Der weitsichtbare Schlot ist heute Wahrzeichen der Firma Jockel

Schornstein und Lennep sind fest verbunden

Oben: Friedhelm Steinhaus (v. l.), Holger und Frank Jockel vor einem der zwei alten Wanderrostkessel, in dem die Kohle verbrannt wurde. Unten: Die alte Dampfturbine, die Strom erzeugte. Rechts: Der Schornstein wird mit Maschendrahtzaun ummantelt. Fotos: Alexandra Dulinski/Roland Keusch
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Friedhelm Steinhaus (v. l.), Holger und Frank Jockel vor einem der zwei alten Wanderrostkessel, in dem die Kohle verbrannt wurde.

Auf dem Gelände der ehemaligen Firma Wülfing wurde Strom produziert.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Wer aufmerksam ist, sieht am Schornstein der Firma Feuerschutz Jockel in diesen Tagen Handwerker herumturnen. Das Wahrzeichen der Firma Jockel und der „Blitzableiter von Lennep“ wird auf seinen gesamten 67 Metern mit Maschendrahtzaun verkleidet – aus Sicherheitsgründen, wie Firmeninhaber Frank Jockel erklärt. „Falls mal etwas abspringt, kann nichts passieren“, sagt er. Rund zwei Wochen dauern die Arbeiten auf der Arbeitsplattform in luftiger Höhe. Immer mal wieder muss der Schornstein saniert werden, beispielsweise weil Farben verblassen – das kostet, weiß Frank Jockel.

Warum der Schornstein ihm und seinem Bruder Holger aber so wichtig ist, wird bei einem Blick auf seine Geschichte klar. Er ist für die Jockels nicht nur ein Werbeträger, der bis nach Radevormwald und Hückeswagen und von der Autobahn aus zu sehen ist. Vielmehr ist der Schornstein eng mit der Geschichte Lenneps verwoben.

Auf dem angrenzenden Gelände der Firma Steinhaus und Co. Konserven GmbH wurde in früheren Zeiten Kohle verbrannt, damals, als das Gelände, das sich heute die zwei Firmen teilen, noch der Firma Wülfing, einer Kammgarnspinnerei, gehörte.

Die Kohle kam mit der Eisenbahn

„Indem die Kohle verbrannt wurde, wurde Strom erzeugt“, berichtet Frank Jockel. Strom für das Firmengelände und für ganz Lennep, weiß Steinhaus-Geschäftsführer Friedhelm Steinhaus. Der Schornstein, der auf der Seite der Firma Jockel liegt, war unterirdisch mit dem Kesselhaus von Steinhaus verbunden. Den Schacht gibt es auch heute noch, wurde nachträglich aber geöffnet, damit die Luft im Schornstein zirkuliert und er trocken bleibt, berichtet Holger Jockel.

Die alte Dampfturbine, die Strom erzeugte.

Neben dem jetzigen Schulungszentrum der Firma Jockel, das damals die Kantine beherbergte, liegen noch alte Schienen. „Die Kohle kam mit der Eisenbahn und wurde von den Waggons ins Kohlelager abgeworfen“, weiß Frank Jockel. Eine Kranbahn habe sie dann rüber ins Kesselhaus gebracht.

Bevor der Strom aber produziert werden konnte, musste die Kohle zunächst in den zwei Wanderrostkesseln verbrannt werden. „Damals war es normal, dass Industriebetriebe, die für ihre eigenen Anlagen Strom erzeugen, auch die umliegenden Ortschaften versorgen“, sagt Friedhelm Steinhaus. Die alte Dampfturbine im Kesselhaus aus den 50er/60er-Jahren zeugt noch von den alten Zeiten. Ebenso die Instrumente an der Wand, an der der Strom ins Netz eingespeist wurde, erklärt Friedhelm Steinhaus.

Der Schornstein steht schon lange still, Strom wird aber immer noch produziert

Die Kohleverbrennung auf dem Firmengelände war ein Kreislauf, berichtet Holger Jockel. Heißes Wasser wurde durch Rohre zu den Firmengebäuden transportiert. Mit dem Dampf wurde geheizt, in der Kantine sogar gekocht. Das kalte Wasser floss zurück, um die Maschinen anzutreiben.

Der Schornstein wird mit Maschendrahtzaun ummantelt.

Der Schornstein ist schon lange außer Betrieb. „Als wir in den 90er-Jahren das Gelände gekauft haben, stand er mit Sicherheit schon 20 Jahre still“, schätzt Frank Jockel. Was nicht stillsteht, ist die Stromproduktion. Auf dem Schulungszentrum lassen die Brüder aktuell Solarzellen anbringen.

Hintergrund

Bereits 1949 startete Ingenieur Emil Jockel den Verkauf von Feuerlöschern und Werkzeugen. 2005 wurden Frank und Holger Jockel gemeinsam mit ihrem Vater Gesellschafter. Seit 2020 bezieht die Firma Jockel 100 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energiequellen.

Jockel belegt Platz 35 der Innovationsliste.

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