Interview der Woche

Sein Rat: Lennep soll nach vorne gucken

David R. Froessler kümmert sich im Auftrag der Stadt um Lennep.
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David R. Froessler kümmert sich im Auftrag der Stadt um Lennep.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Gespräch mit Zukunftsmanager David R. Froessler über die Suche nach neuen Perspektiven für Lennep.

Herr Froessler, der Begriff Zukunftsmanager weckt große Erwartungen. Was wollen Sie denn bis Ende 2023 konkret bewirken? Dann endet ja schon Ihr Auftrag, Lennep und die Alleestraße zu beleben?

David R. Froessler: Es geht um Erfolge auf zwei Ebenen. Übergeordnet ist es mir wichtig, Zukunftschancen aufzuzeigen – etwa bei der Stärkung des Tagestourismus. Dazu zählt ein innovatives Marketingkonzept, das aktuelle Trends berücksichtigen muss. Themen sind da unter anderem Fahrradverkehr und der Urlaub im Wohnmobil. Auf der zweiten Ebene ist es meine Aufgabe, dem Ladenleerstand entgegenzuwirken. Das bedeutet auch, dass wir es nicht zu weiteren Leerständen kommen lassen dürfen – und bereits Nachnutzungen finden, bevor es zu weiteren Geschäftsaufgaben kommt. Insgesamt ist die Ausgangslage in Lennep und der Remscheider Innenstadt sehr unterschiedlich: An der Alleestraße ist der Begriff Revitalisierung nicht mehr passend. Wiederherstellen, was wir einmal hatten, funktioniert dort nicht mehr. Die Alleestraße muss sich neu erfinden. In Lennep geht es vor allem darum, Frequenzbringer zu finden. Das muss nicht der klassische Einzelhandel, das kann auch ein Logopäde sein, der eine Praxis eröffnen möchte. Das ist nur ein Beispiel für Dienstleister, die infrage kommen, um leerstehende Geschäfte zu nutzen, und damit für Belebung sorgen.

Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgaben denn mit?

Froessler: Ich habe unter anderem 15 Jahre lang eine Innovationsagentur beim Land Nordrhein-Westfalen geleitet und dabei den Erfahrungsaustausch zwischen den Städten organisiert und vielfältige Modellprojekte begleitet. Ganz zentral ist dabei der Begriff Strategisches Leerstandsmanagement, den ich entwickelt habe. Es gilt, für verwaiste Geschäfte eine Nutzung mit langem Atem zu finden. In ihnen dürfen keine Ramschläden entstehen. Und: Leere Schaufenster mit Kunstausstellungen zu versehen oder sie bunt und lebendig zu bekleben – das ist wenig zielführend. Wenn die Arbeit eines Citymanagers beendet ist, kracht dann oftmals alles in sich zusammen. Und genau das will ich nicht. Ich möchte dazu beitragen, dem Ort eine Zukunft zu geben.

Sie sind nun seit gut einem Monat im Einsatz und haben sicher so manches Gespräch geführt. Wie würden Sie denn die Stimmung in Lennep beschreiben?

Froessler: Was mich freut, ist der große Lokalpatriotismus. Es gibt viele Persönlichkeiten, die für Lennep brennen und bereit sind, etwas für den Ort zu tun. Das ist ein riesiger Schatz – und alles andere als selbstverständlich. Ich habe aber auch zuweilen Frustration festgestellt und eine große Bereitschaft, über die Vergangenheit zu klagen. Ich empfehle, das zu überwinden und nach vorne zu gucken.

Auf Lennep sollen Sie bei Ihrer Arbeit den Schwerpunkt legen. Bleibt Ihnen denn überhaupt die Zeit dafür, auch an der Alleestraße Akzente zu setzen?

Froessler: Ja, natürlich. An der Alleestraße läuft ja bereits der Veränderungsprozess – mit den Kollegen des Büros Stadt und Handel, die dort als Innenstadt-Manager arbeiten. Ich bin für Interessierte zuständig, die sich an der Alleestraße ansiedeln wollen und berate sie und auch die Hausbesitzer über öffentliche Förderprogramme. Dazu werde ich einmal in der Woche in dem neuen Büro der Innenstadt-Manager an der Allee ansprechbar sein. In Lennep muss der gesamte Prozess in Gang kommen. Und ich hoffe, möglichst bald hier mein Büro einrichten zu können.

Lenneps Bezirksbürgermeister Martin Kötter zeigt sich unzufrieden mit dem Stadtmarketing. Welche Impulse können Sie denn bei dieser Aufgabe setzen?

Froessler: Um das Marketing in Lennep kümmern sich in erster Linie die Vereine – mit all ihren vielfältigen Veranstaltungen. Wenn es einmal mit der Verwaltung hakt, helfe ich gerne weiter. Ich kann zwar nicht jedes Problem lösen, ich kann aber helfen, Leute zu finden, die eine Lösung haben. Außerdem gibt es einen regelmäßigen Gesprächstermin mit Vertretern der Stadtverwaltung, bei dem ich Themen besprechen kann. Grundsätzlich gilt für das Marketing: Lennep hat mit seiner Altstadt eine tolle Qualität. Aber viele wissen das gar nicht. Ich werde meine Erfahrung und meine Arbeitszeit einbringen, das zu verbessern.

Lennep ist nach dem Aus für das Outlet Center auf der Suche nach neuen Perspektiven. Was sollte denn aus Ihrer Sicht auf den Flächen entstehen, also auf dem Jahn- und Kirmesplatz sowie im Röntgen-Stadion?

Froessler: Aus meiner Sicht sollte hier etwas entstehen, das keine Konkurrenz zu den Angeboten der Altstadt darstellt, also kein Handel oder Gastronomie. In Frage kommen für mich Wohnungsbau in unterschiedlichen Segmenten, aber auch attraktive Freizeitmöglichkeiten. Neue Wohngebiete hätten außerdem den Vorteil, dass die Kaufkraft in der Altstadt durch zusätzliche Kunden gestärkt würde.

Lennep-Konferenz: Röntgen-Stadion löst Kontroverse aus

Sie sind Raumplaner. Macht es denn aus fachlicher Sicht Sinn, den Straßenverkehr aus der Lenneper Altstadt zu verbannen?

Froessler: Ich rate von dieser Komplettlösung ab. Die vorhandenen Geschäfte kämen in eine große Gefahr, die ich nicht verantworten wollte. Gerne würde ich jedoch darüber diskutieren, ob der Alte Markt an den Wochenenden verkehrsfrei werden sollte. Dies würde die Außengastronomie stärken. Klar ist aber auch, dass die Anwohner jederzeit zu ihren Häusern gelangen müssen. Losgelöst davon macht ein gutes Parkleitsystem Sinn. Gerade auswärtige Besucher erkennen nicht, welche guten Parkmöglichkeiten am Rande der Altstadt vorhanden sind.

Beim Treffen vom Verein Lennep Offensiv sprachen Sie zuletzt davon, dass Sie dem Ort etwas Bleibendes hinterlassen wollen, wenn Ihre Arbeit beendet ist. Was schwebt Ihnen denn dabei vor?

Froessler: Ich hoffe, dazu beitragen zu können, dass sich in der Altstadt und an der Kölner Straße Frequenzbringer ansiedeln. Zudem gilt es, ein guten Marketingkonzept zu entwickeln, wobei ich mich freuen würde, wenn mir die Vereine und sonstigen Akteure Ideen und Anregungen geben. Und gerne ziehe ich mit ihnen im April eine Zwischenbilanz, was ich bis dahin erreicht habe. Dann gibt es auch die Gelegenheit zu schimpfen – bevor es zu spät ist.

Zur Person

David R. Froessler (64) hat bereits vor einigen Jahren den Stadtumbau West in Honsberg und Stachelhausen im Auftrag der Remscheider Verwaltung begleitet. Nun ist sein Betätigungsfeld Lennep. Der Zukunftsmanager ist Inhaber des Düsseldorfer Planungsbüros urbano.

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