Nebengebäude steht nicht mehr zur Verfügung

Schule wartet zwei Monate auf  Handwerker

Auf Wanderschaft: Die Kinder der Grundschule Freiherr-vom-Stein müssen pendeln, weil ein Nebengebäude saniert werden muss. Foto: Doro Siewert
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Auf Wanderschaft: Die Kinder der Grundschule Freiherr-vom-Stein müssen pendeln, weil ein Nebengebäude saniert werden muss.

Freizeitbetreuung für Lenneper Kinder startet mit Hindernissen – Kammerjäger am Übergangsdomizil im Einsatz.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Seit Ende Juni müssen rund 100 Mädchen und Jungen der Grundschule Freiherr-vom-Stein in Lennep zwischen unterschiedlichen Standorten pendeln. Weil ihnen ein sanierungsbedürftiges Nebengebäude nicht mehr zur Verfügung steht, weichen sie für die Freizeitbetreuung und das Mittagessen in die leerstehende Grundschule Am Stadion aus. Doch die Eltern wundern sich. „Denn eigentlich sollten doch die Umbauarbeiten in dem Nebengebäude längst begonnen haben“, erklärte eine Mutter im RGA-Gespräch. Handwerker tauchten aber bislang nicht auf. So müssten die Kinder ohne Not das Schulgelände an der Hardtstraße verlassen – seit nunmehr zwei Monaten.

Dies aber sei längst nicht das einzige Ärgernis. Zunächst standen den Kleinen vier Klassenzimmer nicht zur Verfügung, die in der Schule Am Stadion für sie hergerichtet wurden. Die Räume mussten nach einem Brand vor einigen Monaten zunächst auf Schadstoffbelastung getestet und konnten erst danach in Betrieb genommen werden. Dann tauchten im Umfeld des Gebäudekomplexes unsympathische Besucher auf: Ratten. Und schließlich seien die „stinkenden Toiletten“ für die Kinder eine Zumutung.

Schulleiterin Silvia Siegemund kann den Unmut verstehen: „Der Start ist holprig verlaufen.“ Aber: Die grundsätzliche Entscheidung, die leerstehende Schule als Übergangsquartier zu nutzen, sei sinnvoll gewesen. „Die Alternative wären Container auf unserem Schulhof. Sie hätten den Kindern den Platz zum Spielen genommen“, begründet Silvia Siegemund: „Und gerade wegen der Abstandsregeln durch Corona sind wir froh, dass wir die Schüler nach wie vor separieren können.“ Sonst wäre womöglich der gesamte Schulbetrieb in Frage gestellt worden.

Klar sei, dass die Übergangslösung Unannehmlichkeiten mit sich bringe. Die älteren Kinder, die das Angebot des Offenen Ganztags wahrnehmen, müssen nach dem Unterricht an der Hardtstraße zum Mittagessen in die Schule Am Stadion gehen. Dann geht es zurück zur Hausaufgabenhilfe in die Freiherr-vom-Stein-Schule – und anschließend wieder in die Schule Am Stadion, wo Freizeitbetreuung auf dem Stundenplan steht. „Wir haben den Weg mit allen Kindern geübt“, erklärt Silvia Siegemund. „Es sind vielleicht 300 Meter.“

Für die Sanierung des Nebengebäudes an der Hardtstraße ist die Stadt Remscheid zuständig. Deren Gebäudemanager Thomas Judt begründet den verspäteten Baubeginn mit coronabedingten Verzögerungen in den Verwaltungsabläufen. „Die Ausschreibung der Arbeiten ist aber abgeschlossen. Anfang September dürften die Arbeiten beginnen. Dann wird das Gerüst an die Fassade gestellt.“

„Wir können nicht mehr als putzen. Und das geschieht täglich.“

Thomas Judt, Gebäudemanager

In dem Nebengebäude der Freiherr-vom-Stein-Schule gilt es, Balken und Holzkonstruktionen zu erneuern, in die im Laufe der Jahre Feuchtigkeit eingedrungen ist. Die Stadt stellt dazu rund 550 000 Euro zur Verfügung. In den letzten Dezember-Wochen soll das Projekt abgeschlossen sein, kündigt Judt an. Dann könnten Schüler und Betreuer wieder zurückkehren.

Der Gebäudemanager bestätigt, dass der Kammerjäger zweimal dem Übergangsdomizil Am Stadion einen Besuch abgestattet hat – wegen der Ratten. „Wir haben uns dem Problem natürlich angenommen. Es liegt ganz sicher auch daran, dass der Schulhof über die Jahre hinweg geöffnet war und sich die Nutzer nicht unbedingt an die Hygieneregeln gehalten haben.“ Essensreste und auch die Ruhe, die im Haus Am Stadion herrschte, hätten die Tiere an das Tageslicht gelockt. „Der Kammerjäger hat Fallen aufgestellt, die weder für Kinder noch für Haustiere gefährlich sind“, betont Judt. Und was die „stinkenden Toiletten“ betrifft, verweist er auf die Reinigungsdienste: „Wir können nicht mehr als putzen. Und das geschieht jeden Tag.“ Grundsätzlich hätten die Kinder in der Schule Am Stadion deutlich mehr Platz, als ihnen Container auf dem Schulhof an der Hardtstraße bieten könnten, sagt Judt. „Wer das in Abrede stellt, klagt auf sehr hohem Niveau.“  

Hintergrund

Eigentlich sollte die Grundschule Am Stadion, die nun als Übergangsdomizil für die Kinder der Grundschule Freiherr-vom-Stein dient, schon längst abgerissen sein. Denn: Das Gebäude soll dem Designer Outlet Center (DOC) weichen. Daher wurde die Katholische Grundschule Am Stadion 2017 in das ehemals als Förderschule genutzte Gebäude an der Leverkuser Straße verlegt. Im Herbst soll das Oberverwaltungsgericht in Münster eine Entscheidung treffen, ob das Center gebaut werden darf. Stimmt es zu, steht der Startschuss für das DOC bevor – und der Gebäudekomplex wird beseitigt.

Standpunkt: Unmut ist verständlich

Von Frank Michalczak

Holprig. Dieser Begriff ist eine sehr freundliche Umschreibung dafür, wie bislang die Freizeitbetreuung der Kinder in der leerstehenden Schule Am Stadion verlaufen ist.

frank.michalczak@rga-online.de

Vor allem fragen sich die Eltern, warum ihr Nachwuchs bereits seit zwei Monaten die Heimat an der Hardtstraße verlassen muss – obwohl an der Freiherr-vom-Stein-Schule noch kein einziger Handwerker gesichtet wurde. Diese sollten schon längst das Nebengebäude sanieren, in dem die rund 100 Mädchen und Jungen normalerweise gefördert werden. 

Verzögerte Arbeitsabläufe in der Verwaltung lassen sich in vielen Fällen mit Corona und den Folgen der Pandemie erklären – aber nicht in allen. Es dürfte doch schon im Juni klar gewesen sein, dass die Arbeiten nicht von heute auf morgen beginnen. Stattdessen warteten Klassenräume Am Stadion auf die Kinder, die sie noch nicht einmal betreten durften. Schließlich mussten noch Schadstoffprüfungen vorgenommen werden. Dass dann dieses Übergangsquartier ein Fall für den Kammerjäger wurde, ist ein weiteres Ärgernis. Der Unmut der Eltern ist mehr als verständlich. 

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