Ab B229

Rodel-Tourismus: Hohenhagen wird für Touristen weiträumig gesperrt

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Bei Neuschnee wird der Hohenhagen kommendes Wochenende abgeriegelt.

Bei Neuschnee wird der Hohenhagen kommendes Wochenende abgeriegelt.

Remscheid. Das Verkehrschaos soll sich nicht wiederholen, teilt die Stadtverwaltung mit. Ordnungsamt und Polizei haben sich auf weiträumige Sperrungen geeinigt. Am Hohenhagen wurden vergangenes Wochenende trotz landesweit gesendeter Warnhinweise über tausend auswärtige Fahrzeuge gezählt. Die Wintersportler sorgten nicht nur für Staus, sie stellten ihre Fahrzeuge rücksichtslos in Einfahrten, auf Fußwegen oder im Halteverbot ab. 

Vier Hauptzufahrten von der B 229 werden Samstag und Sonntag von 9 bis 16 Uhr gesperrt. Hierfür werden Barken auf den Abbiegespuren zur Fichten-, Metzer Straße, Hohenhagener Straße, Auf dem Knapp aufgestellt. Wer ein berechtigtes Interesse an einer Einfahrt hat, wie Anwohner, den lassen Einsatzkräfte ein. -AWe-

Artikel von 14.1.2021

Rodel-Tourismus: Stadt und Polizei wappnen sich

Der Appell des OB, nicht nach Remscheid zu kommen, verhallte offenbar.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem Massen von Wintersportlern am Wochenende den Hohenhagen belagert haben und die Polizei am Sonntag sogar Straßensperren errichten musste, um weitere Schnee-Touristen abzuhalten, erarbeiten die Behörden nun ein Konzept.

Ab der Kreuzung Ueberfelder Straße/Hohenhagener Straße ließ die Polizei am Sonntag nur noch Anwohner durch.

„Wir wollen gemeinsam mit der Polizei absprechen, wie wir künftig damit umgehen“, erklärt Ordnungsamtschef Jürgen Beckmann. Die Überlegung sei, bei neuerlichen Schneefällen großräumiger abzusperren. Denn auch der Appell von OB Burkhard Mast-Weisz am Samstag, bitte nicht zum Rodeln nach Remscheid zu kommen, verhallte offenbar. Die Leute kamen trotzdem.

Für die Einsatzkräfte ist der Schnee-Tourismus ein neues Phänomen in Coronazeiten. „Wir haben uns bisher nicht als Wintersportparadies erkannt“, sagt Beckmann. Seine Vermutung: Über die sozialen Medien wurde der Hohenhagen, höchster Punkt Remscheids, als Rodelparadies munter weiterverbreitet. Bis in den Ruhrpott. „Denn wie kommen die Bochumer oder andere Auswärtige sonst darauf, nach Remscheid in den Schnee zu fahren?“

Wie viele Menschen am vergangenen Wochenende den Steilhang bevölkerten, kann Jürgen Beckmann nicht sagen. Es sei ein ständiges Kommen und Gehen gewesen. Bußgelder sprach der Kommunale Ordnungsdienst allerdings nicht aus – dies sei bei der Masse an Menschen auch nur schwer umsetzbar gewesen, sagt Beckmann. Die Teams haben „mit freundlicher Ansprache und korrigierenden Hinweisen“ versucht, die Rodler auf die geltenden Corona-Regeln hinzuweisen. „Die, die angesprochen wurden, waren tendenziell eher einsichtig.“ Jedoch habe es auch Entgegnungen wie „Wir sind doch draußen“ gegeben. „Es gab keine Widerstände oder verbalen Entgleisungen. Es war aber auch nicht so, dass alle einen Mund-Nasen-Schutz aufgesetzt hätten“, berichtet der Ordnungsamtschef. Einige hätten dies getan, es sei aber nicht der Regelfall gewesen.

Auch in puncto Parkchaos will die Stadt das Gespräch mit der Polizei suchen. Sonntags seien Straßensperrungen machbar, in der Woche nicht. Schließlich gibt es Geschäfte wie den Aldi am Hohenhagen, die erreichbar sein müssen. Denn nicht nur die Zufahrtsstraßen, sondern auch alle Seitenstraßen wurden am Wochenende rücksichtslos zugeparkt.

Artikel vom 10.1.2021

Rodel-Tourismus in Remscheid gipfelt in Straßensperren

Der Appell des OB, nicht nach Remscheid zu kommen, verhallte offenbar.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Nachdem es bereits am Freitag zu chaotischen Zuständen am Hohenhagen gekommen war, zogen auch am Samstag und Sonntag wieder massenweise Rodeltouristen zum höchsten Punkt Remscheids. Das Schneevergnügen fand am Sonntagnachmittag schließlich ein jähes Ende:

Polizei und Ordnungsamt kontrollierten am Hang am Hohenhagen, ob die Abstände in Coronazeiten eingehalten wurden.

