Helft uns helfen

So kommen die Lebensmittel zu den Tafel-Ausgaben

Ab in den Transit: Olaf Krause und Luigi Piga holen am Penny in Lennep gut erhaltene Lebensmittel für die Tafel ab.
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Ab in den Transit: Olaf Krause und Luigi Piga holen am Penny in Lennep gut erhaltene Lebensmittel für die Tafel ab.
  • Melissa Wienzek
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Fahrer sammeln morgens bei den Supermärkten in der Region gut Erhaltenes ein. Wir haben eine Tour begleitet.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Wenn andere noch schlafen, sind sie bereits schon in der Dunkelheit unterwegs, ob es stürmt, schneit oder regnet: die Fahrer der Tafel. „Einen Ausfall könnten wir uns überhaupt nicht leisten“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter der Tafel Remscheid, Alexander Wolf. Denn schließlich gibt es so viele Remscheiderinnen und Remscheider, darunter viele Familien, die jeden Tag versorgt werden müssen – Tendenz steigend. Aber wo kommen die Lebensmittel, die in den acht Ausgabestellen landen, eigentlich her? Wir haben uns das einmal genau angeschaut und eine morgendliche Tour begleitet.

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7.20 Uhr: Einsatzzentrale Wülfingstraße: Alexander Wolf teilt die 1-Euro-Jobber den Fahrern zu, alle sind dick eingepackt, schließlich sind es -3 Grad. Meistens fahren sie zu zweit. Die Tafel hat festangestellte und ehrenamtliche Fahrer. Für sie stehen drei Wagen zur Verfügung: zwei Transporter, ein Kastenwagen.

7.30 Uhr: Olaf „Oli“ Krause sammelt 1-Euro-Jobber Luigi Piga mit dem Ford Transit ein, die erste Tour beim Rewe an der Alten Kölner Straße in Lennep hat er schon hinter sich, weil nämlich jetzt der Action-Lkw in der Einfahrt steht – die ersten Lebensmittel sind gesichert. Im Januar macht der 62-jährige Krause den Job schon fünf Jahre. „Es macht mir Spaß“, sagt er und erklärt: „Hier duzen wir uns alle, es geht familiär zu.“ Erfahrung hat er: Sicher vier Millionen Kilometer hat er als Lkw-Fahrer schon abgerissen, davor war er Betriebselektriker bei Mannesmann.

7.40 Uhr: Im Rewe an der Wupperstraße stehen bereits sechs gepackte Klappkisten in der Obst- und Gemüseabteilung – die Mitarbeiter haben die aussortierten Lebensmittel bereits für die Tafel zusammengepackt. So läuft es immer. Hier gibt es viele Radieschen, Himbeeren, Salat, aber auch Kuchen, Baguettes. Zufällig trifft Krause hier seinen Sohn, während er die Kisten über den Boden nach draußen schiebt. Ein Lieferschein muss noch ausgefüllt werden.

Wie wird der Transit gepackt? „Schweres Richtung Mitte, denn er hat Hinterradantrieb.“ Er habe sein eigenes System, sagt Krause: Meist baut er sich ein U, damit er noch reinsteigen und hantieren kann, alles ist gut gestapelt und sicher. 700 Kilo kann er zuladen. „Für 40 Leute bei der Ausgabe ist aber eigentlich Feierabend.“ Wenn das Auto voll ist, ist voll. Gut, dass zurzeit nicht gekühlt werden muss. Im Sommer schaltet er die Kühlung dann zu.

7.50 Uhr: Luigi hat schon im Penny nebenan Bescheid gesagt, Oli Krause setzt rückwärts an die Rampe. Berliner, Quarkbällchen, sogar Mon Chérie sind dabei. Den Hokkaido muss Luigi allerdings aussortieren: schimmelig. Wer auf der Sammeltour dabei ist, macht die grobe Vorauswahl. Was ausgegeben wird, entscheiden dann die Ehrenamtler an den Ausgabestellen – und sortieren selbst noch mal. Das Tafelteam muss die Ladezonen immer sauber verlassen. Verpackungsmaterial wird dagelassen, Lebensmittel werden in die Klappkisten umgepackt. Der Platz muss gut genutzt werden.

7.55 Uhr: „Mit Schwung in den Dung!“, sagt Krause und dreht das Radio hoch. So mancher Marktleiter habe sich darüber mal beschwert, weil die Frauen an der Kasse tanzten, während in seinem Wagen beim Einladen laut Reggae lief, erzählt er lachend. So gibt es viel zu erzählen, was am Wegesrand passiert. Die Leute kennt er alle beim Namen, schließlich fährt er jeden Tag eine Tour, und immer die Außentour über Radevormwald. So wie heute.

