Diskussionsforum

SPD startet Austausch über Corona-Folgen

Vikarin Dr. Stefanie Bluth forderte ein Recht auf Homeoffice, aber keinen Zwang. Archivfoto: Christian Beier
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Vikarin Dr. Stefanie Bluth forderte ein Recht auf Homeoffice, aber keinen Zwang. (Archivfoto)

Diskussionsforum fand erstmals bei einer Internet-Übertragung statt.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Rund 30 Interessenten verfolgten im Internet eine Premiere bei der Remscheider SPD: Die Sozialdemokraten hatten zu ihrer ersten Online-Diskussionsrunde eingeladen. In den Mittelpunkt rückte am Mittwochabend das Thema „Arbeiten und Wirtschaften unter Corona“. Die Referenten sollten Einblicke, Ausblicke und Perspektiven aufzeigen, die mit der Pandemie verbunden sind.

Ralf Gassen, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks, moderierte das neuartige Diskussionsforum. (Archivfoto)

Moderator Ralf Gassen begrüßte Remscheider, die ganz unterschiedliche Blickwinkel auf die Krise haben: Edscha-Betriebsratsvorsitzende Bettina Reckert beleuchtete unter anderem den Trend zum Homeoffice, dem sie Vor- und Nachteile abgewinnen kann. Miro-Gastwirt Torsten Dehnke zeigte auf, dass er mit einer gewissen Skepsis der Öffnung seiner Außengastronomie entgegensieht. Vikarin Stefanie Bluth unterstrich, wie hoch die Belastung für das Pflegepersonal in den Krankenhäusern sei. Unternehmer Stefan Grote blickte auf die Zeit zurück, als er für seine 21 Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden musste –ausgerechnet in einer Phase, als er seine neue Betriebsstätte an der Kipperstraße eröffnet hatte. „Es gab viele schlaflose Nächte“, erklärte der Bezirksbürgermeister mit SPD-Parteibuch. Zum Glück sei die Auftragsdelle mittlerweile überwunden, die Kurzarbeit beendet.

Bei den Diskussionsbeiträgen wurde deutlich, wie sehr Corona das Berufsleben verändert hat. Betriebsratsvorsitzende Bettina Reckert bedauerte, dass sie einige Kollegen seit acht, neun Monaten nicht mehr gesehen habe. Diese arbeiten zu Hause – im Homeoffice. „Einerseits ist es gut, dass der Arbeitgeber diese Möglichkeit einräumt, um die Mitarbeiter vor Ansteckungsgefahren zu schützen.“ Andererseits gehe der persönliche Kontakt verloren. „Wir können nicht mal eben um die Ecke gehen, um mal ein Gespräch zu führen.“ Und: Vor allem Frauen müssten die Doppelbelastung stemmen, in den eigenen vier Wänden das Arbeitspensum zu erledigen und den Nachwuchs zu betreuen. So stellte auch Vikarin Stefanie Bluth heraus: „Es sollte ein Recht auf Homeoffice geben, aber keinen Zwang.“

Hilfe des Staats ist unerlässlich in der Krise

Unternehmer Stefan Grote ist froh, dass die Kurzarbeit in seinem Betrieb ein Ende hat.

Doch: Nicht für jeden Bereich komme dies überhaupt in Frage, stellte Stefan Grote heraus. „Bei uns geht das nicht“, betonte der Experte für Maschinenersatzteile, die mittlerweile als systemrelevant eingestuft worden seien. Er könne daher nur eines: „An die Mitarbeiter den Appell richten, dringend auf die Schutzmaßnahmen zu achten.“ Zudem gelte es, bei Problemen individuelle Lösungen zu finden. „Etwa, wenn das Kind einer Mitarbeiterin in Quarantäne und daher versorgt werden muss,“ führte Grote an.

Die Referenten waren sich darin einig, wie wichtig staatliche Unterstützung in der Krise sei. Gastronom Torsten Dehnke zeigte sich froh, dass er mittlerweile die November- und Dezemberhilfen erhalten habe. „So wie auch meine Kollegen.“ Er wünsche sich aber Perspektiven. Und da reiche es nicht aus, dass die Außengastronomie wieder öffnen könne. Bei fünf Grad und Nieselregen Ende März könne er Speisen und Getränke wohl kaum an den Gast bringen.

Miro-Gastwirt Torsten Dehnke hofft darauf, dass er wieder für die Gäste öffnen kann. (Archivfoto)

Er sei zwar ein positiv denkender Mensch. Dass er aber in den letzten zwölf Monaten nur sechs Monate das Miro öffnen konnte, sei sehr belastend. Dabei ist Dehnke auch vom Effekt der Corona-Schnelltests nicht überzeugt, die deutlich intensiviert werden sollen. „Wir müssen stattdessen impfen, und das Tag und Nacht“, hob er hervor.

Die Diskussionsrunde im Internet könnte für die SPD zur Dauereinrichtung werden. Geschäftsführer Antonio Scarpino zeigte sich jedenfalls mit dem Ablauf der Premiere zufrieden, die er mitvorbereitet hatte. Und Glückwünsche gab es bei dieser Gelegenheit auch noch: SPD-Urgestein Sigmar Paeslack wurde am Mittwoch runde 80 Jahre jung und wurde bei der Internet-Übertragung von seinen Parteifreunden gefeiert.

Bundestagswahl im Visier

Demnächst nehmen die Remscheider Sozialdemokraten die Bundestagswahl am 26. September in den Fokus. Sie nehmen am Samstag, 13. März, an einer Wahlkreiskonferenz teil – zur Aufstellung einer Kandidatin oder eines Kandidaten für den Bundestagswahlkreis 103, der die Städte Solingen, Remscheid und Teile Wuppertals umfasst. Geplanter Treffpunkt ist die Erich-Fried-Gesamtschule Wuppertal-Ronsdorf, An der Blutfinke 70. Die Konferenz beginnt um 11 Uhr.

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