Holzsteg und Podeste sind geplant

Ruhestätte Begräbniswald? Jäger hat so seine Zweifel

Axel von Lepel stapfte schon als Kind durch die Wälder im Kleebachtal. Heute übt er das Jagdrecht in dem Revier aus. Von 810 Hektar sind 500 bejagbar. 21 davon soll er an den Begräbniswald verlieren. Foto: Axel Richter
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Axel von Lepel stapfte schon als Kind durch die Wälder im Kleebachtal. Heute übt er das Jagdrecht in dem Revier aus. Von 810 Hektar sind 500 bejagbar. 21 davon soll er an den Begräbniswald verlieren.

Die Stadt Remscheid will im Kleebachtal einen Begräbniswald entstehen lassen.

Von Axel Richter

Remscheid. Axel von Lepel ist Jäger. Von klein auf stapft der 49-Jährige durch die Wälder im Lenneper Kleebachtal. 2015 übernahm der Physiotherapeut als Pächter das Jagdrevier in Hackenberg. 810 Hektar ist es groß. 21 Hektar soll der Jäger davon nun abgeben.

So groß ist der Begräbniswald, den die Stadt Remscheid zwischen Hackenberg und Wuppertalsperre plant. Die Jagd auf Rehe, Wildschweine und anderes Getier wäre dort grundsätzlich verboten. Dagegen habe er nichts, sagt Axel von Lepel. Allerdings fühlt er sich von der Stadt übergangen und schlecht informiert und misstraut deshalb den Schilderungen, die ihn bislang erreichten: „Man muss doch rechtzeitig miteinander reden.“

Wie berichtet, ist die Fläche am Hang des Kleebachs, der von Hackenberg zur Wuppertalsperre plätschert, einer von zwei Standorten, an denen die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) Baumbestattungen möglich machen möchten. Der Anlass: Im Kempkenholz, Remscheids bislang einziger Begräbniswald, sind die Grabstellen rar geworden. Mehr als 800 Bestattungen haben dort seit 2004 bis heute stattgefunden. Und der Trend zur Beisetzung der Totenasche in einer biologisch abbaubaren Urne unter Bäumen hält an.

Im Naturschutzbeirat der Stadt fiel das Vorhaben der Friedhofsplaner zunächst durch. In ihrer jüngsten Sitzung sahen sich die Vertreter von Natur- und Umweltgruppen nämlich ebenso schlecht informiert wie der Jäger Axel von Lepel. „Wir hatten den Eindruck, dass da mal eben schnell über etwas abgestimmt werden sollte, dessen Tragweite noch gar nicht abzusehen war“, erklärt Dela Kirchner, selbst Jägerin und für den Naturschutzbund (Nabu) Mitglied des Gremiums.

Statt ihr Einverständnis zu erklären, ließen die Naturschützer den TBR deshalb einen Fragenkatalog zukommen. Der sei beantwortet worden, sagt Dela Kirchner. „Allerdings werfen diese Antworten auch gleich wieder neue Fragen auf.“

Begräbniswald soll Holzstege bekommen

An der Waldgestaltung ändere sich mit dem Begräbniswald nichts, hatte Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes, den Naturschützern versichert. In den Antworten der TBR, zu dem das Stadtforstamt gehört, ist nun jedoch unter anderem von einer „hölzernen Steganlage wie im Hohen Venn oder in der Lüneburger Heide“ die Rede.

Über diesen Steg sollen Angehörige die Begräbnisbäume erreichen können. Er soll den Hang hinaufführen und von „Zwischenpodesten“ unterbrochen werden. Für alte Menschen mit Rollator oder Rollstuhl soll zudem ein „begrenzter Zugang mit E-Mobilität“ möglich werden und dazu ein „Shuttledienst“ eingerichtet werden.

Im Kempkenholz funktioniert das Miteinander

Im Januar, rechtzeitig vor der nächsten Sitzung des Naturschutzbeirates, sollen nun zunächst drei Ortsbesichtigungen erfolgen. Auch das Kempkenholz steht auf dem Besichtigungsprogramm. Dort blieb nicht nur der ursprüngliche Charakter des Waldes erhalten; es funktioniert auch das Miteinander von Hinterbliebenen, Spaziergängern, Reitern und anderen Nutzern des Waldes. „Ich hoffe, dass wir danach auf einer besseren Grundlage entscheiden können“, sagt Dela Kirchner.

„Kommen Sie mal am Wochenende ins Kleebachtal. Da ist hier die Hölle los.“

Axel von Lepel, Jagdpächter im Kleebachtal

Nicht nur im Kleebachtal, auch an der Barmer Straße soll ein Begräbniswald entstehen. Er befindet sich in Privatbesitz, die Technischen Betriebe befinden sich mit dem Eigentümer in Gesprächen. Im Kleebachtal gehören den TBR bereits einige der 21 Hektar. Noch befinde sich alles in einem frühen Stadium, erklärte Forstamtsleiter Markus Wolff zuletzt gegenüber dem RGA. Die Phase, in der das Baurecht eine Bürgerbeteiligung vorsehe, sei noch nicht erreicht.

Axel von Lepel, der Jäger vom Kleebachtal, bleibt misstrauisch. Schließlich stelle sich mit dem grundsätzlichen Jagdverbot auch die Frage, wer künftig zum Beispiel für die Schäden herangezogen werde, die die Wildschweine in den Maisschlägen der Bauern hinterließen. „Es geht hier doch um grundlegende Dinge“, sagt von Lepel. Darüber hinaus hält er den Wald zwischen Hackenberg und Wuppertalsperre als letzte Ruhestätte für ungeeignet. „Kommen sie mal am Wochenende“, sagt er. „Da ist hier die Hölle los.“

Bestattungsbäume

Neben dem Kleebachtal plant die Stadt nördlich der Burger Straße in Ehringhausen einen zweiten Begräbniswald. An beiden Standorten sollen 130 Bäume zu Bestattungsbäumen erklärt werden.

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