SAPV Remscheid

Ethik-Café: Auf dem letzten Weg braucht es Feingefühl

Dr. med. Uwe Junker (l.) moderierte das Ethik-Café der SAPV Remscheid, hier: Tatjana Lenuck (l.) und Christina Luchtenberg (r.).
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Dr. med. Uwe Junker (l.) moderierte das Ethik-Café der SAPV Remscheid, hier: Tatjana Lenuck (l.) und Christina Luchtenberg (r.).
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Nach dem erfolgreichen ersten Ethik-Café der SAPV Remscheid entsteht nun eine Reihe.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen. Dieser Spruch von Marie Curie (1867-1934) prägt die Arbeit der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) Remscheid. Die Experten begleiten auf dem letzten Weg des Lebens – und werden dabei oft mit den Fragen konfrontiert: Wann ist das Leben noch lebenswert? Wo enden die Grenzen der Medizin? Dazu hat das SAPV-Team vom Hasten ein neues Format für Fachkräfte entwickelt. Wir geben einen Überblick.

Häufig werden Palliativ-Pflegekräfte auch mit einem Suizidwunsch konfrontiert. Wie ist hier die Rechtslage?

Tatjana Lenuck, Geschäftsführerin der SAPV Remscheid, bestätigt, dass diese Frage durchaus vorkomme. „Selbstverständlich dürfen und würden wir keinen assistierten Suizid durchführen“, erklärt sie. Aktive Sterbehilfe sei in der Bundesrepublik Deutschland verboten, betont Palliativ-Pflegefachkraft Christina Luchtenberg. „In der Palliativmedizin werden keine Medikamente verabreicht, die den Tod absichtlich herbeiführen, sondern eine medikamentöse Therapie zur Symptomlinderung.“

Wie können Palliativpflegekräfte hierbei helfen?

Ziel der Palliativmedizin sei es generell, den Leidensdruck des Patienten zu lindern, sagt Luchtenberg. „Wir dämmen die Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Atemnot, aber auch Angst und Depressionen ein – damit die Patienten überhaupt nicht den Wunsch nach einer aktiven Sterbehilfe verspüren.“ Die Symptome sollen so weit gelindert werden, dass die restliche Lebenszeit noch mit Qualität erlebt werden könne.

Palliativ-Spezialisten begleiten auf dem letzten Weg

Was können Angehörige tun?

Je nach Krankheitsphase einen möglichst normalen Umgang mit dem geliebten Menschen pflegen, betont Christina Luchtenberg. Das sei ganz wichtig. „Freunde und Angehörige können ganz viel tun, indem sie Normalität beibehalten, so lange es möglich ist. Jemand, der todkrank ist, möchte nicht anders behandelt werden. Das macht ihm dann noch mehr zu schaffen.“ Nicht selten komme es vor, dass Freunde, Kindern oder Enkel nicht mehr vorbeikämen oder der Ehepartner bestimme Themen vermeide – oft auch aus Unsicherheit. „Daher ermuntern wir das Umfeld immer, sich in den Haushalt zu bewegen, statt ihn zu meiden“, sagt auch Tatjana Lenuck. Kleinigkeiten wie ein nettes Gespräch, eine Runde Karten spielen, um für Ablenkung zu sorgen, oder einfach nur für den geliebten Menschen da sein, helfen schon. Oder auch mal die Currywurst von der Pommesbude besorgen, wenn derjenige danach frage.

Wie starke sind behandelnde Ärzte eingebunden?

Luchtenberg erklärt: „Das bestehende Konstrukt, so auch der Hausarzt, bleibt bestehen. Wir als Palliativexperten ergänzen die medizinische Versorgung als weiteres Zahnrädchen.“

Wie stark prägt die Ethik die palliativmedizinische Versorgung?

Christina Luchtenberg formuliert es so: „Wir leben in einer Zeit, in der maximale Therapieformen möglich sind, mit denen wir unser Leben im schweren Krankheitsfall sehr lange aufrechterhalten können.“ Oft komme dann die Frage auf: Ist das Leben noch lebenswert, wenn die Medizinmöglichkeiten ausgeschöpft sind? Hierzu gibt es für zertifizierte Ethikberater festgelegte Leitlinien. Anhand derer tritt der Berater mit den Angehörigen ins Gespräch. Immer steht am Ende ein Ergebnis.
Manchmal aber auch nur die Entscheidung, dass man sich in drei Wochen wiedertrifft.
Jeder Fall sei individuell.

Um all diese Fragen drehte sich das erste Ethik-Café, das die SAPV Remscheid am Hasten ausgerichtet hat. Wie kam es dazu?

Tatjana Lenuck hatte im Rahmen einer Fortbildung von diesem Format erfahren. In der Schweiz wird dieser spezielle Austausch für Fachpersonal bereits oft und gern durchgeführt. „Weil es bei uns auch immer wieder zu ethischen Fragestellungen oder kritischen Situationen kommt, fand ich es sehr wichtig, auch ein Ethik-Café in Remscheid zu etablieren“, erklärt die SAPV-Geschäftsführerin. „Ich freue mich total, dass es so gut angenommen wurde und wir dieses Jahr noch einmal etwas Neues für unsere Stadt bewegen konnten.“ Bei dem Ethik-Café geht es speziell um Fragen wie: Hat der Patient eine Patientenverfügung? Und handeln wir wirklich immer in seinem Sinne?“ Dieses ständige Hinter

fragen sei extrem wichtig. Auch für die Angehörigen, für die dieser Weg nicht leicht sei. „Dem Umfeld fällt es oftmals schwer, die Wünsche des Patienten aus der Patientenverfügung umzusetzen.“ Hier nehme die SAPV eine Vermittlerrolle ein: Mit viel Feingefühl versuchen sie den Angehörigen die Wünsche des geliebten Menschen nahezubringen.

Wie lief das Ethik-Café ab?

Die 30 Fachkräfte aus dem Pflege- und Medizinbereich hörten Fallbeispiele, die Dr. med. Uwe Junker, Facharzt für Palliativ-, Intensiv- und Schmerzmedizin am Sana-Klinikum, mitgebracht hatte. Der ausgebildete Ethikberater im Gesundheitswesen moderierte das Café. Die Teilnehmer tauschen sich dazu aus. Im Krankenhaus werde die Ethikberatung bereits praktiziert − und nun auch im ambulanten Pflegebereich.

Das nächste Ethik-Café

Am 30. November steht das nächste Ethik-Café der SAPV Remscheid an. Sollte dieses auch wieder stark nachgefragt werden, soll eine Reihe entstehen, die Abstände sind aber noch nicht fixiert. Angesprochen werden Ärzte, Pflegekräfte, aber auch weitere Gruppen wie Juristen, Theologen etc., die in ihrem Berufsleben mit den Fragen konfrontiert werden. Gerne können Gäste Fallbeispiele aus ihrer Praxis mitbringen. Ärzte und Pflegekräfte können hierbei Fortbildungspunkte sammeln.

www.sapv-rs.com

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