Politiker wollen einen Fonds auflegen

Remscheid soll zur „Solarstadt“ werden

Dr. Klaus Müsch ist der technische Geschäftsführer der Sägenfirma Robert Röntgen. Seit August 2021 produziert sie den Strom selbst, den sie für die Produktion braucht – mit der größten Photovoltaikanlage Remscheids. Das Unternehmen ist mit der Ausbeute zufrieden. Foto: Roland Keusch
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Dr. Klaus Müsch ist der technische Geschäftsführer der Sägenfirma Robert Röntgen. Seit August 2021 produziert sie den Strom selbst, den sie für die Produktion braucht – mit der größten Photovoltaikanlage Remscheids. Das Unternehmen ist mit der Ausbeute zufrieden.

Ziel sind Photovoltaikanlagen auf möglichst vielen Dächern.

Von Axel Richter

Remscheid. Viel Zeit bleibt nicht mehr, um den Klimawandel abzumildern. Die 2020er Jahre seien das letzte Jahrzehnt, indem das überhaupt möglich sei, sagen die Wissenschaftler. Remscheid soll deshalb zur „Solarstadt“ werden. Das beschlossen die Politiker jetzt im Hauptausschuss, der in der Pandemie für den Stadtrat entscheidet. Die Remscheider sollen sich daran beteiligt – in barer Münze.

Remscheid: So wird die Stadt zur Solarstadt

Die Stadt will einen Bürgerfonds auflegen, in den jeder Remscheider einzahlen kann. Mit diesem Geld sollen Photovoltaikanlagen auf Dachflächen finanziert werden, die sich im Eigentum der Stadt Remscheid befinden und sich für die Erzeugung von Sonnenstrom eignen. SPD, Grüne und FDP betrachten das zum einen als Investition in den Klimaschutz als auch in den Geldbeutel. „Für immer mehr Unternehmen und Verwaltungen ist es wirtschaftlich und ökologisch attraktiv, sich mit selbst erzeugtem Solarstrom zu versorgen.“

Einige Unternehmen machen es schon vor

Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma Robert Röntgen GmbH. Im August 2020 nahm sie auf ihrem Dach die größte Solar-Anlage Remscheids in Betrieb. Ein Dreivierteljahr später zeigt Geschäftsführer Dr. Marcus Jankowski sich zufrieden: „Die Investition lohnt sich, weil wir mit 98 Prozent nahezu den kompletten Strom, den wir mit der Anlage erzeugen, auch selbst verbrauchen.“ 4000 Quadratmeter sind mit Solarpaneelen bedeckt. Das reicht für eine Höchstleistung von 750 Kilowatt.

Auch auf städtischen Gebäuden gibt es geeignete Flächen

So groß sind die meisten Dachflächen, die sich im Eigentum der Stadt Remscheid befinden, nicht. Doch auch kleinere eignen sich für die Erzeugung von Sonnenstrom. Geeignete Flächen gibt es laut Stadt auch auf Schulen, Verwaltungsgebäuden, Turn- und Sporthallen. Im Hauptausschuss warb David Schichel (Grüne) bei der Opposition um Zustimmung für den Schritt zu mehr Klimaschutz: „Die Zeit läuft uns weg, wir müssen schneller werden.“ Bei der CDU fand die Idee des Bürgerfonds grundsätzliche Zustimmung. Mit einer eigenen Idee scheiterten die Christdemokraten indes.

Warum Straßenlaternen nicht zur Ladesäule für E-Autos werden

Die Idee klingt einleuchtend: Jede Straßenlaterne, die sich dazu eignet, soll zur Ladestation für E-Autos ausgebaut werden. „Das geht mit einem kleinen Kästchen, das da dran montiert wird“, erklärt CDU-Fraktionschef Markus Kötter. Dafür seien keine Erdarbeiten und teuren Investitionen erforderlich, andere Städte machten es vor. Die Stadt Remscheid zeigt sich dennoch zurückhaltend. Mit dem Leitungsnetz ließen sich Lampen betreiben – nicht Ladeeinrichtungen für Elektromobilität. Außerdem befände sich auch nicht an jeder Laterne ein Parkplatz. Und widersprach Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) Markus Kötter: „Wir brauchen sicher nicht nur ein Kästchen, sondern auch ein Kabel am Kästchen, das den Strom liefert.“ Der Oberbürgermeister verwies auf ein Lade-Infrastrukturkonzept für Elektrofahrzeuge. Das habe die Verwaltung gerade in Arbeit. Dennoch will er die Idee der CDU mit Stadtwerke-Chef Prof. Dr. Thomas Hoffmann erörtern.

Wird Remscheid spätestens 2045 klimaneutral?

Die CDU will noch mehr. Bis 2030 soll die Stadt ihren Ausstoß an klimafeindlichen Gasen gegenüber 1990 um 65 Prozent verringern. 2045 soll die Stadt Klimaneutralität erreicht haben. Spätestens. Für dieses ehrgeizige Ziel bekamen die Christdemokraten ebenfalls nicht die Zustimmung der übrigen Ratsfraktionen. Sie verwiesen den Antrag „Wir brauchen den kommunalen Klimakonsenz! – Gemeinsam schaffen wir den solidarischen Klimawohlstand“ in die Fachausschüsse.

Genossenschaft

Ähnliche Modelle wie jenen Bürgerfonds für die Solarstadt gibt es bereits im Bergischen Land.

2012 gründete sich in Wuppertal die Bergische Bürger-Energie-Genossenschaft. Annähernd 100 Bürger arbeiten an einer nachhaltigen, erneuerbaren und dezentralen Energieversorgung.

Jeder Bürger kann Anteile an der Genossenschaft zeichnen. Dafür gibt es jährlich entsprechend dem wirtschaftlichen Erfolg eine Dividende.

Standpunkt: Es zahlt sich aus

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@rga.de

Die Bergische Bürger-Energie-Genossenschaft in der Nachbarstadt Wuppertal oder auch die Bürgerenergie Solingen haben es bereits vorgemacht, dass sich die Investition in Solarenergie lohnt. Und das nicht nur im Hinblick auf den Klimawandel, auch für die Kapitalgeber kann sich eine Beteiligung an einer solchen Genossenschaft auszahlen. Warum sollten sich nicht auch in Remscheid auf dem Weg zur Solarstadt ausreichend Geldgeber finden, für die ein Bürgerfonds zum Ausbau der Photovoltaikinfrastruktur auf den städtischen Immobilien interessant ist und die deshalb bereit sind, sich finanziell zu engagieren? Dass sich das auszahlt, zeigt auch das Beispiel der Robert Röntgen GmbH, und das ist nicht nur monetär gemeint. Jeder Verzicht auf den Einsatz fossiler Energie ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den Klimawandel zu verlangsamen. Dabei muss sicherlich auch an dem großen Rad gedreht werden, aber auch jeder kleine Schritt trägt ein Stück dazu bei. Und mit Hilfe eines Bürgerfonds kann jeder mitwirken. Zumal die klamme Stadt Remscheid ohne die Hilfe ihrer Bürger gar nicht dazu in der Lage wäre.

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