Die Polizei errichtete Straßensperren an der Fichtenstraße und an der Kreuzung Ueberfelder Straße/Hohenhagener Straße, um weitere Wintersportler vom höchsten Punkt Remscheids abzuhalten. Es ging nichts mehr am Hohenhagen. Die Einsatzkräfte ließen nur noch Anwohner passieren. Wegen des anhaltenden Besucherstroms sahen die Einsatzkräfte keine andere Möglichkeit. Auch der Krisenstab wurde informiert.

An der Borner Straße wurde der Schnee-Tourismus ebenfalls zum Problem. Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) wurde auf die Straßen geschickt und unterstützte die Polizei an beiden Tagen. Offenbar hatte der landesweite Appell von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) am Samstag nicht gefruchtet.

Der Stadtchef hatte über die Medien in NRW verbreiten lassen:

Ab der Kreuzung Ueberfelder Straße/Hohenhagener Straße ließ die Polizei nur noch Anwohner durch. Wer rodeln wollte, wurde weggeschickt.

Bitte kommt nicht zum Rodeln nach Remscheid! Auch die eigenen Bürger wurden gebeten, die entsprechenden Gebiete nicht aufzusuchen. „Die Parkplätze sind überfüllt, die Hänge sehr voll. Mit Blick auf die pandemische Lage ist es unverantwortlich, wenn noch mehr Menschen dort zusammenkommen“, hatte Burkhard Mast-Weisz am Samstag gewarnt. „Das Verkehrschaos ist das eine, aber die pandemische Lage macht mir einfach Sorgen“, sagte der Stadtchef, bei dem am Sonntag das Telefon heiß lief.

Remscheid: Hohenhagen als Geheimtipp gehandelt

Während die beliebten Schneegebiete im Sauerland und in der Eifel weniger Andrang verspürten als in den vergangenen Tagen, verlagerte sich das Geschehen offenbar ins Bergische. Vor allem zahlreiche Auswärtige zog es nach Remscheid. Die Kennzeichen wiesen Kölner, Düsseldorfer und weitere Touristen aus, die in ihren flachen Städten keinen Schnee haben. In den sozialen Netzwerken posteten die Rodler Fotos vom Hohenhagen – der höchste Punkt Remscheids wurde als Geheimtipp gehandelt.

„Ich gönne es wirklich jedem. Aber bitte nicht so geknubbelt.“
OB Burkhard Mast-Weisz

Was auch dem Bezirksbürgermeister übel aufstieß. Stefan Grote (SPD) hatte bereits am Freitagmorgen, als die ersten Flocken liegen blieben, im Rathaus Alarm geschlagen. Er befürchtete einen regelrechten Schneetourismus – und behielt recht. Denn abermals herrschten am Wochenende chaotische Zustände in den Straßen rings um den Fernsehturm, am Aldi, in den Wohngebieten. Autos wurden rücksichtslos irgendwo wild abgestellt.

Die Polizei und der KOD kontrollierten an den Hängen zwischen zig Schneemännern und Iglus, ob die Abstände in Coronazeiten eingehalten wurden. Die Polizei hatte dort allerdings nichts zu beanstanden, wie ein Sprecher am Sonntag auf RGA-Nachfrage erklärte. Die Menschen hielten sich an die Abstände. Jedoch spitzte sich die Lage so zu, dass es am Ende keine andere Möglichkeit mehr gab, als die Zufahrtsstraße zu sperren. Denn wenn zu viele kommen, wird es irgendwann zu eng.

Winter in Remscheid

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Eine Sperrung des Hohenhagens selbst sei nicht möglich gewesen, sagte Mast-Weisz. „Wie sollten wir den Hohenhagen sperren? Er hat zahlreiche Zugänge.“ Man wolle den Menschen ihr Schneevergnügen auch gar nicht verbieten, sagte der Stadtchef. „Im Gegenteil, sie sollen ja raus an die frische Luft. Ich gönne es wirklich jedem. Aber bitte nicht so geknubbelt.“ Selbst wenn man die Flächen rund um den Fernsehturm sperren würde, würden die Rodler auf andere Bereiche ausweichen, zum Beispiel in den Kuckuck oder auf die Erdbeerfelder, vermutete Mast-Weisz, der ernüchtert war, dass sein Appell an die Menschen verhallt war.

In den sozialen Netzwerken diskutierten die Remscheider heftig über den Schneetourismus in ihrer Stadt. Viele sind sauer. „Hohenhagen, neues Winterberg, morgen kommen noch die Influencer“ hieß es da, oder: „So kriegen wir die Pandemie nie in den Griff!“ Andere wiederum sagten: „Man kann doch sonst nichts machen. Lasst den Menschen doch ihren Spaß!“

Höchster Punkt

Der Hohenhagen ist mit 378,86 Metern der höchste Punkt Remscheids. „Hagen“ bedeutet Hecke oder Windschutz. „Da der Hohenhagen 13 Meter höher liegt als der Stadtkegel, hat sich Remscheid immer wohlgefühlt“, sagte Stadtführer Lothar Vieler einst bei einer RGA-Reportage. Denn der Hohenhagen schütze so die City vor dem Wind.

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

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