Weg zur Normalität

Sozialdezernent warnt vor vorschneller Öffnung von Schulen und Kitas

Werden die Stühle in den Kitas (hier die Kremenholler Straße) bald wieder runtergestellt? Foto: Roland Keusch
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Werden die Stühle in den Kitas (hier die Kremenholler Straße) bald wieder runtergestellt?

Der Leiter des Krisenstabes, Thomas Neuhaus, warnt: Viele Fragen sind ungeklärt.

Von Andreas Weber

Remscheid. Schulen und Kitas sollen nach den Osterferien wieder schrittweise den Betrieb aufnehmen. Die Schlagzeile auf der RGA-Titelseite irritierte Thomas Neuhaus. Denn: „So schnell, wie wir das System runtergefahren haben, werden wir es nicht hochfahren können.“ Der Sozialdezernent warnt eindringlich, mit demselbem Tempo wie beim Shutdown überstürzt zur Normalität zurückzukehren. Er bittet Bund und Land darum, alles genau zu durchdenken, ein Konzept zu präsentieren, das die Handelnden vor Ort mitnehme.

Neuhaus hält Lockerungen der Restriktionen bei Unternehmen und in Teilen des Einzelhandels für vertretbar. Dort sei es einfacher, entsprechende Sicherheitsstandards umzusetzen. Bei Schulen und Kitas dürfe aber nichts über das Knie gebrochen werden, mahnt Neuhaus. Die Hygienestandards dort noch mal hochzuschrauben, sei die eine Sache. „Das kriegen wir hin“, meint der Dezernent. Tägliches Reinigen von Schulen, Vorhalten von Seife, Einmalhandtüchern, Desinfektionsmitteln, ausreichend Waschbecken – all dies sei machbar.

Am 9. April waren die Kommunen aufgefordert worden, in ihren Bildungsstätten Begehungen vorzunehmen und bis zum 16. April Ergebnisse vorzulegen. Gebäudemanagement und Gesundheitsamt sehen die Stadt in dieser Hinsicht bereit. „Diese Hausaufgaben machen wir. Aber unsere Königsdisziplin wird nicht Sauberkeit sein. Das Virus überträgt sich hauptsächlich über Atemwegs-Sekrete und nicht so sehr über Schmierinfektion.“

Thomas Neuhaus wird noch deutlicher: „Wir diskutieren nicht über den Wischmob, sondern über die Sicherheit und Gesundheit von Lehrern und Erziehern.“ Der Leiter des Remscheider Krisenstabs erlebt in seinen Gesprächen „große Unsicherheit“ beim Personal in Schulen und Kitas, die auch von den Berufsverbänden geteilt wird.

An einem Vollbetrieb in den Einrichtungen hängen momentan viele ungeklärte Fragen: Gibt es angesichts der Risikogruppen überhaupt genug Lehrer und Erzieher, die Unterricht und Betreuung aufnehmen? Wo kommen die Masken für Kinder und Beschäftigte her, die noch nicht einmal im Gesundheits- und Pflegesektor vorhanden sind? Wie lassen sich 30 Schüler in einer Klasse unterbringen? Droht Schichtbetrieb im Klassenraum?

Und natürlich, so Neuhaus, müsse sichergestellt sein, dass die Schüler mit dem Bus in die Schulen kommen können. „Die Stadtwerke werden einen Vorlauf für die entsprechende Taktung der Busse benötigen.“

Seit Mittwoch erhält die Stadt im Kampf gegen Corona Unterstützung. Das künftige Aufgabenfeld der Weiterbildungsassistenten Nina Streeck und Martin Stumpf wird im Hastener Gesundheitsamt und in der Fieberambulanz an der Burger Straße liegen. „Es ist ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld und auf dem Weiterbildungsweg zum Facharzt etwas Besonderes“, freut sich Viola Juric, Sprecherin des Krisenstabes.

„Remscheid braucht dich“: Stadt sucht professionelle Helfer

In der Krise ist das medizinische Fachpersonal eine knappe Ressource. Deswegen sucht die Stadt im Rahmen ihrer Kampagne „Remscheid braucht dich“ seit März professionelle Helferinnen und Helfer, die bei der medizinischen Versorgung und Pflege unterstützen.

Offizielle Begrüßung von Nina Streeck und Martin Stumpf im Corona-Team. Sascha Ploch (links, Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz im Fachdienst Feuerschutz und Rettungsdienst), Feuerwehrchef Guido Eul-Jordan, Nina Streeck, Dr. Frank Neveling (Leiter des Fachdienstes Gesundheitswesen), Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Martin Stumpf, Corona-Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus, Dr. Christopher Rose (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst bei der Feuerwehr Remscheid)

Wie der Zufall es will, machten sich Nina Streeck und Martin Stumpf auf die Suche. Zwischen einem Jobwechsel wollten sie private Zeit im Ausland verbringen. Kurzerhand entschlossen sich die beiden, nahe ihrer Heimat ihre Hilfe anzubieten. »Standpunkt

GESUNDHEITSLAGE

CORONA Die Krankenhäuser vermelden 21 positiv Getestete in stationärer Behandlung, sieben davon liegen auf der Intensivstation.

FIEBERAMBULANZ Die Ambulanz an der Burger Straße ist aus den Räumen der Kinderschutzambulanz aus- und in ein angemietetes Medimobil auf dem dortigen Parkplatz eingezogen. Zum Warten und zur Aufnahme stehen dort zwei Zelte von Feuerwehr und DRK zur Verfügung.

STANDPUNKT Behutsame Rückkehr

Von Andreas Weber

Noch hat Corona das Gesundheitssystem in Remscheid nicht überbelastet. Das mag Glück gewesen sein, wahrscheinlich aber liegt es an einem verantwortungsvollen Krisenmanagement der Stadt und der Einsichtigkeit von vielen zehntausend Remscheidern, die sich an die Auflagen halten.

andreas.weber@ rga-online.de

Niemand wird heute allen Ernstes behaupten, dass das Schlimmste überstanden ist. Deshalb ist es nur folgerichtig, behutsam ins wirkliche Leben zurückzufinden. 

Das Tempo dabei darf nicht zu einem populistischen Politiker-Wettstreit werden, besonders in einem sehr sensiblen Bereich. Wer heute Tausenden von Kindern und Jugendlichen in Schulen und Kitas Unterricht und Betreuung verspricht, muss das entsprechende Augenmaß dafür finden. Man kann nicht einerseits von weiteren Kontaktsperren reden, wenn sie de facto in Schulen und Kitas aufgehoben werden und für Rückschläge bei der Bekämpfung des Virus sorgen könnten.

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