Kommunalwahl 2020

Reaktionen: Die CDU sieht die „Strahlkraft von Mast-Weisz“

Zwei der drei FDP-Mitglieder im neuen Stadtrat: Sven Chudzinski (l.) und Torben Clever würden gerne weiter in der Ampel zusammen mit SPD und Grünen arbeiten.
+
Zwei der drei FDP-Mitglieder im neuen Stadtrat: Sven Chudzinski (l.) und Torben Clever würden gerne weiter in der Ampel zusammen mit SPD und Grünen arbeiten.

Reaktionen auf das Wahlergebnis: SPD und Grüne zufrieden, Christdemokraten eher ratlos.

Von Andreas Weber und Manuel Böhnke

„Nach 1994 werden wir endlich wieder die stärkste Kraft in Remscheid sein.“ Als Antonio Scarpino um 20.48 Uhr die Nachricht hinter der Gaststätte Miro von den Treppenstufen mit ausgebreiteten Armen runter in den vollbesetzten Biergarten rief, brandete unter den Genossen Jubel auf.

Ausgelassene Stimmung bei der SPD-Wahlparty im Miro: Geschäftsführer Antonio Scarpino hat Daniel Pilz, der es nicht in den Rat schaffte, im Visier.

Erstmals seit 26 Jahren zieht die SPD an der CDU vorbei. Zehn Minuten später legte der SPD-Geschäftsführer mit den neuesten Erkenntnissen vom Bildschirm nach: „Mit 20 Direktmandaten und der OB-Stimme können wir mit den neun Grünen im Rat die absolute Mehrheit stellen.“

Die Wahlparty der Sozialdemokraten verdiente sich auch ohne hohen Lautstärkepegel ihren Namen. Immer wieder machte ein Wort die Runde: „überwältigend“. Auch Alt-Sozialdemokrat Hans-Peter Meinecke, der sich 2014 aus der Politik zurückgezogen hatte, zollte mit diesem Begriff der Gewinnerrunde seinen Respekt, bevor er privat mit seiner Frau auf den Erfolg anstieß.

Für Stefanie Bluth, die bei der Aufstellungskonferenz der SPD Ende Juni eine schwere Schlappe bei der Zurückstufung ihres Listenplatzes erfahren hatte, konnte sich dreifach freuen: Der OB obenauf, ihre Partei ebenso und sie mit 40,68 Prozent strahlende Siegerin am Hohenhagen.

Neue Kraft im Rat: Bettina Stamm, OB- und Spitzenkandidatin von Echt Remscheid, möchte sich keinem Bündnis im Stadtrat anschließen.

Für die evangelische Theologin hatte das einen Grund: harte Arbeit. „Wir haben in der Partei sechs Jahre geackert und geackert. Wir waren immer da präsent, wo man präsent sein muss: an der Basis.“ Dass es Burkhard Mast-Weisz wieder schaffen würde, war auch für sie keine Frage gewesen.

Ein Durchstarter ist Christian Günther. Der Lehrer distanzierte am Kremenholl OB-Herausforderin Alexa Bell mit 40 zu 27 Prozent der Stimmen klar und zieht erstmals für die SPD in den Rat ein. Günther dankte zwei Urgesteinen in seiner Partei: „Ohne die langjährige Vorarbeit von Gabi und Volker Leitzbach wäre mein Ergebnis in Kremenholl nicht so ausgefallen. Was sie hier von null aufgebaut haben, ist sozialdemokratische Basisarbeit par execellence“, lobte der 33-Jährige. Er sei sich bewusst, dass er in „große Fußstapfen“ trete, wolle die Herausforderung aber annehmen, meinte er voller Tatendrang.

„Mast-Weisz war das Zugpferd.“ 

Ralf Wieber (CDU) über den Anteil des OBs am SPD-Wahlerfolg

Zwei Kilometer Luftlinie entfernt überwogen im Saal des Schützenhauses die ratlosen Gesichter. Mathias Heidtmann, designierter neuer Vorsitzender der hiesigen Christdemokraten, räumte ein, dass „die Strahlkraft von Burkhard Mast-Weisz“ sowohl bei der OB-Wahl wie bei der Ratswahl seiner Partei viele Prozente gekostet habe.

