Philharmonisches Konzert

Solo-Geigerin beeindruckt mit Können

Milton Nicholas, Gastdirigent der Bergischen Symphoniker, forderte Solo-Geigerin Chouchane Siranossian und ihre Mitmusiker zu Höchstleistungen heraus. Foto: Roland Keusch
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Milton Nicholas, Gastdirigent der Bergischen Symphoniker, forderte Solo-Geigerin Chouchane Siranossian und ihre Mitmusiker zu Höchstleistungen heraus.

Beim 6. Philharmonischen Konzert schlugen die Bergischen Symphoniker einen Bogen von Beethoven bis Sibelius.

Von Daniel Diekhans

Remscheid. Hundert Prozent und mehr für die Musik geben – das ist der Leitgedanke von Chouchane Siranossian. Begleitet von den Bergischen Symphonikern, spielte die französisch-armenische Geigerin Max Bruchs Violinkonzert – mit herausragendem Können und emotionaler Wucht – und wurde dafür vom Publikum gefeiert.

Auch als sich die Solistin direkt an die 250 Zuhörer wandte, ließ sie den Gefühlen freien Lauf. Mit Blick auf Corona, meinte Siranossian, „sind wir wirklich glücklich, wenn wir unsere Musik mit dem Publikum teilen können.“ Tatsächlich holte sie mit dem 6. Philharmonischen Konzert eine Veranstaltung nach, die der Lockdown im vergangenen Jahr verhindert hatte. Diesmal trat sie unter der Leitung des australischen Gast-Dirigenten Nicholas Milton und mit einem der beliebtesten Violinkonzerte überhaupt auf.

Doch so wie die Geigerin Bruchs Geniestreich von 1868 anging, war da mehr als Klangschönheit im Spiel. Schon den Tönen des „Vorspiels“ spürte sie bis in die feinsten Verästelungen nach, nutzte die improvisatorischen Freiheiten – etwa für Triller in den höchsten Lagen – und bündelte die Energie in einem flirrenden Gesang. Das Erkennungsthema des zweiten Satzes klang in ihrer Interpretation nicht bloß innig, sondern war von schmerzlicher Intensität – so als habe Bruch schon bei der Komposition eine Trauermusik in die Noten eingewoben. Auch den Glutkern des Finales legte Siranossian frei und rundete das Bild mit raffinierten Doppelgriffen ab.

Dirigent und Publikum beklatschen Solistin enthusiastisch

Miltons Dirigat arbeitete die Feinheiten der Begleitung heraus – und er beklatschte die Solistin so enthusiastisch wie der ganze Saal. Die nahm die gelöste Stimmung auf und spielte zwei Zugaben, die man als Rückkehr zu den musikalischen Wurzeln verstehen konnte. Bei einem Virtuosenstück von Pietro Locatelli kam die Barockinterpretin, die unter anderem bei Reinhard Goebel (Musica Antiqua Köln) gelernt hat, zum Vorschein. Noch weiter ging es in der Zeit zurück, als sie eine mittelalterliche Melodie aus Armenien spielte. Den Sprung ins frühe 19. Jahrhundert machten Dirigent und Orchester mit Beethovens Leonore-Ouvertüre. Mit Sibelius war die frühe Moderne erreicht.

Vorher aber zog Milton den – nicht ganz ernst gemeinten – Vergleich zwischen der von Sibelius vertonten finnischen Landschaft und dem Bergischen Land: „Vielleicht hören Sie etwas, das Sie an Remscheid erinnert.“ Und zum Kulturgut der Region zählt Milton, der in Deutschland und Österreich drei Orchester leitet, nicht zuletzt die Bergischen Symphoniker: „Ich habe mich gefreut, mit eurem Juwel arbeiten zu können.“

In jedem Fall lagen die Klanglandschaften der Fünften bei den Symphonikern in guten Händen. Hörner und Holzbläser ließen den Kopfsatz glänzen. Alle hielten sich an die vorgeschriebene Temposteigerung, ohne zu eilen. Angenehm kontemplativ fiel der langsame Satz aus. Eindrucksvoll wogten Streicher- und Bläserlinien – und nach der Schlussfanfare erfüllten Bravo-Rufe den Raum.

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