Q & A

Sana-Klinikum führt Hebammen-Visite ein

Sind nun gemeinsam unterwegs: Lisa Ducherow (l.), Leiterin der Station BO4, und die Leitende Hebamme Andrea Steinhilber, hier mit Mama Natalia Gammel und Adrian, der am Dienstag als 1079. Baby geboren wurde. Foto: Roland Keusch
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Sind nun gemeinsam unterwegs: Lisa Ducherow (l.), Leiterin der Station BO4, und die Leitende Hebamme Andrea Steinhilber, hier mit Mama Natalia Gammel und Adrian, der am Dienstag als 1079. Baby geboren wurde.
  • Melissa Wienzek
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Mütter und ihre Babys werden noch umfassender im Sana betreut. Ziel ist, Ängste zu nehmen und das Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu stärken.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. „Dr. Google“, soziale Medien wie Instagram und Internetforen verunsichern werdende Mütter immer häufiger. Schauerbilder und Halbwissen machen die Runde. Diese Erfahrung haben auch die Hebammen im Sana-Klinikum Remscheid gemacht. „Die Informationen werden dort so unzensiert und ungefiltert weitergegeben, dass die Frauen ganz schlecht ihren eigenen Standpunkt finden können“, erklärt die Leitende Hebamme Andrea Steinhilber. Um frischgebackenen Müttern Ängste zu nehmen und sie in ihren eigenen Fähigkeiten zu stärken, hat das Remscheider Klinikum eine eigene Hebammen-Visite eingeführt. Das Angebot, das es seit einem halben Jahr gibt, werde sehr gut angenommen.

Jede Frau, die an der Burger Straße entbindet und im Anschluss auf der Station BO4 versorgt wird, kommt in den Genuss des neuen, ständigen Angebots, das die reguläre Arztvisite und die Betreuung durch die Schwestern ergänzt. „Für die Frauen ist das ein toller Schritt nach vorn“, sagt Stationsleiterin Lisa Ducherow. „Denn gerade die zwei Tage nach der Geburt sind so wichtig.“ Nach einer natürlichen Entbindung bleiben die Frauen zwei bis drei Tage, nach einem Kaiserschnitt drei bis vier Tage im Klinikum – und dann kommen plötzlich viele Fragen auf.

Wie läuft die Hebammen-Visite ab?

Jeden Morgen steht eine Hebamme von 8 bis 12.30 Uhr für die Wöchnerinnen zur Verfügung. Alle Kolleginnen aus dem Kreißsaal machen reihum mit. Im vertrauensvollen Rahmen können die Frauen so zum Beispiel noch einmal über die Geburt sprechen. Oder Fragen stellen zu Themen wie Stillen oder Rückbildung der Gebärmutter. „Kleinigkeiten können hier schon früh geklärt werden, bevor es zu einem großen Problem wird.

Das ist wichtig für die Frauen, sie haben ohnehin schon genug zu tun mit ihrem Baby“, sagt Andrea Steinhilber. Auch zum Bonding, also dem Aufbau der elterlichen Bindung zum Kind nach der Geburt, erhalten Mütter und Väter Unterstützung. Und natürlich steht das Neugeborene im Mittelpunkt. Zudem geben die Hebammen Anregungen für die erste Zeit zu Hause. Neben dem ärztlichen Entlassbrief erhält die Mutter auch einen Entlassbrief der Hebamme, der wichtige Informationen für die Nachsorge enthält.

Wie viele Hebammen hat das Sana-Klinikum Remscheid?

24, wovon 2 Vollzeitstellen sind, der Rest sind Teilzeitstellen. Übrigens alles Frauen. Das Klinikum erhält mehr Bewerbungen von Hebammen, als es einstellen kann. Die Station BO4 verfügt über 18 Stellen. In diesem Bereich arbeiten zudem 16 Ärztinnen und Ärzte.

Entlasten die Hebammen dadurch das Pflegepersonal?

Ja. „In der Zeit haben wir etwas mehr Zeit für andere Dinge“, sagt Stationsleiterin Lisa Ducherow. Eine Fachkraft mehr bedeute noch mehr individuelle Beratung, wofür die Krankenschwestern oft nicht genügend Zeit hätten. Hebammen und Pflegepersonal tauschen sich hierbei nun stärker aus – dadurch wird die Versorgungsqualität von Mutter und Kind verbessert. „Die einzelnen Berufsgruppen arbeiten hier auf Augenhöhe zusammen“, sagt Dr. Thomas Büsser, Oberarzt der Geburtshilfe.

Wurde das Personal dafür geschult?

Ja. Alle Beteiligten – Ärzte, Pflegepersonal und Hebammen – durchliefen spezielle Schulungen. Dabei wurden nicht nur alle auf den neuesten Stand der Forschung gebracht, sondern auch ein Standard erarbeitet. Nach diesem Leitfaden arbeiten nun alle auf derselben Grundlage. „Damit wir alle mit einer Stimme sprechen“, erklärt Dr. Thomas Büsser. Das sei besonders wichtig, da eine frischgebackene Mutter sehr sensibel auf Informationen und Ratschläge reagiere, weiß Andrea Steinhilber. In der Vergangenheit hätten Frauen hin und wieder Kritik geäußert, dass unterschiedliche Ansprechpartner unterschiedliche Meinungen hatten.

Wer bezahlt das Angebot?

Für die Frauen ist die Hebammen-Visite on top kostenfrei. Das Sana-Klinikum trägt die Kosten. Denn Geschäftsführerin Svenja Ehlers hat dafür den Stellenschlüssel erhöht. „Dazu nimmt das Haus Geld in die Hand. Wir wollen eine gute, ganzheitliche Rundumbetreuung, die wir mit der Hebammen-Visite nun weiter ausbauen“, sagt Kathrin Eikholt, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.

Wie geht es weiter?

„Unsere Vision ist, in diesem Bereich noch zu erweitern“, sagt Pflegedirektorin Jasmin Shmalia. Als Testphase läuft bereits seit Anfang des Monats die Hebammensprechstunde. Ab der 32. Schwangerschaftswoche können sich Frauen hierbei jeden Freitag beraten lassen. Zum Beispiel zur Schwangerschaftsdiabetes oder zur Geburt selbst. Hier kann auch die Geburtsanmeldung vorgenommen werden. Zudem werden die Mitarbeiter gerade zum Thema Stillen weitergebildet.

Rund um die Geburt

Geburten: 1300 bis 1400 Geburten führt das Sana-Klinikum Remscheid im Jahr durch.

Entbindung: Es gibt drei Entbindungs- plus Überwachungsräume.

Pränataler Schwerpunkt: Frauen können ab der 32. Schwangerschaftswoche entbinden. Die Frauenklinik ist spezialisiert auf Frühgeburten und Risikoschwangerschaften.

Kaiserschnitt: Die Kaiserschnittquote liegt mit 29,5 Prozent leicht unter dem Bundesdurchschnitt.

Familienzimmer: Die Familienzimmer auf der Station sind nun wieder geöffnet.

Covid-19: Wegen Corona darf der Mann aktuell nur bei der Geburt dabei sein, nicht bei ambulanten Untersuchungen.

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