Ein Foto von der (heimlichen) Wahlgewinnerin: Ilka Brehmer wird von ihrem Sohn abgelichtet. Im neuen Rat wird sie ein gewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Fotos: Roland Keusch

Dass die Grünen, wie es der landesweite Trend belegt, gerade bei den 16- bis 24-Jährigen ungeheuer populär ist, werde wohl schon heute Abend bei der ersten Analyse der herben Wahlschlappe seiner Partei Thema sein. „Wie wir gerade junge Wähler erreichen, darum müssen wir uns intensiv kümmern. Es könnte eines meiner Steckenpferde werden“, überlegte der 31-Jährige, selbst noch JU-Mitglied.

Heidtmann verlor seinen Wahlkreis in Ehringhausen an Ilona Kunze-Sill wie Ralf Wieber in der Innenstadt seinen an York Edelhoff. Und er reihte sich damit ein in nicht geglaubte Niederlagen von Bernd Quinting oder Susanne Pütz. Nur sechs Direktmandate holte die CDU. Ralf Wieber sprach – wie so viele – in einem ersten Erklärungsansatz vom „BMW-Effekt“: „Mast-Weisz war das Zugpferd. Man muss zugestehen, dass er sehr beliebt und bodenständig ist.“ Zu Alexa Bell stellte er fest: „Ich glaube nicht, dass sie die falsche Kandidatin war. Sie hatte einfach zu wenig Zeit in der Vorbereitung, um den Vorsprung aufzuholen, den Mast-Weisz als Amtsinhaber mitbrachte.“

Den wohl abgelegensten Ort hatten sich die Grünen für ihre Wahlparty ausgesucht: Sie feierten mit knapp 30 Personen in der Natur-Schule Grund. Dort herrschte laut Kreisverbandssprecherin Ilka Brehmer gute Stimmung. Kein Wunder: Die Partei stellt im kommenden Stadtrat mit dem 23-jährigen Vincent Amtmann das jüngste Mitglied. Vor allem konnten die Grünen aber ihre Ratsmandate von vier auf neun mehr als verdoppeln. Damit gehören sie zu den großen Gewinnern. Freilich habe man Rückenwind von der „Fridays-for-Future“-Bewegung bekommen. Andererseits habe sich die Partei in Remscheid thematisch breiter aufgestellt: Stadtentwicklung, Mobilität, soziale Fragen. Ihre verstärkte Präsenz im Rat wollen sie nutzen: „Wir möchten deutlich mehr grüne Themen durchsetzen.“

Dabei setzen sie weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen und alten OB Mast-Weisz. An dessen Wiederwahl haben die Grünen „sicherlich einen großen Anteil“, ist Brehmer überzeugt: „Hätten wir einen eigenen Kandidaten aufgestellt, wäre es zu einer Stichwahl gekommen.“

Weiter mit Mast-Weisz sowie Grünen und SPD zu kooperieren, das könnte sich auch die FDP vorstellen. Entschieden sei noch nichts, sagt Parteivorsitzender Torben Clever, aber: „Wir haben den OB ja nicht unterstützt, um jetzt nicht weiter mit ihm zusammen zu arbeiten.“

Echt Remscheid hält sich Optionen offen

Bettina Stamm ist im kommenden Stadtrat die einzige Vertreterin der Wählergruppe Echt.Remscheid. „Angesichts der Tatsache, dass wir erst seit knapp sechs Wochen in der Öffentlichkeit sind, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte die OB-Kandidatin. Sie möchte im neuen Stadtrat ihre Ideen einbringen und Kritik üben, wo sie es für nötig hält. Geschehen soll das ohne die Beteiligung an möglichen Bündnissen. „Gute Ideen unterstützen wir – egal, von welcher Partei sie kommen“, kündigt Bettina Stamm an.

Der Amtsinhaber holt mit 60,61 Prozent die absolute Mehrheit und liegt mit 12.721 Stimmen vor CDU-Kandidatin Alexa Bell.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Abiturienten sammeln 4000 Euro Spenden
Abiturienten sammeln 4000 Euro Spenden
Abiturienten sammeln 4000 Euro Spenden

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare