Schlecht erreichbar

Seit vier Wochen ohne Festnetz: Firma im Clinch mit der Deutschen Telekom

Zum Telefonieren bleibt Michael Weiden derzeit nur sein Mobiltelefon. Der Festnetzanschluss seiner Firma funktioniert seit Mitte Mai nicht mehr.
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Zum Telefonieren bleibt Michael Weiden derzeit nur sein Mobiltelefon. Der Festnetzanschluss seiner Firma funktioniert seit Mitte Mai nicht mehr.

Torbau Oesterheld fühlt sich von der Telekom hingehalten. Die Umleitung auf das Handy ist kein ausreichender Ersatz für die Telefonanlage.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Michael Weiden ans Telefon zu bekommen, ist derzeit gar nicht so einfach. Eigentlich verfügt seine Firma Torbau Oesterheld über drei Leitungen und eine moderne Telefonanlage. Doch aktuell landen alle Anrufe auf einem einzigen Mobiltelefon. Ist das besetzt, kommt keiner mehr durch. Und Anrufer intern verbinden, geht auch nicht. Ein Zustand, der inzwischen seit vier Wochen anhält. So lange ist die Festnetzleitung des Unternehmens schon tot.

Am 20. Mai sei die Leitung quasi vor seiner Haustür gekappt worden, berichtet Weiden. Ursache waren wohl Tiefbauarbeiten, bei denen ein Bagger das Kabel erwischte. Seither liegt Michael Weiden mit der Deutschen Telekom im Clinch. Die hat die Festnetznummer zwar inzwischen aufs Handy umgeleitet, ein wirklicher Ersatz sei das allerdings nicht, sagt Weiden.

Nicht nur, dass bei einer Telefonleitung immer zwei der drei Innendienstkräfte quasi zur Untätigkeit verdammt seien, am meisten Sorge bereite ihm, dass die Firma so schwer erreichbar sein, sagt Michael Weiden. „Wie viele Kunden ich in den vergangenen Wochen verloren habe, kann ich gar nicht sagen“, berichtet er. „Wir haben Stammkunden, die versuchen es auch drei-, oder viermal - und fragen dann, ob wir es nicht mehr nötig haben.“ Potenzielle Neukunden würden wohl schneller aufgeben.

Dass so ein Schaden grundsätzlich auftreten kann, sei verständlich, findet Weiden. „Ich bin selber Handwerker, ich weiß, dass so etwas passieren kann.“ Die Frage sei allerdings, wie man damit umgehe. „Die Telekom versucht, uns die ganze Zeit hinzuhalten, immer wieder heißt es, dass es bald wieder gehen soll.“

So erklärt die Deutsche Telekom die wochenlange Störung

Schäden an Telefonleitungen seien leider keine Seltenheit, berichtet Frank Domagala, Pressesprecher der Deutschen Telekom: „So ein Kabel ist am Ende nur ein Verschleißteil.“ Zu den häufigsten Gründen gehörten neben Tiefbauarbeiten eindringendes Wasser und Schäden, weil das Kabel über die Jahre in der Erde „wandere“.

Wichtig sei, jede Störung der Telekom zu melden, mahnt Domagala: „Wenn wir von einer Störung nichts wissen, können wir auch nichts gegen sie unternehmen.“ Liege es an der Leitung, gebe es „zahlreiche Hilfsmöglichkeiten“, sagt der Pressesprecher: „Das ist ja nicht mehr so wie früher, dass man einfach Pech hatte, wenn die Leitung tot ist.“ So könne die Telekom zum Beispiel Mobilfunkrouter zur Verfügung stellen. Oder auch aufs Handy umleiten.

Seien Tiefbauarbeiten notwendige, könne das derzeit etwas länger dauern, räumt Domagala ein. „Diese Aufträge vergeben wir ja an externe Firmen.“ Und in einigen Regionen seien die Unternehmen so gut ausgelastet, dass sie nicht immer sofort starten würden. „Das ist derzeit einfach so.“

Michael Weiden tröstet all das kaum. „Mir ist nur wichtig, dass ich mein Geschäft vernünftig betreiben kann“, sagt er. Deswegen habe er inzwischen auch einen Anwalt eingeschaltet. Und sich direkt an den Vorstand der Deutschen Telekom gewandt. Damit sei Bewegung in die Sache gekommen, berichtet er. Inzwischen habe er einen festen Ansprechpartner, der sich um den Vorgang kümmere. Und der habe ihm eine Reparatur des Kabels für die kommende Woche zugesagt.

Hintergrund

Fällt die Leitung aus, kann das Schadensersatzanspruch gegenüber dem Anbieter auslösen, hat das Amtsgericht Düsseldorf entschieden (Aktenzeichen 20 C 8948/13), Schäden, die über die Anschlusskosten hinausgehen, müssen aber nachgewiesen werden.

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