Pandemie

Schulunterricht zwischen Papier und Cloud

Seit fast zwei Wochen läuft der Distanzunterricht: Gelernt wird mit Laptop und Arbeitsblättern am Küchentisch.
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Seit fast zwei Wochen läuft der Distanzunterricht: Gelernt wird am Computer.
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Lernen auf Distanz läuft mal besser, mal holprig - Schulausschuss setzt sich für Microsoft Office 365 ein.

Von Andreas Weber

Remscheid. Seit fast zwei Wochen wird in allen Schulen konsequent auf Distanz gelernt. Die Fernbeziehung Schüler-Lehrer klappt mal besser, mal holpriger. Im Schulausschuss gab Karsten Neldner, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft, nach einer Umfrage unter den Schulpflegschaftsvorsitzenden aller Remscheider Schulen einen groben Überblick. Am schwierigsten gestaltet es sich in den Grundschulen, berichtete Neldner: „Digital läuft so gut wie nichts. Unterrichtsmaterialien gibt es meist als Papier und das wird von den Eltern bei den Lehrern abgeholt.“

Ausgegeben werden Wochenarbeitspläne. Unterstützt wird die Arbeit oft von Padlet (digitale Pinwand) und/oder der SDUI-App. Neldner spricht, nachdem was er aus den Antworten auf die sechs Fragen bei der Abfrage entnommen hat, den Pädagogen das Engagement keinesfalls ab: „Die Lehrer haben ihre festen Sprechzeiten, man kann sie telefonisch und per Email erreichen und sie sind bemüht in Kontakt zu bleiben, zum Beispiel die Grundschule Hasten bei auftretenden Problemen über eine Technik-Hotline.“ Daheim beim Lernen würden bei den Kleineren aber oft die Eltern die Funktion der Lehrer übernehmen müssen. Digital ist bei den Kleinen schwierig. Bei den Größeren funktioniert es deutlich reibungsloser.

„Wo auf die großen Player gesetzt wird, läuft es auch stabil.“
Karsten Neldner, Schulpflegschaft

Karsten Neldner bestätigt dies aus eigener familiärer Erfahrung. Eine Tochter ist Erstklässlerin, die zweite besucht die Sophie-Scholl in der Klasse 6. An der Gesamtschule wird die MNSpro Cloud in Verbindung mit Microsoft Teams genutzt - Videokonferenzen inklusive. „Mit ihren elf Jahren nutzt sie das wie selbstverständlich“, staunt Neldner. Eine Erkenntnis nimmt er aus der Umfrage für digitalen Unterricht mit: „Wo auf die großen Player gesetzt wird, läuft es auch stabil.“ Das kann Rainer Schulz, Schulleiter des EMA bestätigen, das die Lernplattform MNSpro erfolgreich genutzt wird. „Was wir im Frühjahr beim ersten Lockdown noch nicht hatten, funktioniert jetzt einwandfrei mit Chat und Video.“

Alexander Schmidt, Lehrer am Rögy und Sprecher der CDU-Fraktion im Schulausschuss, drängt auf eine flächendeckende Einführung von Microsoft Office 365, das einige Remscheider Schulen bereits mit MNSpro als Überbau nutzen. Sein Rögy ist mit einer eigenen Schulcloud unterwegs. Und da ruckelt es öfters. „Wenn ich zuhause sitze und meine Frau im Nachbarzimmer beruflich im Homeoffice eine Videokonferenz nach der anderen abhält, während ich ständig abschmiere, kann einem der Kragen platzen.“

In einem Antrag im Schulausschuss forderte die CDU die Verwaltung auf, die Kosten für die Schulvariante von Microsoft Office 365 zu ermitteln. „Es liegt uns fern, Werbung für einen Anbieter zu machen“, meint Schmidt: „Fakt ist aber, dass unsere Lehrer auf funktionierende und leistungsstarke Server angewiesen sind und auf diese Weise alle Schüler mit einer vollwertigen Lizenz ausgestattet sind.“

Die CDU möchte dem Flickenteppich begegnen, der sich nach den Weihnachtsferien im Distanzunterricht auftut mit vielen Plattformen und Anbietern. „Die Schullizenzen von Microsoft bieten neben der Cloud den großen Vorteil, dass die Nutzer sämtliche Produkte, aber auch professionelle Kommunikationstools nutzen können“, findet die CDU. Offen ist, ob Microsoft Office 365 die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen für die Schulnutzung erfüllt.

Andere Bundesländer sehen dies so, das Land NRW hat sich nicht abschließend geäußert. Die Stadt Solingen hat deshalb die Initiative ergriffen und ein eigenes Rechtsgutachten eingeholt, dass etwaige Bedenken zerstreut. Remscheid würde für ein eigenes Gutachten zu dem Thema kein Geld ausgeben, erklärte Schuldezernent Thomas Neuhaus: „Wir als Stadt treten für eine abgestimmte Entscheidung mit dem Land NRW ein.“ Der Schulausschuss beschloss einstimmig, dass die Verwaltung bis 18. Februar, der Sitzung des Hauptausschusses, in dieser Frage nachhakt, unter anderem beim Land.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Remscheid. Der Blog wird laufend aktualisiert.

Ausgabe der iPads

Das Sofortausstattungsprogramm des Landes NRW bescherte Remscheid 3126 digitale Endgeräte für bedürftige Schüler. Die 601 Notebooks wurden nach den Herbstferien mit einer Tasche an die Schulen ausgeliefert. Die 2525 iPads wurden um drei Wochen verspätet vor Weihnachten an die Stadt geliefert, die Schutzhüllen dazu trafen erst am 11. Januar ein. Die meisten iPads wurden sofort an die Schulen ausgeliefert, die restlichen über den Jahreswechsel bei der Stadt eingelagert. Von den eingelagerten iPads haben zwei Schulen 223 Geräte noch nicht abgeholt.

Standpunkt

andreas.weber@rga-online.de

Ein Kommentar von Andreas Weber

Die Sitzung des Schulausschusses war gespickt mit Nachfragen und Sachstandsberichten zur Digitalisierung. „Nicht den Anschluss verpassen“ war eines der Schlagworte, das die SPD in einem ihrer Anträge plakativ, aber treffend raushaute. Der moderne Unterricht, der in Deutschland über viele Jahre verschlafen wurde, hat durch Corona eine ungeheure Dynamik erfahren. Der Fortschritt ist freilich in der Realität nur bedingt angekommen. Einiges ist passiert und im Vergleich mit dem ersten Lockdown im März sind Remscheids Schulen deutlich besser aufgestellt, trotzdem knirscht es. Das geht los bei den Endgeräten für bedürftige Schüler. 3126 wurden bedacht, weitere 1919 müssen sich gedulden. Von Chancengleichheit beim häuslichen Lernen kann noch keine Rede sein. Die Probleme gehen weiter mit Wlan und Breitbandausbau. 

Schnelles Internet erreicht nur langsam seine Bestimmungsorte, die Schulen. Wo es zurzeit stabile technische Lösungen gibt, wenn Schüler und Lehrer Unterricht von Zuhause aus machen, könnte es ab Mitte Februar im Hybrid-Unterricht zu massenhaften Abstürzen kommen.

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