Weihnachtszeit

Trotz Sehbehinderung gehören Schwibbogen und Kerzen zum Advent dazu

Christa und Uli Kottsieper haben ihre Wohnung weihnachtlich dekoriert. Foto: Roland Keusch
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Christa und Uli Kottsieper haben ihre Wohnung weihnachtlich dekoriert.

Christa und Uli Kottsieper sind sehbehindert. In der Adventszeit genießen sie Spekulatius und Weihnachtsmärkte.

Von Sabine Naber

Remscheid. Gemütlich ist es, wenn man in der Adventszeit am Nachmittag bei Christa und Uli Kottsieper zu Gast ist. In der einsetzenden Dunkelheit schimmert Licht vom Balkon ins Wohnzimmer, denn das Geländer ist mit Tannengirlanden und leuchtenden LED-Birnchen umwickelt. Auf den Fensterbänken stehen zwei beleuchtete Schwibbogen, und auf dem Wohnzimmertisch flackert eine dicke, rote Kerze.

Für ihr jahrzehntelanges Engagement für den Remscheider Blinden- und Sehbehindertenverein hat das Ehepaar Kottsieper 2018 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

„Wir schmücken in dieser Zeit alles mit elektrischen Kerzen, die mit einem Timer ausgerüstet sind. Ganz automatisch gehen sie an und nach sechs Stunden wieder aus. Das ist ideal für uns“, erklärt Christa Kottsieper. Sie ist seit ihrer Kindheit sehbehindert, ihr Mann ist blind. „Aber ich bin erst mit etwa 20 Jahren erblindet, weiß also noch, wie es früher in der Weihnachtszeit bei uns zu Hause aussah“, erklärt Uli Kottsieper.

Das Weihnachtsoratorium darf nicht fehlen

Er ist mit fünf Geschwistern in Lüttringhausen aufgewachsen und kann sich besonders an ein Weihnachtsfest erinnern: „Da war meine Nichte erst ein Jahr alt. Ich sehe ihre strahlenden Kinderaugen noch vor mir, als sie so fröhlich ihre Paketchen auspackte und großen Spaß daran hatte, das Papier ganz klein zu reißen.“

Eine große Rolle spielt im Leben des Ehepaares die Musik. Davon zeugen CDs in der Musikecke. In der Adventszeit lieben sie natürlich besonders die Weihnachtslieder, gerne auch von Chören gesungen. Und das Weihnachtsoratorium dürfe auf keinen Fall fehlen. Aber auch auf allen Geburtstagen werde regelmäßig gesungen. „Es gibt bei uns so ein Familienlied, das schon bei meiner Großmutter gesungen wurde. Es heißt „Es tragen dich mächtige Flügel“, erklärt Uli Kottsieper und sagt gleich die erste Strophe auf. Inzwischen werde es auch von der Enkelgeneration gerne gesungen. „Es gehört bei uns einfach dazu. Wie beim Weihnachtsmann die rote Mütze“, betont Uli Kottsieper und lacht.

An der Adventszeit lieben sie besonders, dass es dann nach allerlei lecker riechenden Gewürzen duftet. „Zum Beispiel nach Nelken, Sternanis, Zimt und Vanille. Und nach Mandarinen, wenn man sie pellt. Und wir freuen uns auf die ersten Spekulatius und die Weihnachtsmärkte, wenn uns der Duft nach Glühwein entgegenschlägt. Das erste Glas Glühwein ist immer ein Genuss“, sind sie sich einig. Und an so manchen Ständen auf den Märkten kämen sie einfach nicht vorbei, ohne etwas Leckeres zu kaufen. Auch für exotisch anmutende Raumdüfte seien sie beide zu haben. „Ich bemerke bei meinem Mann, mehr und mehr, dass die anderen Sinne wie Riechen, Schmecken, Hören immer ausgeprägter werden“, macht Christa Kottsieper deutlich.

Aber die Adventszeit bedeute für sie beide auch Einkehr und der Gedanke an die Geburt Jesu. Tradition ist es, dass am Heiligen Abend der Gottesdienst besucht wird und anschließend Kartoffelsalat und Würstchen auf dem Abendbrottisch stehen. „Wir laden dazu auch unsere über 80-jährige Nachbarin ein, die sonst allein wäre, denn ihr Sohn lebt in Neuseeland. Und Fatima, unsere Hilfe im Haushalt, die erst vor kurzem ihren Ehemann verloren hat, darf auch gerne kommen, wenn sie nicht allein sein möchte“, zeigt sich das Ehepaar gastfreundlich.

Infokassetten für die Mitglieder des Remscheider Blinden- und Sehbehindertenvereins zu besprechen, das ist für Uli Kottsieper absolut kein Problem. „Auch der abwechslungsreiche Veranstaltungskalender für das kommende Jahr steht schon. Hoffentlich bekommen wir wieder die Chance, zu Tagesausflügen, Gesprächstreffs und zu unserem Stammtisch einladen zu dürfen“, hofft das Ehepaar.

Blindenverein

Nach dem plötzlichen Tod von Brigitte Sommer, die den Remscheider Blinden- und Sehbehindertenverein jahrzehntelang geleitet hatte, ist Ulrich Kottsieper kommissarischer Leiter geworden. Im kommenden Jahr stehen auf der Jahreshauptversammlung Neuwahlen an.

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