Ausflugstipp

Familienführungen: So lebten die alten Rittersleute

Bei den Familienführungen schildert Cevin Conrad (rechts) das mittelalterliche Leben unterhaltsam und anschaulich. Foto: Roland Keusch
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Bei den Familienführungen schildert Cevin Conrad (rechts) das mittelalterliche Leben unterhaltsam und anschaulich.

Noch bis Sonntag lädt Schloss Burg täglich um 14 und 15 Uhr zu Familienführungen ein.

Von Sabine Naber

Remscheid/Solingen. Im Innenhof von Schloss Burg, umgeben von den imposanten Burgmauern, starten bis zum Ende der Schulferien am kommenden Sonntag die kurzweiligen Familienführungen. Mit lustigen und unterhaltsamen Geschichten, an denen sowohl Erwachsene, als auch Kinder ihren Spaß haben, unterhält Fremdenführer Cevin Conrad die Schlossbesucher. Und vermittelt Wissen über Mittelalter und Schloss Burg.

Mit Blick auf den Burghof, in dem es Kerker und Verliese gab, erklärte Conrad: „In den Rittergeschichten geht es ja immer um eine Schlacht, in der die Guten die Bösen besiegen. Und die landeten dann im Kerker. Aber man wollte sie nicht durchfüttern, sondern Geld durch sie verdienen.“ Also hätten die Burgbesitzer Austrittsgeld verlangt. Wurde es bezahlt, dann sei der Gefangene freigelassen worden.

Was passierte, wenn kein Geld floss, wurde anschaulich geschildert: „Man holte ihn aus dem Loch, zog ihn aus, bepinselte ihn mit Honig und sperrte ihn in so einen Käfig“, zeigte Conrad auf das entsprechende Modell im Hof. Entweder der Gefangene sei dann zurückgekauft worden, oder die Raben pickten an ihm.

Sanierung von Schloss Burg: Ausstellungsstücke mussten umziehen

Der Schlossturm, der Bergfried, sei das wichtigste Teil in einer Burg. 180 Menschen könne man darin verstecken und die Treppe hoch- und runterkippen. Leitern seien verboten gewesen, denn eine Schloss-Lady ging nicht darüber. „Es gab auch noch keine Toiletten. Die Fäkalien wurden in Fässern gesammelt und Angreifer damit überschüttet.“

Weil im Rahmen der derzeitigen Sanierung das Palasgebäude und damit die Rittersaalebene mit dem Saal, der Kemenate und der Ahnengalerie gesperrt sind, ging es über den Wehrgang zum Bergfried ins neue Übergangsmuseum. Dort gab es das Modell der ersten Familienburg mit Haus, Schutzturm und Mauer zu sehen. Auch Bodenfunde wie Knochen, Vasen und Nägel. „Das Coolste ist aber der Schatz. Da hat man unter einem lockeren Stein Silberstücke gefunden.“ Mit Blick auf die speziellen Leinwände, die produziert wurden, um während der Sanierung einige der interessantesten Wandgemälde der Rittersaalebene ansehen zu können, schilderte Conrad, dass Adolf III. während eines Kreuzzugs in Ägypten starb. „Eigentlich hätte jetzt seine Tochter Irmgard die Burg übernehmen sollen. Aber sein Bruder Engelbert, Erzbischof von Köln, klaute sie. Der hatte viel Macht, gab den Menschen Arbeit.“

Auch Kinder tranken schon Bier und ähnliche Getränke

Vor der Leinwand des Bergischen Löwen wollte er wissen: „Was ist anders an ihm? Wie ein richtiger Löwe aus dem Zoo sieht der ja nicht aus.“ „Er hat zwei Schwänze, steht auf zwei Beinen und hat eine Krone und eine lange Zunge“, ließen die Antworten nicht lange auf sich warten. „Und seine Zunge ist aus Metall. Was er sagt, hat Gewicht, soll das heißen“, ergänzte der Experte. Damals habe es noch keine Kühlschränke gegeben. Deshalb sei die Milch schnell sauer, die Säfte schimmelig geworden. Das Wasser musste abgekocht werden, schmeckte dann aber nicht mehr gut. „Man brauchte Geschmacksverstärker, Wurzeln wurden eingesetzt, etwas Ähnliches wie Bier entstand. Das tranken auch die Kinder. Ab dem 14. Jahrhundert entdeckte man Hopfen, damit hielt sich das Bier bis zu sechs Wochen.

Das Bild einer Kinderverlobung zeigt, dass zwei mächtige Familien zusammenkommen wollten. Die fünfjährige Maria von Jülich-Berg wird dem sechsjährigen Johann von Kleve-Mark versprochen. „Mit 19 haben sie dann geheiratet. Und sie waren wirklich verliebt ineinander, denn sie haben sich Liebesgedichte geschrieben und vier Kinder bekommen. Eine Tochter wurde dann die Queen von England“, erzählte Conrad.

Familienführungen

Täglich in den Ferien: Eintrittspreis plus 4 Euro, Kinder unter drei Jahren frei. Treffpunkt ist fünf Minuten vorher vor dem Burgtor. Nach der Führung kann der Rundgang selbstständig fortgesetzt werden. Buchungen unter Tel. (0212) 242 26 19.

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