Remscheid hat wieder einen Schlachthof

Landwirte dürfen eigene Tiere schlachten

Melanie und Andreas Laven stehen zwischen einigen Bergschafen. Die Tiere, die sie schlachten, sind mindestens ein halbes Jahr alt. Foto: Doro Siewert
+
Melanie und Andreas Laven stehen zwischen einigen Bergschafen. Die Tiere, die sie schlachten, sind mindestens ein halbes Jahr alt.

Andreas und Melanie Laven setzen aufs Wohl ihrer Rinder und Schafe.

Von Peter Klohs

Remscheid. Der landwirtschaftliche Betrieb von Andreas und Melanie Laven liegt an der Schwelmer Straße, nicht weit entfernt vom Tierheim. Das Ehepaar, das vier Söhne hat, bewirtschaftet nicht nur rund 170 Hektar Land. Der Hof ist seit November auch Schlacht- und Zerlegebetrieb für Rinder und Schafe.

„Es war uns wichtig, dass wir unsere Tiere von der Geburt bis zum Tod begleiten. Das hat etwas mit Respekt und Würde zu tun.“

Andreas Laven, Landwirt

Damit gibt es in Remscheid wieder einen Schlachthof. Um die Tiere schlachten zu können, absolvierte Andreas Laven im vergangenen Sommer einen entsprechenden Lehrgang: „Es war uns zuvorderst wichtig, dass wir unsere Tiere von der Geburt bis zum Tod begleiten. Das hat etwas mit Respekt und Würde zu tun. Ich möchte unseren Tieren einen elend langen Anfahrtsweg zur Schlachterei nicht zumuten. Wir dürfen mit unserer Genehmigung ausschließlich unsere eigenen Tiere schlachten. Tiere von Außen, sozusagen Auftragsschlachtungen, dürfen wir nicht vornehmen. Dafür die Auflagen zu bekommen, ist erstens richtig schwer und würde sich für uns zweitens gar nicht rechnen. Aber nur für diese Genehmigung, eigene Tiere schlachten zu dürfen, haben wir schon ein Jahr gekämpft. Die Auflagen sind schon extrem hoch und genau dieselben, wie sie zum Beispiel Tönnies erledigen muss. Nur schlachtet man dort 10000 Tiere in der Woche und wir vielleicht zehn im Monat.“

Unsere Serie: „Natürlich nachhaltig“

Ein wenig an der Schlachterei verdienen will die Familie schon – auch wenn damit kein großes Geld zu machen sei. „Gut, im Moment gehen die Lebensmittelpreise ja durch die Decke, aber das Fleisch muss ja auch bezahlbar bleiben“, sagt Andreas Laven.

2015 hat er den Hof von den Eltern übernommen. „Damals befanden sich hier rund 500 Tiere. Jetzt haben wir 250 Rinder und rund 80 Schafe auf doppelt so viel Platz wie früher“, weiß Melanie Laven. Bio-zertifiziert sei der Hof nicht, auch weil es nicht das eine Bio-Label gebe. „Unsere Besucher, die über den Hof gehen, finden, dass wir Bio genug sind“, sagt die Landwirtin und fügt hinzu, dass im Sommer etwa drei Viertel der Tiere auf den Weiden sei.

Jetzt, im März, sind 25 Schafe draußen, auch zahlreiche Lämmer. „Das sind keine Osterlämmer“, sagt Andreas Laven. „Die Mär, dass diese im Januar geboren werden und zu Ostern auf den Tellern landen, ist genau das: eine Mär. Ein halbes Jahr sind unsere Schlachttiere mindestens alt.“

Etwa alle vierzehn Tage wird geschlachtet. Die Tiere werden auf vertrautem Gelände von ihnen vertrauten Menschen zum Schlachtraum geführt. „Bevor die Tiere merken, wo sie sich befinden, ist es schon passiert.“ Die Tiere werden fachgerecht und im Beisein eines Mitarbeiters des Veterinäramtes betäubt, bevor schärferes Werkzeug eingesetzt wird. „Die Mitarbeiter des Veterinäramtes haben uns auch schon gesagt, dass sie so ruhige Tiere vor der Schlachtung noch nie erlebt haben.“ Danach muss das Fleisch zwischen zehn und zwölf Tagen abhängen. Dann wird es verkauft.

Der Hof verfügt über eine große Stammkundschaft, die von der Familie Laven informiert wird, was wann zum Verkauf steht. „Bei uns kann man auch kleinere Mengen problemlos einkaufen. Manche Kunden nehmen ein Kilo Hack mit. Das ist schon okay so. Und so geht das ganzjährig weiter. Im Sommer machen wir vier Wochen Pause, meistens in den Sommerferien“, sagen die Landwirte.

„Wir wollten von Anfang an immer alles richtig machen“, berichtet Melanie Laven. „Wir wollten keinen Schrecken bekommen, wenn einmal ein Unbekannter hinter uns steht. Wir wollen kein schlechtes Gewissen haben.“ Das ist der Familie gelungen.

Hintergrund

Angebot: Bevor der Laven-Hof im November 2021 Schlacht- und Zerlegebetrieb wurde, gab es in Remscheid lange Jahre keine Schlachterei. Jetzt darf Andreas Laven eigene Tiere schlachten. Vierzehntägig dienstags und mittwochs wird das Fleisch verkauft. Es wird ausschließlich Fleisch ohne Knochen angeboten. Kontakt: Tel. (01 63) 84 39 408.

Wolf: Ein wachsames Auge hat die Familie Laven auf den Wolf. In Remscheid wurde noch keiner gesehen, aber in der direkten Nachbarschaft. „Schafe kann man schützen“, sagt der Landwirt. „Aber eine Kuhherde mit Kälbern nicht.“

Hofläden liegen im Trend: Einkaufen beim Bauern wird auch im Bergischen Land immer beliebter

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
Pkw-Fahrer erfasst Radfahrer-Gruppe - Frau wohl außer Lebensgefahr
Auch Stadtwerke hoffen auf die Ukrainer
Auch Stadtwerke hoffen auf die Ukrainer
Auch Stadtwerke hoffen auf die Ukrainer
Wo liegen diese Gleise?
Wo liegen diese Gleise?
Wo liegen diese Gleise?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?
Verliert das Häuschen in Remscheid bald an Wert?

Kommentare