3-D-Druck

So entsteht das Corona-Modell des Röntgen-Museums

Schicht um Schicht druckt der Drucker mit dem Polylactid-Kunststoff PLA, bis das „Virus“ einen Durchmesser von 17 Zentimetern erreicht hat. Erst wird eine Hälfte gedruckt, dann die andere.
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Schicht um Schicht druckt der Drucker mit dem Polylactid-Kunststoff PLA, bis das „Virus“ einen Durchmesser von 17 Zentimetern erreicht hat. Erst wird eine Hälfte gedruckt, dann die andere.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
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Solinger Firma Excit3d druckte 3-D-Virus – Es ist in einer Ausstellung in Lennep zu sehen – Remscheider Firma Klostermann unterstützte.

Remscheid. In einem Keller einer Ohligser Gewerbeimmobilie nimmt der Kampf gegen wilde Corona-Verschwörungstheorien Formen an. Denn hier, beim 3-D-Druck-Spezialisten Excit3d, ist das Sars-CoV-2-Modell im Maßstab 1: 1 Million entstanden, das in der aktuellen Sonderausstellung des Deutschen Röntgen-Museums in Lennep zu sehen ist. „Es zeigt die wissenschaftlich-biologisch korrekte Darstellung des Virus“, sagt Geschäftsführer Werner Koch. Und damit: Sars-CoV-2 gibt es tatsächlich, und so sieht es aus. „Wir machen das Unsichtbare sichtbar.“

Die Daten für das Corona-Modell lieferte die Corona Structural Task Force, eine Forschergruppe der Universität Hamburg, die vom Bundesministerium für Forschung und Wissenschaft gefördert wird. Diese hat ihre Daten wiederum aus dem Elektronenmikroskop. Zur Erklärung: Das Coronavirus besteht aus Molekülen. Sie bilden die Virushülle, die hervorstehenden „Stacheln“, die es dem Virus erlauben, menschliche Zellen zu befallen. Das krönchenartig vorstehende Spike-Protein ist dabei der wichtigste Türöffner für das Virus. Denn mit dem knubbeligen Kopfteil des Proteins bindet der Erreger an den ACE2-Rezeptor der Zellen – das Virus gelangt in die Zellen und vermehrt sich. Werner Koch arbeitete sich tief in diese Thematik ein. „Es war extrem interessant“, sagt der Firmenchef.

Einen Tag hat der Ultimaker-3-D-Drucker gebraucht, bis das Corona-Modell fertig war. Excit3d-Geschäftsführer Werner Koch hat hier gerade die grünen Spike-Proteine drangesteckt. Auch Antikörper wurden gedruckt (gelb).

Einen Tag lang hat der Ultimaker-3-D-Drucker gebraucht, um das Modell anzufertigen. Dabei wurde der umweltfreundliche Polylactid-Kunststoff PLA eingesetzt: Durch Wärmezufuhr wird er formbar. Schicht um Schicht druckte der 3-D-Drucker, bis das „Virus“ schließlich 17 Zentimeter im Durchmesser groß war. Erst wurde die eine Hälfte gedruckt, dann die zweite. Die Oberfläche ist übrigens nicht homogen, sondern uneben und unförmig.

Gedruckt wurden zudem 100 grüne Spike-Proteine, die magnetisch sind. Sie können einfach auf das Modell gesteckt werden. Auch rund 30 gelbe Antikörper entstanden auf diese Weise im Druck-Keller der Firma Excit3d. „Die Spikes zu drucken, war gar nicht so einfach“, sagt Werner Koch. „Der Drucker hatte dabei ordentlich zu tun.“ Vor allem für Schulen sei diese Visualisierung des Virus interessant, sagt Koch. Schulen können beim Röntgen-Museum ein Laptop mit der Software der Corona-Ausstellung ausleihen.

Das kleine Bild zeigt das eingefärbte Modell, wie es im Röntgen-Museum zu sehen ist.

Die Finanzierung des Projektes teilte sich das Unternehmen Excit3d mit der Firma Klostermann Messtechnik aus Remscheid. Für den Direktor des Deutschen Röntgen-Museums, Dr. Uwe Busch, waren die beiden Firmen die erste Adresse für das Corona-Modell. Schließlich hatte man in der Vergangenheit bereits erfolgreich zusammengearbeitet. So ließen die Beteiligten Wilhelm Conrad Röntgen per Augmented Reality zum Leben erwachen. Oder Graf Engelbert auf Schloss Burg. Das Corona-Modell kann übrigens genauso im Raum lebendig werden – aber keine Sorge, es ist risikoarm, da digital. In der Ausstellung gibt es einen QR-Code, den der Besucher mittels seines Smartphones scannen kann. Das Virus wird dann im Display lebendig.

Am Morgen des Redaktionsbesuchs kam Werner Koch eine spontane Idee: Wie wäre es, das Virus einmal von innen zu zeigen? Gesagt, getan: Ein weiterer Drucker druckt nun einen Querschnitt von Sars-CoV-2. Es sieht aus wie eine kleine Raupe. Und macht damit noch einmal deutlich: Der unsichtbare Feind kann doch sichtbar gemacht werden.

Ausstellung

Aktuell darf das Deutsche Röntgen-Museum in Lennep wegen der hohen Inzidenz nicht öffnen. Aber sobald die Türen wieder geöffnet sind, können Besucher in der Black Box am Eingang die Corona-Ausstellung sehen. Sie soll bis Ende 2021 bleiben. Der Eintritt dazu ist frei. Die Bundesregierung unterstützt die wissenschaftliche Schau.

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