Pandemie

Remscheider Schulen sind weiterhin im Corona-Modus

Lolli-Tests machen das Testen in Grundschulen einfacher – damit sind aber noch lange nicht alle Probleme gelöst. Symbolfoto: Roland Weihrauch/dpa
+
Lolli-Tests machen das Testen in Grundschulen einfacher – damit sind aber noch lange nicht alle Probleme gelöst.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
    schließen

Pooltestungen in den Schulen sorgen für Unmut – Mobiles Impfen wird vom Krisenstab bisher nur für Berufskollegs angedacht.

Remscheid. Die Freude über die Schulpräsenz-Garantie des Schulministeriums nach den Sommerferien währte bei Eltern und Schülern nicht lange. Die Corona-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen haben enorm zugenommen. Diese Woche verzeichnete Remscheid bei den 6- bis 18-Jährigen insgesamt 59 Covid-19-Fälle, bei den 1- bis 5-Jährigen sind es fünf. Die Pooltestungen in den Grundschulen und die schwer nachvollziehbare Handhabung der Quarantäne sorgen dabei für Unmut.

Korinna Beyer trifft es als Mutter doppelt. Sie arbeitet in Remscheid, lebt in Hückeswagen. Ihr siebenjähriger Sohn besucht die Grundschule Wiehagen. Er ist negativ, sein komplettes Umfeld auch. Und doch sitzt der Junge seit Tagen zu Hause. Der Präsenzunterricht in der 2 b ist diese Woche abgesagt, weil ein PCR-Testergebnis der Klasse fehlt, eine Probe nicht abgegeben wurde oder verloren ging. Solange dieses nicht vorliegt, findet Schule mit von der Klassenlehrerin mitgegebenen Materialien auf Distanz statt. Selbst wenn alle Kinder negativ sein sollten, geht es nicht direkt zurück.

„Die neue Regelung ist eigentlich eine Erleichterung.“

Frank Neveling, Gesundheitsamt

Nach Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt müssen alle Kinder erneut getestet werden. Korinna Beyer verzweifelt. Sie bezeichnet die Pooltestung an Grundschulen und Kitas als „Katastrophe“, wähnt die „Schulen in einer Schockstarre“. Im Endeffekt hängen nicht nur die Kinder in Quarantäne, sondern auch deren Eltern. „Ich kenne vier Kollegen, die aufgrund solcher Pooltestungen nicht mehr arbeiten können.“ Beyer findet, dass der Testwahn auf die Spitze getrieben wird. Dr. Frank Neveling, Leiter des hiesigen Gesundheitsamts, widerspricht: Eigentlich sei man froh, dass es die Abschottung in Klassen nach dem Prinzip „Ein Kind krank, alle vom Netz“ nicht mehr gäbe. „Die neue Regelung ist für alle Beteiligten eine Erleichterung.“ Die sieht vor, dass nur unmittelbare Sitznachbarn eines Positiven in die Quarantäne wandern. Gleichwohl könne die Pooltestung gerade bei positiven Fällen hohen Aufwand bedeuten, räumt Neveling ein.

Remscheid: Krisenstab hält sich mit mobilen Impfaktionen an Schulen zurück

Claudia Becker, Leiterin der Grundschule Hasten, betont, dass sie keine bessere Lösung als die momentan praktizierte sieht. Der Lollitest, der bei jedem Schüler zweimal wöchentlich ins Labor geschickt wird, sei sinnvoll. „Die wenigen Minuten, die das kostet, stören den Unterricht kaum.“ Hasten hat aber auch das Glück, dass nach den Ferien kein positiver Fall den Ablauf durcheinanderwirbelte.

Weiterführende Schulen praktizieren ein anderes System, die Schnelltestung. Am Gertrud-Bäumer-Gymnasium funktioniert es reibungslos. „Auch weil wir mitdenkende Eltern haben, die ihre Kinder im Zweifelsfall sicherheitshalber zu Hause lassen“, erklärt Schulleiter Stephan Döring. Aktuell hat das GBG zehn Schüler in Kontaktquarantäne. Döring weiß um die pädagogische Schwierigkeit, die daraus erwachsen kann. Landen aus einer Klasse zu viele daheim, könne man lieber alle zu Hause lassen. „Denn Hybrid-Unterricht ist im Ergebnis deutlich schlechter, als wenn die Lehrer alle daheim gemeinsam digital unterrichten.“ Um Coronazahlen zu drücken, helfe nur Durchimpfen. Ab 12 wird gepikst. Stephan Döring könnte sich gut vorstellen, dass „aufsuchende Impfangebote“ direkt in die Schulen kommen. Das GBG wäre bereit.

Der Krisenstab der Stadt hält sich jedoch mit Mobilaktionen an Schulen zurück. „In der Überlegung sind bislang nur die Berufskollegs“, sagt Stabsleiter Thomas Neuhaus.

Impfzentrum

Wie lange das Impfzentrum offen bleibt, wird sich demnächst klären. Frank Neveling bestätigt, dass ab kommender Woche eine Arbeitsgruppe mit der Kassenärztlichen Vereinigung beratschlagt, wie die niederschwelligen Angebote beim Impfen intensiviert werden.

Standpunkt

andreas.weber@rga.de

Kommentar von Andreas Weber

Nur noch diejenigen, die unmittelbar davor oder dahinter gesessen haben, und die seitlichen Nachbarn von infizierten Schülern müssen seit Schuljahresbeginn in die Quarantäne. Die laxeren Isolationsregeln stützen den Präsenzunterricht, gehen aber an der Realität vorbei. Denn die spielt sich nicht nur auf den Stühlen im Klassenzimmer ab, sondern bei vielen weiteren Kontakten unter den Gleichaltrigen. Diese nachzuvollziehen, ist im Laufe eines wuseligen Schultags so gut wie unmöglich. Es ist eine gut gemeinte, aber weltfremde Anordnung des Schulministeriums. Wer Ansteckungen verringern will, muss nun Jugendliche konsequent impfen. Ab 12 Jahren ist dies bisher möglich. Und da sind die Stadt Remscheid und deren Krisenstab gefragt. Schon vor Wochen wurde Mobilität zum Gebot, als die Anmeldungen im Impfzentrum stark zurückgingen. Impfteams müssen jetzt auch verstärkt in die weiterführenden Schulen geschickt werden. Dort wird die Bevölkerungsgruppe erreicht, die am wenigsten Schutz hat, aber die größten Steigerungsraten bei Infektionen verzeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Historisches Foto: Wer erkennt die Straße?
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Das erste Kirmeswochenende ist ein voller Erfolg
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4
Corona: Inzidenz sinkt auf 48,4

Kommentare