8.11 Uhr: Ein Harry-Lkw blockiert die Lieferzone vom Aldi an der Max-Planck-Straße in Rade. Luigi meldet uns an, dann fährt Harry, und wir können einladen. Die Aldi-Mitarbeiter müssen nun jedes Lebensmittel per Scanner auslesen, bevor sie es für die Tafel freigeben. Hier gibt es Blumen. Weil der Transit eine geringe Stehhöhe hat, muss Oli gebückt sortieren, Kisten schiebt er über den Ladeboden. „Schönen Tag noch!“, ruft Oli der Mitarbeiterin zu, und Luigi fährt selbst das Rolltor runter. Was ist eigentlich mit Edeka? „Der macht leider nicht mit.“

8.20 Uhr: „Wir wissen nie, was wir kriegen“, sagt Oli, und fährt beim Lidl in Rade rückwärts an die Rampe. Es ist wie ein Déjà-vu. „Montags kann es sein, dass man Rade nicht schafft, weil das Auto schon voll ist, aber mittwochs ist weniger.“ Nebenan im Rewe A. Kleinschmidt packt Filialleiter Frank Löhde selbst Mandarinen für die Tafel in den Wagen. Auch Molkereiprodukte gibt es heute. „Wir unterstützen den Mittagstisch in Rade, die Tafel Remscheid und samstags Foodsharing“, sagt Löhde.

Für ihn heißt es auch: weniger zu entsorgen. Eine Win-Win-Situation. Heute wandern hier viele Bananen in die Kisten. Das ist gut – denn weil viele Märkte besser kalkulieren und es immer mehr Kunden werden, muss die Tafel mittlerweile Obst und Gemüse auf dem Großmarkt zukaufen.

9 Uhr: Nach einer Fahrt durchs Uelfetal, in dem im Sommer der gelbe Fingerhut so schön blüht, wie Oli erzählt, gibt es im Penny in Lüttringhausen einmal Molkereiprodukte, einmal Backwaren. Der Zettel muss richtig ausgefüllt werden, erinnert der Marktleiter. Luigi hat Hunger und kriegt ein Teilchen. Im Aldi nebenan hat das Team kein Glück: Die Waren sind noch nicht fertig gepackt.

Also zügig weiter die Straße runter zu Lidl und Rewe. Die Frau mit den vier Windhunden sieht er hier immer, erzählt Oli. „Hi, Alina!“, grüßt er am Lidl-Lager, klettert die Rampe hoch und hilft Luigi beim Einpacken der Blumen, Obst und Gemüse. Denn es hat uns auf die Zeit geschlagen. Nur einen Stellplatz weiter gibt es Mischboxen vom Rewe, leider fällt Oli hier ein Topf Sahne runter – die Thermohose braucht jetzt eine Wäsche. Ein bisschen Schwund ist immer, das verdirbt dem Tafelfahrer aber nicht die Laune – er dreht noch mal das Radio auf.

10 Uhr: Die Waren wandern nun, nach einem Zwischenstopp an der Wülfingstraße, wo Oli noch schnell Nudeln von Steinhaus zupackt, in der Ausgabe am Hackenberg. Die Menschen dort können nun frische Ware einkaufen – und sind erst mal wieder für ein paar Tage versorgt.

Sie haben schon über 44.000 Euro gespendet

„Helft uns helfen“ Remscheid

Wir danken diesen Spendern recht herzlich: Christel Mores, Gerd und Gertrud Jakobi, Peter und Elke Weidner, Gertrud Nickel, Erika Pohle, Helene Sonst, Hans Ulrich Surkamp, Margret Lenhard, Hans-Georg Scham, Christel Seebeck-Hegemann, Marlene Schwalbe, Frank Müller, Carmen und Wolfgang Bruning, Annelie Gansauer-Rauch, Eva Marie Otter, Hellmut und Gerlinde Lorenz, Heiko Noss, Kristina Tamm, Margot Doris Wirtz, Hans-Dieter und Nicola Brinkmann, Lothar Romlau, Hans Werner und Agnes Hedwig Wallraff, Klaus Quinting, Fred Greuling, Veronika und Rolf Westendarp, Rainer und Brigitte Leischner, Klaus Peter und Ute Kaltwasser, Heidemarie Dusi, Horst Neuser, Siegfried und Lydia Pahl, Christa Kaluscha, Andrea Dietz, Wolfgang und Gisela Schuld, Erika Reinecke, Maria Schlossmacher, Helmut und Marianne Gaese, Klaus und Doris Courtz, Monika Hageboecker, Gislinde Borchert-Bublinski, Karl-Heinz Sondermann, Gertrud Girbig, Ruth Weller, Marion Wibemann, Margot Luber, Klaus Ickler, Monika Kerzel, Monika Heike Grothe, Angela Stubbe, Heinz und Gisela Arntz, Peter und Ursula Dreyer, Dieter und Friederike Noss, Heide Plesnik, Walburga Thomas, Hans Adolf und Birgit Müller, Manfred und Ursel Schwinghammer, Hans-Werner und Cornelia Schleßmann, Ingo und Petra Saager, Burkhard Mast-Weisz, Dr. Annette Kroschewski, Hans-Erwin Hermann, Bernhard Wordehoff, Bärbel Knorps, Bernd Pikulik, Volker und Annegret Brass, Andrea Elisabeth Frielingsdorf, Andrea und Markus Hainbuch, Karen Dowidat, Johannes Franz Kohout, Heidemarie Schulz, Hildegard Kath, Horst Adolf und Ursel Kaiser, Gabriele Renery, Hans und Sigrid Benscheid, Jens Uwe und Gisela Burghoff.

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