RöLab

Schülerlabor soll der Magnet im Museum werden

Welches Muster da wohl gerade durch die Schwingungen entsteht? Tom, Luis, Ben und Fabio (v. l.) finden es unter Anleitung von Anna Kätker im RöLab heraus. OB Burkhard Mast-Weisz schaut zu. Foto: Roland Keusch
+
Welches Muster da wohl gerade durch die Schwingungen entsteht? Tom, Luis, Ben und Fabio (v. l.) finden es unter Anleitung von Anna Kätker im RöLab heraus. OB Burkhard Mast-Weisz schaut zu.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

NRW-Stiftung fördert RöLab mit 140 000 Euro – Damit wird die Stelle von Anna Kätker finanziert.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Tom hält sich die Ohren zu. „Das ist bei diesem Experiment wichtig“, erklärt er. Ben dreht am Regler, die grünen Körnchen auf dem Vibrationsgerät beginnen zu tanzen. Es piepst. „Immer, wenn ihr merkt, dass es urplötzlich stärker vibriert, kommt meist eine andere Figur. Könnt ihr erklären, was da passiert?“, fragt RöLab-Leiterin Anna Kätker. Tom erklärt: „Das Gerät kann Frequenzen abgeben. Je höher die Frequenz, desto schneller hüpfen die Körner.“ Die Jungs sind begeistert, wollen aber direkt zur nächsten Station, „die mit den Blitzen“. Vor allem Fabio (12) vom Rögy hat es dieses Experiment im Schüler-Röntgenlabor RöLab angetan. „Das ist cooler hier als in der Schule.“

Die Kinder, die am Mittwoch in der obersten Etage des Deutschen Röntgen-Museums forschten, hatten Glück: Sie hatten noch einen Platz im Ferienprogramm ergattert. Bis auf einen Medizintechnikkurs für Oberstufenschüler ist bereits alles ausgebucht – das RöLab ist beliebt. Es schickt Kinder auf die Spuren von Wilhelm Conrad Röntgen, weckt ihre Neugier für Physik und lässt sie unter Anleitung, aber ohne Lernstress selbst experimentieren. Herzstück sind zwei Schulröntgengeräte. „Wir ermöglichen den Kindern, hier mit Geräten zu arbeiten, die sie in der Schule nicht haben“, erklärt Kätker. 250 000 Euro, so schätzt Museumsdirektor Dr. Uwe Busch, dürfte die Ausstattung im RöLab gekostet haben. Sponsoren ermöglichten dies.

Remscheid: Schulen können „X-perimente Kits“ künftig auch ausleihen

Auch die NRW-Stiftung beteiligt sich mit 140 000 Euro am RöLab. Ebenso die Stadt Remscheid. Mit dem Fördergeld von insgesamt 155 000 Euro wird eine auf zwei Jahre befristete halbe Stelle finanziert: die der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Anna Kätker. Seit 1. November 2019 leitet sie das RöLab, in dem sie zuvor bereits gearbeitet hat. Ihr Ziel: die Forscherabteilung an der Schwelmer Straße auch für andere Zielgruppen zu öffnen. Während sich die Experimente vorher an Schüler ab Klasse 9 richteten, hat Anna Kätker nun auch Angebote für Grundschüler sowie für die Klassen 5 bis 7 im Angebot. „Während der Coronakrise hatte ich Zeit, das gut auszuarbeiten“, erklärt die studierte Geophysikerin.

So sind Experimentierkoffer entstanden, kurz: „X-perimente Kits“, die künftig auch an Schulen verliehen werden sollen – wahlweise mit dem Museumsteam „im Gepäck“. Die Koffer enthalten fünf Stationen zu Grundlagenexperimenten: Elektrodynamik, Schwingungen und Wellen, Vakuum, Elektrostatik und das elektromagnetische Spektrum. „Die Kleinen können das schon gut verstehen“, freut sich Kätker.

Das RöLab soll eine feste Institution am Museum werden, sagt Dr. Uwe Busch. Und das nicht nur für Schüler, die möglichst ab dem Grundschulalter schon eine Bindung zum Haus aufbauen und diese bestenfalls durch weitere Angebote auch halten sollen. Geplant ist, das Labor künftig auch tageweise für Familien zu öffnen. „Es soll ein fester, lebendiger Ort im Museum zum lebenslangen Lernen werden“, sagt Busch.

Standpunkt: Eine geniale Idee

melissa.wienzek @rga-online.de

Ein Kommentar von Melissa Wienzek

Lennep soll nicht nur durch das Geburtshaus am Gänsemarkt schon bald zum Hotspot der Wissenschaftler werden, sondern auch durch das Röntgen-Museum. Hier sollen künftig noch mehr Schüler und sogar Familien forschen – ganz im Sinne des Röntgenstrahlen-Entdeckers und berühmtesten Sohns der Stadt, Wilhelm Conrad Röntgen. „Freude habe ich nur, solange ich es mit dem Experimentieren zu tun habe“, schrieb Wilhelm Conrad Röntgen 1920 in einem Brief. Und genau diese Freude können die Nachwuchsforscher in Lennep ebenfalls erleben. Das Schülerlabor RöLab im Museum zu verankern und es damit zusätzlich mit Leben zu füllen, ist von der Idee her genial. Das RöLab ist längst kein Experiment mehr, sondern gelebte Wirklichkeit. Es begeistert den Nachwuchs mit hochwertigen Geräten und spannenden Workshops für Physik auf eine Weise, die sich mancher Erwachsener wohl in seiner Kindheit gewünscht hätte. 

Das Museum bindet Familien so nicht nur ans Haus, sondern fördert hier vermutlich schon den einen oder anderen Nachwuchs-Wissenschaftler. Und die kann der Arbeitsmarkt gut gebrauchen. 

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Grüne Damen laden zur Plauderecke in Bücherei ein
Grüne Damen laden zur Plauderecke in Bücherei ein
Grüne Damen laden zur Plauderecke in Bücherei ein
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe:  Antworten auf die wichtigsten Fragen
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale

Kommentare