Tausende Fichten sind verschwunden

Gerodeter Wald: Röntgenläufer blicken am 30. Oktober auf Kahlschlag

Forstamtsleiter Markus Wolff hofft, dass sich der Remscheider Wald möglichst schnell wieder erholt.
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Forstamtsleiter Markus Wolff hofft, dass sich der Remscheider Wald möglichst schnell wieder erholt.
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Röntgenlauf 2022: Läufer sehen die Folgen des Fichtensterbens. Inzwischen gibt es Ideen, welche Bäume und Lebewesen bald den Remscheider Wald ausmachen könnten.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Wenn sich die Teilnehmer des Röntgenlaufs am 30. Oktober am Hackenberg einfinden, werden sie am Rande der Strecke auf eine Landschaft blicken, die sich verändert hat. Flächendeckend ließen die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) in den vergangenen Monaten abgestorbene Fichtenbestände beseitigen. Und sind weiterhin mit Hochdruck dabei. „Es geht um Gefahrenabwehr. Die Fichten brechen zusammen“, erklärt Markus Wolff, der bei den TBR für das Forstwesen und Remscheids Grünflächen zuständig ist. Er bittet mit Blick auf die Waldarbeiten die Läufer um Verständnis, wenn punktuell die Laufwege nicht so hergerichtet sind, wie sie es gewohnt sind.

Die Liste der betroffenen Gebiete ist lang. Abschnitte an der Panzertalsperre gehören ebenso dazu wie Wälder rund um Hohenhagen und Grund. „Aber auch am Schimmelbusch, im Bereich der Müngstener Brücke und der Eschbachtalsperre stehen Arbeiten an.“ Wolff bittet Wanderer eindringlich, die Absperrungen zu beachten, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Es werde nach dem Verlust der Fichten, die durch den Borkenkäfer und durch extreme Hitzeperioden abstarben, eine „Generationenaufgabe“ sein, die Wälder neu zu beleben.

Schäden im Wald: Vegetation muss sich von selbst erholen

Zuletzt verwiesen die Technischen Betriebe darauf, dass pro Jahr mehr als 30 000 junge Laub- und Nadelbäume gesetzt würden. Angesichts der Dimension der Schäden seien „Impulspflanzungen“ zwar ein Mittel. „In den meisten Fällen muss sich der Wald aber von alleine erholen“, erklärt Markus Wolff.

Das alles hat Auswirkungen auf das Ökosystem, wie der Leiter der Natur-Schule Jörg Liesendahl darlegt. „Die abgestorbenen Bäume spendeten noch immer ein gewisses Maß an Schatten. Nun wird der Waldboden noch stärker durch die Sonneneinstrahlung erhitzt, wodurch die Tiere Probleme bekommen“, erklärt der Biologe. „Sie leben im Sommer wie in einer Sauna ohne Feuchtigkeit.“ Doch nicht nur das. Auch Pilze, die an Fichten gedeihen, würden über Jahrzehnte hinweg zur Seltenheit - wie etwa der Maronen-Röhrling. Und: Vogelarten verlieren ihren Lebensraum. Als Beispiele führt Liesenfeld die Hauben- und Tannenmeise an.

Remscheider Wald: Diese Tiere werden einen Lebensraum auf den gerodeten Plätzen finden

Dafür werden sich die gerodeten Waldgebiete vermutlich in einigen Jahren als Tummelplatz für Insekten entpuppen. Denn sie finden hier viel Nahrung: „Erfahrungsgemäß siedeln sich Weideröschen und roter Fingerhut an. Auch der Bestand an Brombeeren dürfte explodieren“, blickt Liesenfeld in die Zukunft. „Es folgen Pioniergehölze, wie Birken, Ebereschen, Zitterpappeln, ehe diese von Eichen und Buchen überwuchert werden könnten“, beschreibt Liesendahl einen Prozess, der Jahrzehnte dauert.

In jenen Gebieten, die wieder aufgeforstet werden, müsse es einen möglichst breiten Mix geben. Infrage kämen dafür auch heimische Bäume, die für den Wald gar nicht so typisch sind. „Zum Beispiel Linden und Ulmen.“ Auch die Vogelkirsche und Douglasie könnten künftige Wälder bereichern, ergänzt Wolff.

Verwendung in Säge-und Kraftwerken

Die Fichten, die nun verschwinden, werden von den Technischen Betrieben vermarktet. „Unternehmen verkaufen sie an Sägewerke weiter, das Holz wird aber auch in Kraftwerken eingesetzt“, erklärt er. Mit wirtschaftlichen Interessen der Technischen Betriebe habe das Ganze aber nichts zu tun, versichert er. „Das machen wir nicht zu unserem Vergnügen. Es geht um die Beseitigung akuter Gefahren.“ Und dies sei „alternativlos“.

Totholz als Lebensraum

Nicht jeder abgestorbene Baum wird abtransportiert. Überall dort, wo es möglich sei, würden sie im Wald belassen. Sie seien ökologisch wertvoll für den Arten- und Biotopschutz. Sie bieten Lebensraum für viele Vögel, Insekten und Pilze, wie es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung heißt. Die Beseitigung der Fichten soll insbesondere dort erfolgen, wo sich Wege, Straßen oder auch eine Wohnbebauung in der Nähe befinden. Dies soll dem Schutz der Bevölkerung dienen

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