, dass nur wenige Fälle aufgeklärt werden, in Remscheid und Rade keiner. Insgesamt neun Mal war die Stadtsparkasse seit 2016 betroffen. Der erste Angriff fand 2016 auf einen Automaten in Vömix statt. Allein dreimal wurde dieser Geldautomat an der Oststraße im Lauf der Jahre Zielscheibe von Gangstern. „Dies geschieht mit einer Brutalität ohne Rücksicht auf Verluste“, berichtete Vorstandsvorsitzender Michael Wellershaus bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Hauses.

„Je widerstandsfähiger die Automaten, desto rabiater die Methoden.“

Michael Wellershaus, Sparkasse

Das Geldinstitut hat reagiert, Automaten in Hohenhagen, Bergisch Born, Vömix, Lüttringhausen und Hackenberg vom Netz genommen. In Foyers von Geschäftsstellen, wo Menschen nebenan wohnen und gefährdet werden können wurde der Zugang ab 22 Uhr gesperrt. Es sind gerade die nachtschlafenden Stunden, weit nach Mitternacht, in denen die Banden, die aus den Niederlanden über die Grenze kommen, zuschlagen. Die Entscheidung, nachts Automaten zu schließen, ist wirtschaftlich vertretbar. Spät abends wird so gut wie gar nicht mehr von Kunden Geld gezogen.

„Unsere Statistik sagt, dass die nächtlichen Verfügungen nur bei vier bis zehn Stück je nach Automat liegen.“ Für die Stadtsparkasse ist es eine Stellschraube, um die Standorte zu schützen. Ansonsten aber wissen die Banker, dass auch die Investition in mehr Sicherheit Kriminelle nicht abschreckt. „Je widerstandsfähiger die Automaten sind, desto rabiater werden die Methoden. Mehr Technik verhindert die Tat nicht“, bedauert Wellershaus.

SB-Stellen werden weniger: Michael Wellershaus.

Für die Sprengungen in Lüttringhausen und Hackenberg, die im Oktober 2021 kurz hintereinander erfolgten, setzten die Täter TNT ein, nachdem sie sich zuvor meist mit der Einleitung von Gas Detonationen herbeigeführt hatten. Mit der neuen Dimension, dem Einsatz von Festsprengstoff riskieren sie, Gebäude unbewohnbar zu machen, gefährden aber auch Menschenleben. In Hackenberg lebt zum Beispiel eine ältere Dame Wand an Wand zum Explosionszentrum.

Die Angst der Mieter, zum Opfer zu werden, ist der Sparkasse bewusst. „Es ist ein sensibles Thema. Das ein oder andere Objekt gehört auch uns, zum Teil wohnen dort Sparkassen-Mitarbeiter“, meint Wellershaus. Der Sparkassenautomat in Hasten, der nach einer Sprengung lange außer Betrieb war, ist seit Ende 2020 wieder offen. Hasten ist neben dem Schützenplatz in Lüttringhausen der meist frequentierteste in Remscheid. „Immer da, wo die Menschen arbeiten und einkaufen ist die Frequenz am höchsten“, sagt Wellershaus.

Ob eine Wiedereröffnung auch in Hackenberg und Lüttringhausen erfolgt, lässt die Sparkasse offen. „Es wird zeitnah geprüft, ob überhaupt und wenn ja, wann“, erklärte Wellershaus beim Pressegespräch. Scheine können bei der Stadtsparkasse in den fünf Geschäftsstellen und neun weiteren Geldausgabeautomaten gezogen werden. Insgesamt kommt das Geldinstitut auf 23 Automaten. Perspektivisch werden die SB-Stellen weniger. „Der Trend zum bargeldlosen Zahlen hat bei unseren Kunden deutlich zugenommen“, resümiert Vorstand Herbert Thelen im Geschäftsbericht 2021.

Sicherlich sei diese Entwicklung auch der Pandemie geschuldet, aber eine Umkehr werde nicht mehr erfolgen, ist der Sparkassenvorstand überzeugt. Die rund 50 000 Kunden setzen auf digitale Angebote. In dem Maße, wie der SB-Service stark rückläufig ist, wird dessen Plünderung auch für Raubzüge unattraktiver. Momentan ist dies jedoch noch nicht der Fall.

Sven Wolf fordert effektivere Technik

In Nordrhein-Westfalen stiegen die Fallzahlen 2021 auf 151 und in 2022 wurden bereits 30 Geldautomaten gesprengt. Dies geht aus den Zahlen des Landeskriminalamtes hervor, die im Zuge einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung in Düsseldorf von fünf SPD-Abgeordneten gestellt worden war. „Die Täter dürfen nicht länger das Gefühl haben, in Nordrhein-Westfalen leichte Beute machen zu können.“ Der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf fordert deshalb: „Mehr technische Mittel und mehr Zusammenarbeit mit den niederländischen Behörden, darin liegt der Schlüssel, um diesem Verbrechensphänomen zu begegnen.“

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