Natürlich nachhaltig

Schüler wollen die Welt retten - So geht Nachhaltigkeit in Schulen

Die Schüler der Nachhaltigkeits-AG lassen sich von Stefan Brüning (Mitte) und Dirk Dörner (r.) die Arbeit im Entsorgungszentrum erklären.
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Die Schüler der Nachhaltigkeits-AG der Ganztagshauptschule Hackenberg lassen sich von Stefan Brüning (Mitte) und Dirk Dörner (r.) die Arbeit im Entsorgungszentrum erklären - eine der Aktionen zum Thema Nachhaltigkeit in den Remscheider Schulen.

Nachhaltigkeit spielt auch in der Bildung eine große Rolle. Schule und Kitas setzen nachhaltige Projekte um. Unterstützung bekommen sie von der Stadt.

Von Katharina Birkenbeul

Remscheid. Gute und gleichwertige Bildung für alle. Das ist eines der 17 Ziele der Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen. In Deutschland kein Problem, in anderen Ländern schon. Dennoch spielt auch in Remscheid Nachhaltigkeit bei der Bildung eine große Rolle. Und zwar unter dem Namen „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz BNE. BNE steht laut Bundesministerium für Forschung und Bildung für eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Wichtig bei der Vermittlung ist eine Anpassung an das Alter und die Situation der Kinder, Jugendlichen und Erwachsene.

Die Pädagogische Mitarbeiterin im Bildungsbüro, Annegret Calaminus weiß, dass nachhaltige Bildung nicht beim Mülltrennen aufhört: „Das ganze Leben des Einzelnen und die Mentalität global sollen eine Verwandlung durchmachen.“

Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“

Die Stadt Remscheid hat im Bereich „Bildung nachhaltige Entwicklung“ verschiedene Dinge auf den Weg gebracht. Darunter von 2017 bis 2019 den sogenannten „Zirkel des Lernens“gemeinsam mit Solingen und Wuppertal. Dort konnten sich Schüler mit einem beliebigen Projekt wie dem Anlegen eines Schulgartens, Artenschutz oder zum Thema alternative Energien widmen. Damit sollten Schulen auch durch Experten und Hilfe der Stadt unterstützt werden, Nachhaltigkeit ins Schulleben zu integrieren. „Ein Ziel, das nicht endet, sondern etabliert werden soll“, so Calaminus. Denn beim Thema Nachhaltigkeit in der Schule gehe es nicht um ein abgeschlossenes Lernziel, sondern darum, die Schüler anzuregen, selbst mehr auf Nachhaltigkeit im Leben zu achten und ins Verhalten einfließen zu lassen. „Man muss auch mal kleinere Brötchen backen – auch im Lernprozess.“

Unter anderem für die Hochbeete, die gemeinsam mit Schülern gebaut wurden, gab es die Auszeichnung „Schule der Zukunft“ für die Sophie-Scholl-Gesamtschule. Schulleiter Michael Pötters, die Biologielehrer Peter Koch und Petra Zimmerlin (v. l.) freuten sich. Weitere Projekte zum Thema Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit laufen bereits.

An den Remscheider Schulen ist das Thema schon angekommen. Das Leibniz-Gymnasium hat einen Nachhaltigkeitstag veranstaltet, die Sophie-Scholl hat Hochbeete angelegt oder Ernährungsprojekte gestartet, die Ganztagshauptschule Hackenberg hat sogar eine Nachhaltigkeits-AG, die sich eine Stunde pro Woche mit dem Thema beschäftigt (|siehe unten).  Zudem erhielten zwei Remscheider Schulen – die Sophie-Scholl-Gesamtschule und das Röntgen-Gymnasium – die Auszeichnung des Landes NRW „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ für die Kampagne 2016 bis 2020. Die Auszeichnung richtet sich an Schulen und Kitas die nachhaltige Bildung in den Schulalltag integrieren.

Sophie-Scholl-GesamtschuleSchulhofgestaltung, Schulverpflegung, Müsli- und Snackbar
Röntgen-GymnasiumAktivitäten zur Gesundheitsentstehung und -förderung

Aber: „An den Schulen läuft schon viel, es wäre schön, wenn das Engagement sich überall festsetzt“, sagt Calaminus. Dafür wäre es wichtig, BNE in die Lehrpläne einzubinden. „Das wäre keine zusätzliche Aufgabe, es steckt in allen Fächern drin, sogar in den Fremdsprachen. Es muss nur herausgearbeitet werden“.

Ideal wäre es zudem, wenn ältere Schülergenerationen ihr Wissen und ihr Tun an Jüngere weitergeben, denn Bildung für nachhaltige Entwicklung beginne im Kleinkind-Alter und würde bis weit über das Schulleben hinausgehen und sollte auch im Erwachsenen- und Familienalltag eine Rolle spielen, so Calaminus.

„Kinder begreifen sehr gut, welches Verhalten nachhaltig ist, da kann man noch viel bewirken. Sie haben meist auch keine Hemmungen ihre Eltern darauf hinzuweisen. Da lernen die Erwachsenen meist eher von den Kindern als andersrum“, sagt Annegret Calaminus mit einem Schmunzeln.

