Bürgerpreis

Er sitzt am Steuer – bei der Tafel und im Bus

Er fährt den Bürgerbus und hilft bei der Tafel: Ulrich Dettmar.
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Er fährt den Bürgerbus und hilft bei der Tafel: Ulrich Dettmar.
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Ulrich Dettmar ist ein Kandidat für den Bürgerpreis 2020 – wer will, kann jetzt abstimmen

Von Frank Michalczak

Remscheid. Ulrich Dettmar hat in seinem Leben viel Glück gehabt, blickt er zurück. „Ich habe eine liebe Frau und zwei supernette Kinder“, erklärt der 63-Jährige, der seinem Schicksal dankbar ist. Durch seine ehrenamtlichen Tätigkeiten will er etwas davon seinen Mitmenschen zurückgeben. Ulrich Dettmar ist sowohl im Bürgerbusverein als auch bei der Tafel im Einsatz. Er zählt damit zu jenen fünf Alltagshelden, die für den Ehrenamtspreis nominiert wurden.

Zum sechsten Mal verleihen die Stadtsparkasse, der Remscheider General-Anzeiger und Radio RSG die Auszeichnung, mit der sie ehrenamtliches Engagement würdigen. Sieger sind bereits alle fünf Kandidaten, die von einer Jury aus zahlreichen Vorschlägen ausgewählt wurden: Sie erhalten 500 Euro für ihre Initiative. Wer bei der Wahl die meisten Stimmen erzielt, gewinnt den Hauptpreis – und 1000 Euro.

Ulrich Dettmar würde ihn stellvertretend für seine Mitstreiter in den beiden Initiativen entgegennehmen. „Ich bin ja nur ein kleines Rad in einem Großen und Ganzen“, sagt er. „Und ich möchte Mut machen, eine ehrenamtliche Aufgabe zu übernehmen.“

Vorausgegangen war eine schwere Krebserkrankung, die der pensionierte Arbeitsvermittler dank Chemotherapien überstanden hatte. Ulrich Dettmar bezeichnet dies als Wendepunkt. Er entschloss sich, für das Gemeinwohl aktiv zu werden – und stieß zunächst auf den Bürgerbusverein.

Eineinhalb Jahre ist dies nun her. Seither steuert er mit dem Acht-Personen-Fahrzeug entlegene Remscheider Ortsteile an, um insbesondere ältere Menschen zu transportieren. „Mir gefiel von Anfang an der Teamgeist bei den Fahrern. Wir treffen uns regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und zur Dienstplan-Besprechung, bei der die Einsatzzeiten festgelegt werden“, berichtet der gebürtige Wuppertaler, der seit 25 Jahren in Lennep lebt.

Mit zahlreichen Passagieren hat er längst Bekanntschaft geschlossen – man kennt sich mit Namen und plaudert auf dem Weg zwischen den Haltepunkten. Es geht nach Herbringhausen, Lüttringhausen, Hasten, ins Zentrum. Momentan pausiert der Betrieb, wegen Corona. „Wir haben nicht genug Platz im Bus, um die Abstandsregeln einhalten zu können“, erklärt Dettmar.

„So eine Bananenkiste wiegt schon mal 20 Kilo.“
Ulrich Dettmar

Weiterhin schwer aktiv ist er bei der Tafel, die bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt. „Ich hatte ja noch Kapazitäten frei“, erklärt er mit Blick auf sein Ehrenamt beim Bürgerbus, in dem er ein- bis zweimal in der Woche hinter dem Steuer sitzt. Für die Tafel ist er montags, mittwochs und donnerstags ab 7 Uhr unterwegs. Dazu steuert er zunächst jene Supermärkte an, die Waren zur Verfügung stellen – von Obst, Gemüse, Konserven bis zu Backwaren.

Los geht‘s mit dem Transporter ab der Tafel-Zentrale an der Wülfingstraße in Lennep. Ziele sind Geschäfte in ganz Remscheid und auch der Nachbarstadt Rade. Da heißt es, Pakete zu schleppen. „So eine Bananenkiste wiegt schon mal 20 Kilo“, erklärt Dettmar, der sich mit seiner Frau Carmen mit Radfahren, Wandern und Nordic Walken fit hält.

Nach dem Transport der Lebensmittel ist für ihn aber längst noch nicht Feierabend. Es folgt die Warenausgabe an der Wülfingstraße, wobei die Lebensmittel in Sortimenten sortiert auf die Kunden warten. Ulrich Dettmar steht zumeist in der Backwaren-Abteilung, wo er Brötchen, Brot und Teilchen anbietet. „Ich hatte mir vorher nicht vorgestellt, wie gut die Waren sind. Sie stammen zumeist vom Vortag. Die Menschen sind dankbar.“ In den letzten Wochen, so seine Beobachtung, sei der Bedarf um 20 bis 30 Prozent gestiegen – möglicherweise ebenfalls eine Folge der Pandemie. Für ihn macht der Einsatz bei der Tafel aber nicht nur vor diesem Hintergrund Sinn. „Wir retten Lebensmittel, die ansonsten entsorgt würden.“ Aber auch hierbei liegt ihm eines ganz besonders am Herzen – der Kontakt zu den Kunden und zu dem Team, in dem der Einzelne einen Super-Job leiste.

Das gilt ganz sicher auch für Ulrich Dettmar, der von seiner Tochter Jasmina für den Preis vorgeschlagen wurde. „Ich würde meinem Vater diesen Preis sehr gönnen, da er ein wirklich guter Mensch ist, der immer sehr hilfsbereit war und selbstlos handelt“, schreibt sie in ihrer Begründung.

Abstimmung

Wer mitmachen und einen Kandidaten wählen möchte, kann den Kupon (rechts) ausfüllen und in einer Niederlassung der Stadtsparkasse abgeben. Sie hat zudem eine Abstimmungsmöglichkeit auf ihrer Homepage eingerichtet. Dazu einfach stadtsparkasse-remscheid.de anklicken und ein paar Momente warten, bis auf dem Bildschirm Remscheider Bürgerpreis „Wir suchen Remscheids Alltagshelden 2020“ erscheint. Einsendeschluss ist der 19. Juni. Der Sieger wird im Anschluss bei einer kleinen Feierstunde geehrt.

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