Kommunalwahl 2020

Wo sollen junge Familien bauen dürfen?

Auf dem Gelände des einstigen Krankenhauses in Lennep wurde 2018 eines der letzten großen Neubaugebiete in Remscheid mit Doppelhaushälften sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut. Die angebotenen Wohnungen waren in kürzester Zeit verkauft. Foto: Roland Keusch
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Auf dem Gelände des einstigen Krankenhauses in Lennep wurde 2018 eines der letzten großen Neubaugebiete in Remscheid mit Doppelhaushälften sowie Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaut. Die angebotenen Wohnungen waren in kürzester Zeit verkauft.

Vierter Teil der RGA-Wahlprüfsteine: Die Pläne für die Knusthöhe entzweien die Parteien.

Von Axel Richter

Remscheid. Für den 13. September sind mehr als 80 000 Remscheiderinnen und Remscheider zur Wahl eines neuen Oberbürgermeisters beziehungsweise einer neuen Oberbürgermeisterin aufgerufen. Zugleich bestimmen sie über die Zusammensetzung des neuen Stadtrates. Der RGA hat acht Wahlprüfsteine formuliert: Fragen, die den demokratischen Parteien zugegangen sind. Heute geht es um die Frage, wie sich junge Familien ihren Traum vom Eigenheim erfüllen können.

In Remscheid fehlt Bauland für Familien. Nun soll die Knusthöhe entwickelt werden. Ist Ihre Partei dafür oder dagegen? Wo könnten alternativ oder ergänzend weitere Neubaugebiete in Remscheid entstehen?

CDU

Die CDU begrüßt grundsätzlich ein neues Wohngebiet an der Knusthöhe. Allerdings geben wir keinen Blankoscheck. Uns ist wichtig, dass ein künftiges Wohngebiet zu keinen unverhältnismäßigen Belastungen für die Anwohnerschaft führend darf. Wir wollen, dass dieses Wohngebiet ausschließlich über die L 58 (vormals B 51) - Ringstraße und nicht über die Platanenallee und/oder die Heinrich-Hertz-Straße erschlossen wird. Wir stellen uns an der Knusthöhe vor allem eine Bebauung mit Einfamilienhäusern vor. Eine von der Verwaltung in Aussicht gestellte Größenordnung von über 200 Wohneinheiten in dem Gebiet sowie eine angedachte Bebauung mit Mehrfamilienhäusern lehnen wir ab. Die im Stadtgebiet in Frage kommenden Grundstücke für Wohnbebauung liegen im Kommunalen Wohnbauflächenpotenzialatlas vor. Für uns ist wichtig, diese bedarfsgerecht zu entwickeln. Bedarfsgerecht bedeutet für uns: Sozialer Wohnungsbau, qualitativ hochwertiger Wohnungsbau und Kleinstwohnungen.

SPD

Es wird zunehmend schwerer, mit kleinem oder mittlerem Einkommen eine bezahlbare Wohnung zu finden, die modern und attraktiv ist. Wir wollen mit den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, gemeinwohlorientierten Akteuren und den Genossenschaften den gemeinnützigen Wohnungsmarkt weiter ausbauen. Dem Neubaugebiet an der Knusthöhe – insbesondere da es für junge Familien vorgesehen ist – stehen wir positiv gegenüber und haben dem Bebauungsplan zugestimmt. Das Neubaugebiet Eisernstein ist fast fertig. In der Düppelstraße ist ein weiteres Neubaugebiet in der Planung.

GRÜNE

Remscheid verfügt nicht über zu wenig Wohnraum, sondern über den falschen Wohnraum. Dies wird an Tausenden leerstehenden Wohnungen deutlich. Anders als Flächenkreise, verfügt Remscheid als grüne Großstadt gleichzeitig über wenig unbebaute Fläche. Nur unbebaute Fläche sorgt aber für Kühlung in zu heißen Sommern, dient als CO2-Senke, nutzt der Artenvielfalt, gewährleistet Erholung, reguliert den Wasserhaushalt und ermöglicht Landwirtschaft. Darum kann es nicht im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung sein, leerstehenden Wohnraum und die damit einhergehenden Probleme mit immer neuen Wohngebieten auf der grünen Wiese einzurahmen, wie es an der Knusthöhe geplant ist. Vielmehr muss es Ziel sein, bestehende Stadtteile wieder so aufzuwerten und so umzubauen, dass sie der Nachfrage nach modernem Wohnraum für junge Familien, aber auch für ein Leben im Alter gerecht werden.

