Pandemie

Schaustellerfamilie: Das Ende des Tunnels ist für die Schmidts schon in Sicht

Frank Schmidt und Tochter Jaqueline Ruth freuen sich, dass sie im September ihren Autoscooter und das Kinderkarussell auf dem Schützenplatz in Remscheid aufbauen können. Foto: Roland Keusch
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Frank Schmidt und Tochter Jaqueline Ruth freuen sich, dass sie im September ihren Autoscooter und das Kinderkarussell auf dem Schützenplatz in Remscheid aufbauen können.

Die Schaustellerfamilie veranstaltet vom 17. bis 26. September die Remscheider Kirmes. Wie alle Vertreter ihrer Zunft haben auch die Schmidts unter dem monatelangen Lockdown und dem faktischen Berufsverbot für ihre Branche gelitten.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Remscheider Schausteller-Familie Schmidt hat, wie alle Vertreter ihrer Zunft, unter der Coronapandemie gelitten. Über ein Jahr wurden keine Jahrmärkte, Stadtfeste oder Kirmessen veranstaltet. Aber jetzt gibt es vorsichtigen Anlass zur Hoffnung, wie Frank Schmidt und seine Tochter Jaqueline Ruth verraten.

Das Jahr war für die Schaustellerfamilie schwierig. „Wir alle wussten zum Beginn ja nicht, wie lange die Pandemie andauert. Das war faktisch schon so etwas wie ein Berufsverbot für uns, die Saison, die noch gar nicht angefangen hatte, war zu Ende. Es wurde alles abgesagt: Vom Langenfelder Stadtfest bis zur Cranger Kirmes“, sagt Frank Schmidt.

„Die Sofort-Hilfe vom Land NRW kam prompt und zuverlässig, aber der psychische Faktor ist nicht zu unterschätzen. Fragen nach dem Sinn stellen sich da schon mal. Aber dem darf man nicht nachgeben. Im Zweifelsfall: Es gibt immer was zu tun. Ablenkung suchen durch Arbeit am Scooter, den wir dann auch mal komplett auf unserem Hof aufgebaut haben. Aber man muss auch sehen, dass es Kollegen, die ausschließlich die Schaustellerei betreiben, noch viel schlechter ergangen ist als uns. Manche von denen haben seit zwei Jahren buchstäblich nichts machen können.“

Seine Tochter Jaqueline ergänzt: „Wir haben uns mit unseren Süßigkeiten-Ständen unter anderem im Remscheider Allee-Center über Wasser gehalten. Und unsere Stände auf Weihnachtsmärkten wurden sehr gut angenommen. Da hat man schon gemerkt, dass die Menschen so etwas stark vermisst haben. Eine Anfrage erreichte uns aus Dubai. Aber das wollten wir nicht machen. Und ich habe im vergangenen Jahr meinen Lkw-Führerschein gemacht.“ „Sie fährt schon wie ein alter Hase“, findet Vater Frank. „Müssen die Gene sein.“

Wermelskirchen verlangt keine Standgebühren

Wenn die Inzidenzzahlen so bleiben, wie sie sind, ist das Ende des Tunnels bereits zu sehen. Nach intensiven Gesprächen mit Kollegen und den Ordnungsämtern, mit denen die Zusammenarbeit im Übrigen immer vorzüglich funktioniert, wie Frank Schmidt anfügt, sehen die Pläne der Familie Schmidt wie folgt aus: Vom 3. bis zum 12. September wird die Wermelskirchener Kirmes auf dem Schwanenplatz stattfinden. Frank Schmidt ist der Mitveranstalter. „Und natürlich auch mit unserem Autoscooter vor Ort. Das Besondere daran wird sein, dass die Stadt Wermelskirchen keine Standgebühren von den Schaustellern verlangt. Das ist sehr großzügig. Die Schausteller müssen nur die normalen Kosten tragen: Strom, Wasser, Müllentsorgung.“

„Und eine Woche später,“ weiß Jaqueline, „vom 17. bis zum 26. September, werden wir auf dem Schützenplatz die Remscheider Kirmes durchführen. Wir selbst werden dort mit dem kompletten Programm antreten: Autoscooter, Kinderkarussell und Süßwarenwagen. Allerdings ist es schwierig, für eine Kirmes größere Fahrgeschäfte zu organisieren. Man kriegt zum Beispiel zur Zeit kein Riesenrad. Die stehen längerfristig auf festen Plätzen und kommen durch vertragliche Bindungen dort auch nicht weg. Aber wir werden schon eine tolle Kirmes in Remscheid organisieren können.“

Frank Schmidt hat aus Eigeninteresse die Veranstaltung der Kirmes übernommen. „Ich kenne ja alles aus jahrelanger Erfahrung: Die Kollegenschaft, die Abmessung der Fahrgeschäfte, die Probleme, die zuweilen auftreten, wenn man ein abgemeldetes Geschäft wieder anmeldet. Da kommt einiges an Stress auf die Schausteller zu. Natürlich werden wir mit der Stadt Remscheid sprechen, ob der Verzichten auf die Standgebühren auch in Remscheid umsetzbar oder in welchem Rahmen das hier möglich wäre.“

„Und danach“, bedauert Jaqueline, „ist die Saison für uns schon beendet. Die Cranger Kirmes ist für 2021 bereits abgesagt worden, wie man jetzt sieht, vielleicht zu früh und mit wenig Weitblick. Da bleibt uns nur die Hoffnung auf ein normaleres 2022.“

Hintergrund

Trotz der aktuellen Lockerungen, die auch die Durchführung einer Kirmes möglich machen würde, plant die Remscheider Schaustellerfamilie Schmidt keine Änderung ihrer bisherigen Pläne. „Leider sind viele Feste schon abgesagt worden“, berichtet die Familie, „und wie man jetzt sieht: Vielleicht viel zu früh und ohne Weitblick. Wir können und wollen unsere Pläne aber nicht ändern.“

Standpunkt: Gebeutelte Branche

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Die Schausteller zählen zweifellos zu jenen Branchen, die von den Folgen der Corona-Pandemie am meisten gebeutelt wurden. Monatelang herrschte sowohl 2020 als auch 2021 Stillstand auf dem Autoscooter und dem Karussell, auf dem Riesenrad oder der Achterbahn. Dabei hatten sie es schon zuvor alles andere als leicht. Während Großveranstaltungen nach wie vor die Massen anziehen, scheinen kleinere Volksfeste aus der Mode gekommen zu sein. Ein Beispiel dafür ist Lennep. In der einstigen Kirmeshochburg wurde 2018 letztmals ein Rummelplatz aufgebaut – damals unter der Regie des Schützenvereins Eintracht, der sich mittlerweile aufgelöst hat. Angesichts der schwierigen Vorzeichen ist der Schausteller-Familie Schmidt viel Glück zu wünschen, dass es mit ihrer Remscheider Kirmes klappt. Dabei sollte die Stadt ein Stück weit Hilfe für den Neustart geben, indem sie auf die Standgebühren verzichtet. Bei den 180 Millionen Euro, die sich in Remscheid an Mehrausgaben und Mindereinnahmen durch Corona auftürmen, wäre dies nicht mehr als eine Kleinigkeit – aber eine, die den Unternehmen beim Überlebenskampf hilft.

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