Im Kindergarten habe sich das Projekt „Remscheid brummt“ etabliert. Dabei erfahren die Kinder, warum Insekten so wichtig sind. Dafür werden Insektenhotels gebaut oder Wildblumenwiesen gestaltet. Die Stadt, aber auch die Technischen Betriebe (TBR), unterstützen dabei, lassen den Kindergärten aber offen wie und was sie genau umsetzen.

„Am Anfang wussten die Kitas und Schulen nicht recht damit anzufangen und wollten Hilfe haben, jetzt laufen viele Nachhaltigkeitsprojekte von selbst. Auch der Jugendrat setzt sich sehr für Nachhaltigkeit ein“, sagt Calaminus. Zudem haben die TBR für Kinder die Schatzsuche im vergangenen Jahr ausgerichtet.

So lernen Kinder nachhaltiges Verhalten

Eltern, die Nachhaltigkeit wichtig finden, sollten durch gutes Beispiel vorangehen und Konsumverhalten oder Lebensgewohnheiten ändern. Sehr wichtig sei es auch, Probleme nicht kleinzureden und Sorgen und Anliegen der Kinder ernst zu nehmen. Ebenso unverzichtbar sei die Bereitschaft, globale Zusammenhänge zu erkennen und nichts, was nicht unmittelbar vor der Haustür passiert, abzutun, erklärt Annegret Calaminus.

An der Hauptschule Hackenberg dreht sich eine Stunde in der Woche um das Thema Nachhaltigkeit

Von Alexandra Dulinski

Es ist laut im Entsorgungszentrum Remondis. Müll wird abgeladen und rattert über das Fließband zur Maschine, die Pappe und Papier in große, feste Ballen presst. „Kurz die Welt retten“ – das versuchen 14 Schülerinnen und Schüler der Ganztagshauptschule Hackenberg. Im Wahlpflichtunterricht beschäftigen sie sich eine Stunde in der Woche mit dem Thema Nachhaltigkeit und gehen der Frage nach: Was können wir selbst alle tun?

„Klar ist, dass eine einzelne Person nicht viel ausrichten kann, aber dennoch etwas ausmacht“, erklärt Lehrerin Birgit Karrenbauer-Mayerhofer. Sie plant die Ausflüge der Gruppe. In der Kleiderkammer des Kinderschutzbundes, im Umweltamt und im Unverpacktladen waren sie schon. Zum Entsorgungszentrum Remondis durfte der RGA die Schüler begleiten.

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„Wir werfen jeden Tag so viel Müll weg. Es ist interessant, was damit passiert“, begründet Anjely (13) ihre Teilnahme an dem Unterrichtsfach. In der Firma Remondis lernen sie alles über den Weg ihres Hausmülls ins Entsorgungszentrum – und was dann mit ihrer Pappe und ihrem Papier passiert. Von Kartonagen bis zu geschredderten Papierfetzen und Ersatzbrennstoffen können sie hier in den Müll sogar anfassen und riechen – und lernen dabei eins: „Was hier riecht, sind die Fehlwürfe im Gelben Sack“, erklärt Stefan Brüning, Anlagenleiter für Ersatzbrennstoffe und Papierverarbeitung. „Die Reste in euren Joghurtbechern“, führt er fort.

In der Ersatzbrennstoffhalle wird der Müll zerkleinert und zu Ersatzbrennstoff verarbeitet. Sein Ziel: eine Zementfabrik. Dort wird der Ersatzbrennstoff den Zement brennen, erklärt Brüning – und ersetzt beispielsweise Öl oder Kohle. So legt der Müll weite Wege zurück. „Die Flaschen, die wir in Nullkommanichts austrinken, reisen um die ganze Welt bis nach China. Überlegt auch das mal“, erklärt Birgit Karrenbauer-Mayerhofer ihren Schülern.

Um die Schule wird es blitz und blank

Deswegen sammeln die Schüler ihre Pfandflaschen. Insgesamt 140 Euro sind schon zusammengekommen, die sie an das Friedensdorf Oberhausen spenden werden. „Ich versuche, bei den Schülern ein Bewusstsein zu wecken“, erklärt Karrenbauer-Mayerhofer.

Die Ausflüge in die Betriebe bieten den Schülern die Gelegenheit, in fremde Berufe hineinzuschnuppern. So sollen sie andere Richtungen als die Klassiker Erzieher, Krankenschwester und Kfz-Mechaniker kennenlernen, sagt Karrenbauer-Mayerhofer.

Ihre Besuche dokumentieren die Schüler in einem Heft. Mit Erlebnisberichten, Fotos und Prospekten arbeiten sie die Ausflüge auf. Aber auch vor Ort an der HS Hackenberg sind die Schüler im Einsatz. „Wir machen auch um die Schule herum sauber, um der Nachbarschaft einen Gefallen zu tun“, erklärt Birgit Karrenbauer-Mayerhofer.

„Wegen der Umweltverschmutzung muss man gucken, was die Welt kaputt macht und was man dagegen tun kann“, sagt Schülerin Amy (13). Im Unverpacktladen haben sie und Anjely gelernt, dass sie nicht immer Plastik verwenden müssen, wenn sie einkaufen. „Da lässt man einfach alles in seine Gläser abfüllen“, erklärt Anjely.

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