Klimawandel

So erlebte ein Remscheider den Klimagipfel

Auf dem Klimagipfel in Sharm-El-Sheikh traf Dr. Peter Schniering auch auf pragmatische Politiker.
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Auf dem Klimagipfel in Sharm-El-Sheikh traf Dr. Peter Schniering auch auf pragmatische Politiker.

Für Autos ungeeignet: Dr. Peter Schniering zerschlug Mythen über den Wasserstoff.

Das Interview führte Axel Richter

Remscheid. Der 27. UN-Klimagipfel ist Geschichte. Nach zweiwöchigen Beratungen im ägyptischen Sharm-El-Sheikh zeigen sich Kritiker von den Ergebnissen weitgehend enttäuscht. Der Remscheider Dr. Peter Schniering, Kopf der Denkfabrik Future Cleantech Architects mit Sitz in der Hindenburgstraße, kehrte am Wochenende vom Gipfelbesuch zurück. Wie fällt seine Gipfelbilanz aus?

Herr Dr. Schniering, 35.000 Menschen fliegen in die Wüste, um über Klimaschutz zu reden. Wo liegt der Fehler?

Dr. Peter Schniering: Ich verstehe die Kritik. Aber internationale Verhandlungen zwischen 190 beteiligten Staaten funktionieren nicht per Videositzung. Abseits der großen politischen Bühne passiert auf einem solchen Gipfel zudem sehr viel. Und zum Vergleich: Zum Oktoberfest kommen in jedem Jahr mehr als zehn Mal so viele Besucher aus dem Ausland.

Die Ergebnisse des UN-Klimagipfels sind, sagen wir, überschaubar. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Schniering: Das Gesamtergebnis ist enttäuschend. Ich habe allerdings auch nicht so viel erwartet. So viele Staaten mit unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist einfach mehr als schwierig. Wir haben losgelöst von den internationalen Verhandlungen versucht, das voranzutreiben, was wir vorantreiben können. Damit bin ich zufrieden.

Was haben Sie mit den Future Cleantech Architects denn vorangetrieben?

Schniering: Wir sind von den Vereinten Nationen dazu eingeladen worden, einen ganzen Tag lang die Wertschöpfungskette bei der Verwendung von Wasserstoff aufzuzeigen. Dabei haben wir feststellen müssen, dass viele Ideen aus Kostengründen und wegen nicht vorhandener Technologie schlicht unrealistisch sind. Wir nennen das Mythen zerschlagen.

Bitte nennen Sie ein Beispiel.

Schniering: Für den Antrieb von Autos ist Wasserstoff zum Beispiel gar nicht gut geeignet, weil viel zu ineffizient. Leider hilft uns Wasserstoff auch nicht in der Zementindustrie. Wie schlimm Zement ist, ist vielen gar nicht bewusst. Rund 8 Prozent der weltweiten Emissionen von Treibhausgasen gehen auf die Zementherstellung zurück. Auf dem Klimagipfel sind wir deshalb mit Heidelberg Materials zusammengekommen, dazu mit Politikern und Wissenschaftlern, um gemeinsam zu schauen, was wir erreichen und wie wir mehr Tempo aufnehmen können.

Wo könnte Wasserstoff effizient zum Einsatz kommen?

Schniering: Da, wo er alternativlos ist. In der Düngemittelindustrie oder in der Stahlindustrie zum Beispiel.

Woran arbeiten Sie gerade?

Schniering: Ganz konkret arbeiten wir gerade mit Thyssen Krupp und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt an einem Verfahren, um Zement emissionsfrei zu produzieren. Wir arbeiten mit dem Wuppertalinstitut aber auch mit einer Reihe Unternehmen aus dem Bergischen zusammen. Hier geht es insbesondere um die Werkzeugindustrie.

Gibt es etwas, das Ihnen mit Blick auf die Klimaentwicklung Mut macht?

Schniering: Mut ist vielleicht das falsche Wort. Aber es gibt in vielen Teilen der Welt heute eine neue pragmatische Politikergeneration, die eine neue Offenheit gegenüber technischen Lösungen in der Klimakrise zeigt. Darüber bin ich sehr froh.

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