Lüttringhauser Gespräche

Schwerindustrie schreckte eher ab

Vortrag über jüdisches Leben im Bergischen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Am Dienstagabend fand im Saal des evangelischen Gemeindehauses am Ludwig-Steil-Platz das erste von drei geplanten Lüttringhauser Gesprächen statt. Es ist die 22. Ausgabe der beliebten Kulturreihe.

In diesem Jahr ist das 1700-jährige jüdische Leben in Deutschland das Thema. Vor 40 Interessierten gab Dr. Ulrike Schrader, Leiterin der Wuppertaler Begegnungsstätte Alte Synagoge Einblick in die jüdischen Gemeinden im Bergischen Städtedreieck. Bekannt sei, so Dr. Schrader, dass der erste jüdische Friedhof auf deutschem Boden im Jahre 1000 in Worms errichtet wurde. Im Bergischen ist der erste jüdische Friedhof 1810 in Wuppertal dokumentiert.

Überhaupt entwickelte sich das jüdische Leben im Bergischen eher zögerlich. „Das Bergische Land war für jüdische Familien unattraktiv“, berichtete Ulrike Schrader. „Zu viel Natur, zu viel Grün. Viele jüdische Familien sind hier nur kurz geblieben oder direkt durchgezogen.“ Auf der anderen Seite schreckte die Remscheider Schwerindustrie auch jüdische Familien ab, weshalb in der Röntgenstadt sehr wenige Juden gelebt haben.

Dr. Schrader ging ausführlich auf den kleinen Friedhof der Familie Löwenthal ein, der in Lüttringhausen an der Schmittenbuscher Straße zu finden ist und dessen Grabstein langsam verwittert. Die Namen der dort Bestatteten sind nur noch sehr schwer zu entziffern. Die Referentin legte Wert auf die Tatsache, dass das Leben zwischen Juden und Christen im Bergischen sehr lange Zeit von gegenseitiger Wertschätzung geprägt war, die erst von den Nazis im Jahr 1938 rüde beendet wurde. Ab diesem Zeitpunkt galten Juden in Deutschland als unerwünscht, ab 1941 wurden sie systematisch ermordet. „Zweidrittel der deutschen Juden sind ausgewandert“, erklärt Dr. Schrader. „Ein Drittel ist umgebracht worden.“

Im weiteren Verlauf des einstündigen Vortrages berichtete die Literaturwissenschaftlerin viel Wissenswertes über das jüdische Leben im Bergischen: Die jüdische Familie Löwenthal lebte in Ronsdorf und hat das dortige Schwimmbad finanziert. Samuel Stellberger, zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Velbert-Langenberg geboren, errichtete dort die erste Synagoge im Bergischen, damals noch ohne Rabbiner. Die Familie Tietz aus Birnbaum an der Warthe baute in Barmen einen riesigen Einkaufspalast und revolutionierte das Einkaufsverhalten der Menschen. Der aus dem Frankfurter Raum stammende Gustav Coppel wurde Ehrenbürger von Solingen.

Am kommenden Dienstag wird Peter Liebermann seine eigenen Erfahrungen zum Thema „Jüdisch sein in Deutschland“ schildern.

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