Ministerium fördert

Sexualisierte Gewalt: Mehr Hilfe für die Opfer

Psychologin Nadine Herrmann verstärkt die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land seit September. Foto: Roland Keusch
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Psychologin Nadine Herrmann verstärkt die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land seit September.

Fünf Fachstellen aus Remscheid und Wuppertal bündeln ihre Kompetenzen.

Von Melissa Wienzek

Momentan ist es wieder schlimm, sagt die Leiterin der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land, Birgit Köppe-Gaisendrees. Fünf Notfälle am Tag zusätzlich zu allen anderen missbrauchten, misshandelten und vernachlässigten Kindern ist keine Seltenheit, sondern trauriges Tagesgeschäft. Gerade erst kam eine Anfrage für ein fünf Wochen altes Baby mit Schütteltrauma rein. Vor allem Kinderpornografie ist derzeit ein ganz großes Thema, das an der Burger Straße aufgearbeitet wird. „Väter, die sich mit Kindern zum Sex verabreden, Hausdurchsuchungen, bei denen tonnenweise pornografisches Material gefunden wird“, skizziert Birgit Köppe-Gaisendrees. Die Therapeuten kommen kaum noch hinterher. „Aktuell hat jeder um die sechs Termine am Tag mit sechs unterschiedlichen Konstellationen.“

Und dabei hat die Ärztliche Kinderschutzambulanz nach Jan Hausmann im Frühjahr nun weitere Verstärkung erhalten: Psychologin Nadine Herrmann. Sie hat früher in der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Sana-Klinikum gearbeitet und kümmert sich nun ebenfalls um die Kinder aus ganz NRW, die Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung wurden.

Selbst die Personalaufstockung, für die auch die RGA-Leserinnen und -Leser im Rahmen unserer Hilfsaktion „Helft uns helfen“ gespendet haben, reicht noch nicht aus, um all die Kinder zu betreuen, die es nötig hätten. „Eigentlich müssten wir noch mehr Personal einstellen, aber alle Räume sind schon belegt. Es sind ja alle schon in den Büros zusammengerückt“, erklärt die Leiterin. Die Fachstelle kommt an ihre Grenzen. Und dennoch stellt sie ihre Expertise und ihr Angebot bei Fragen des sexuellen Missbrauchs bei einer neuen Kooperation im Bergischen zur Verfügung – erhält dafür aber selbst kein Geld.

Die Kooperation: Um Opfern von sexualisierter Gewalt besser helfen zu können und die Präventionsarbeit in dem Bereich auszubauen, bündeln die Städte Remscheid und Wuppertal ihre Kompetenzen. Die Kooperation wird vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert, das die Fachstellen in dem Bereich landesweit ausbauen will. Fördergeld gibt es für bereits geförderte Erziehungs- und Familienberatungsstellen. So auch für die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid. Hier wird eine halbe Stelle gefördert ab dem 1. November. Nicht so die Kinderschutzambulanz. „Sie hat jedoch mit uns das Konzept entwickelt und leistet einen wichtigen Beitrag“, erklärt Dr. Jana Schrage, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid. Denn nur die Ärztliche Kinderschutzambulanz führt eine spezifische Psychodiagnostik und eine gerichtsrelevante Beweissicherung durch.

Die Partner: Neben der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid sind die Stadt Wuppertal, der Caritasverband und die Diakonie der Nachbarstadt mit im Boot. „Egal, an wen sich die Menschen wenden, ihnen wird geholfen“, sagt Schrage. Die Fachstellen können sich dann untereinander abstimmen und die Betroffenen weiterverweisen. Denn jede Stelle hat eine Fachkraft für einen bestimmten Bereich: Während die Stadt Wuppertal für die anonyme Spurensicherung zuständig ist, hat sich die Diakonie auf Jungenarbeit spezialisiert. Die Caritas bietet Online-Beratung an. Caritas, Diakonie und Stadt Wuppertal erhalten jeder eine Stelle mehr, so dass für das Verbundprojekt insgesamt 3,5 Stellen mehr entstehen.

Der Nutzen: Wofür nutzt die Psychologische Beratungsstelle die halbe Stelle? „Der Bedarf im Präventionsbereich ist ganz klar gestiegen“, sagt Dr. Jana Schrage. „Wir sind gerade sehr oft in Kitas unterwegs und unterstützen die Teams dabei, Kinderschutzkonzepte zu erstellen und Schulungen im Bereich der frühkindlichen Sexualpädagogik durchzuführen.“ Diese Arbeit sei bisher noch nebenher gelaufen, nun werde genau dieser Bereich gestärkt.

Verbundprojekt

Was alle fünf Partner des Verbundprojekts Remscheid & Wuppertal, Fachstelle sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, eint, sind gemeinsame Teamsitzungen, Supervision, fachliche Weiterentwicklung und Netzwerkarbeit.

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