FDP

Der Remscheider Wohnungsbestand ist in vielen Bereichen nicht mehr zeitgemäß. Beispielhaft sind weite Teile der Bebauung entlang der großen Verkehrsachsen Freiheitstraße und Nordstraße. Wir brauchen Anreize für die Sanierung und Modernisierung alter Wohnungen. Faire Mieten müssen bei der Modernisierung im Mittelpunkt stehen. Baugrundstücke für Wohnbebauung fehlen weiterhin in unserer Stadt. Vor allem junge Familien, die sich den Traum vom Eigenheim erfüllen wollen, können in Remscheid keine Grundstücke dafür finden. Für diese Familien wollen wir an der Knusthöhe Baurecht schaffen und für die dringend benötigten Bauplätze sorgen. Die geförderte Quartiersentwicklung muss darüber hinaus ein Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklung Remscheids werden.

LINKE

Wir sprechen uns gegen die Pläne zur Bebauung der Knusthöhe aus. Das Gebiet ist Wassereinzugsgebiet der Herbringhauser Talsperre, das Gebiet ist ein landwirtschaftlich genutzter Grünstreifen und muss als solcher erhalten bleiben. Wir haben in Remscheid einen enorm hohen Leerstand an Wohnungen. Zumeist haben diese Wohnungen keinen zeitgemäßen Standard. Sie könnten saniert werden oder man schafft dort durch Abriss Platz für neue Wohngebäude. Wenn Lösungen im Bestand in den vorhandenen Quartieren vorangetrieben werden, könnte das zum Beispiel im Bereich der Alleestraße zur gewünschten Neubelebung führen. Für uns gilt: Nachhaltige Entwicklung im Wohnungsbau heißt Entwicklung im Bestand, Naturräume schützen.

WiR

Grundsätzlich sind WiR für die Knusthöhe, weil Wohnraum in Remscheid knapp ist. Die Suche nach weiteren Flächen für Neubaugebiete ist in Remscheid schwierig. Deswegen müssen wir uns verstärkt mit Flächenrecycling beschäftigen, zum Beispiel auch Gewerbebrachen in Wohnungsbau umzuwidmen. Außerdem wollen wir alternative Nutzungskonzepte, wie Mehrgenerationenwohnen, weiter vorantreiben.

AfD

Die Familie ist die Grundlage unseres Zusammenlebens und wird von unserer Partei im Besonderen gefördert und befürwortet. Daher sind wir auch für Entwicklung von weiteren Wohngebieten, nicht nur in Lennep (Knusthöhe). Im Detail muss geprüft werden, welche weiteren Gebiete sich dafür eignen auch in Innenstadtnähe, zum Beispiel Erweiterung vom Hohenhagen in aufgelockerter Bebauungsweise.

ECHT REMSCHEID

Wir sind gegen die Bebauung an der Knusthöhe. Wir haben in Remscheid mit fast 7 % den höchsten Leerstand in der Umgebung zu verzeichnen. Die konsequente Modernisierung und energetische Sanierung der vorhandenen Bestände hat Priorität vor der Ausweisung und Versiegelung neuer Flächen. Das gilt auch für die Instandhaltung und Sanierung und damit der Werterhaltung der städtischen Immobilien, die teilweise seit Jahren leer- und dem Markt nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die Wahlkämpfer geben zwischen 12.000 und unter 19.000 Euro für die Wahlwerbung am Straßenrand aus.

Die Kommunalwahlen am 13. September stehen ganz im Zeichen von Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus. Wie Wahlkoordinator Bernd Hoffmann berichtet, schafft die Stadt Remscheid für alle 54 Wahllokale Plexiglasscheiben an.

Die Tage bis zur Wahl – das können Sie von uns erwarten.

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