Sanierungen

Millionenhohe Investitionen: Mehrere Schulen müssen umziehen

Die Grundschule Dörpfeld sieht von außen prächtig aus, hat aber drinnen eine völlig veraltete Elektrik.
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Die Grundschule Dörpfeld sieht von außen prächtig aus, hat aber drinnen eine völlig veraltete Elektrik.
  • Andreas Weber
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Die Grundschulen Dörpfeld und Kremenholl müssen aufwendig saniert werden. Deshalb müssen hunderte Schülerinnen und Schüler umziehen.

Remscheid. Remscheids Schulen stehen vor Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe. Um- und Anbauten, Sanierungen und Modernisierungen sind nach jahrzehntelangen Erneuerungsstaus unerlässlich. Die Stadt muss zudem an den zusätzlichen Raumbedarf durch die Rückkehr zu G9 an Gymnasien denken und 2026 den OGS-Rechtsanspruch erfüllen. Die Ersten, die es treffen wird mit aufwendigen Rochaden, sind die Grundschulen Dörpfeld und Kremenholl.

Für Grundschulen wird es ein anstrengendes Schuljahr 22/23

Dörpfelder Grundschule sollen ins Weiterbildungskolleg umziehen

Beide werden sich nicht nur aufgrund wachsender Schülerzahlen und Klassenstärken auf schwierige Wanderjahre einstellen müssen. In Dörpfeld will die Stadt aufgrund der völlig veralteten Elektrik das Gebäude technisch kernsanieren. Weil dies bei laufendem Schulbetrieb nicht funktioniert, müssen die 230 Schüler und das 30-köpfige Kollegium mittelfristig raus. Die vorübergehende Heimat während der Bauarbeiten in Dörpfeld hat die Stadt im unweit entfernten Weiterbildungskolleg (WBK) an der Bökerhöhe ausgemacht. Das WBK wiederum soll perspektivisch an das Berufskolleg Technik angedockt werden. Dieses soll zwei Aufstockungen erhalten.

Bevor diese fertig sind, soll auch das Weiterbildungskolleg eine Übergangslösung erhalten. Diese sieht das städtische Gebäudemanagement in Lennep. Weil nicht spruchreif, hält sich Abteilungsleiter Dirk Schöneborn mit dem Ort zurück. In Frage käme das alte Gebäude der KGS Franziskus am Stadion, das dem DOC hätte weichen sollen.

Auch das Weiterbildungskolleg ist renovierungsbedürftig

Absehbar ist, dass die Wechsel auf Bedenken stoßen werden. Denn die GGS Dörpfeld würde in einen wenig einladenden Flachbau verfrachtet, der den Charme eines „DDR-Plattenbaus nach der Wende versprüht“, wie es mal ein WBK-Lehrer formulierte. Auch am WBK sind die Stromleitungen steinalt, die Jalousien in den Klassenräumen kaputt, Schalldämmungen von den Decken gerissen, die Flure hässlich, karg und vielfach beschmiert und das leckende Flachdach wird immer wieder nur notdürftig geflickt.

Seit 2015 weist WBK-Schulleiter Stefan Tolksdorf auf die Mängel hin. Geschehen ist nichts. Ein Gutachten bescheinigte dem WBK mal einen Sanierungsbedarf von 7,8 Millionen Euro. „Man kann unterrichten, aber das Gebäude ist wenig ansehnlich und marode“, stellt Tolksdorf nüchtern fest. Das Weiterbildungskolleg unterrichtet knapp 150 Schüler, die durch alle Schulsysteme gefallen sind und am Gustav-Michel-Weg ihre letzte Chance suchen, darunter ein Drittel Flüchtlinge, die den Hauptschulabschluss 9/10 oder die mittlere Reife anstreben.

Ein Viertel unserer sensiblen Schülerklientel würde uns wegbrechen.

StefanTolksdorf, WBK-Leiter

Tolksdorf und sein zehnköpfiges Kollegium möchten unbedingt am Standort bleiben, hoffen auf Renovierung. „Für uns alleine ist das Gebäude zwar zu groß, aber als Zentrum für Migrationsaufgaben würde es sich hervorragend eignen“, blickt Tolksdorf voraus. So steht ein Kooperationsvertrag mit dem Jugendmigrationsdienst Remscheid unmittelbar bevor, der am WBK eine Anlaufstelle erhält. Tolksdorf könnte sich vorstellen, dass Kommunales Integrationszentrum und Jugendarbeitsagentur als Ergänzung in seine Schule passen. Eine Angliederung an das Berufskolleg Technik hält das WBK-Kollegium zwar für die zweitbeste Option, Tolksdorf befürchtet aber: „Wir haben sozial eine sensible Schülerklientel zwischen 18 und 25 Jahren, von der vermutlich ein Viertel wegbricht, wenn man uns in einen anderen Stadtteil versetzt.“

Dirk Schöneborn kündigt an, dass die Stadt das WBK kindgerecht für die Dörpfeld-Kinder auffrischen und für einen attraktiven Schulhof sorgen werde. Der zwei- bis dreijährige Auszug brächte jedoch ein weiteres Riesenproblem. Das WBK liegt am Ende einer Sackgasse in der Siedlung. Die Elterntaxis würden für Verkehrschaos sorgen.

Dörpfeld platzt aus allen Nähten, muss 22/23 eine zusätzliche vierte 1. Klasse aufmachen, erreicht Klassenstärken mit 31 Kindern, die OGS-Kapazitäten sind limitiert, das Lehrerzimmer mit 20 Plätzen für 30 Kollegen zu klein. Mehr Platz muss her, den jedoch würde auch eine Sanierung nicht schaffen.

Auch interessant: Entscheidung ist gefallen: Das soll im ehemaligen Berufskolleg entstehen

Grundschule Kremenholl

Die Grundschule Kremenholl ist ein Sanierungskandidat und wird möglicherweise abgerissen und neu gebaut.

Am Standort der GGS Kremenholl gibt es keine Erweiterungsmöglichkeiten, insbesondere für die OGS. Als Ersatz käme das Schulgebäude Tersteegenstraße in Frage, dass das Käthe-Kollwitz-Berufskolleg (KKB) als Dependance nutzt. Die Stadt plant einen Anbau am KKB-Hauptgebäude in der Freiheitstraße. Ist das KKB aus der Tersteegenstraße raus, könnte Kremenholl nach entsprechender Sanierung dort rein.

Standpunkt von Andreas Weber: Wir wissen von nichts

andreas.weber@rga.de

Es bedarf viel Fantasie, sich in den seelenlosen Gängen des Weiterbildungskollegs eine Grundschule vorübergehend vorzustellen. Wer dieses kindgerecht gestalten will, wird vorab mindestens ein paar Hunderttausend Euro in die Hand nehmen müssen. Mit einem Aufhübschen ist es nicht getan.

Was dort passieren muss, um ein Provisorium zu ermöglichen, gleicht einer handfesten Sanierung und ist ein erster Aufschlag beim drohenden, komplizierten Immobilien-Verschieben. Das Gebäudemanagement hat die wenig beneidenswerte Aufgabe, Zwischenlösungen finden zu müssen, die es eigentlich nicht gibt und die für Ärger sorgen werden.

Damit die Wogen bei Lehrern und Eltern nicht hoch schlagen, ist die Stadt sehr gut beraten, bei allen ihren weitreichenden Überlegungen von Anfang an die Schulleitungen ins Boot holen. Denn von denen ist bislang nur der Satz zu hören: „Wir wissen bislang von nichts.“ Frühzeitiges Einbinden kann aber späteren Unmut verhindern.

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